Pejorativsuffix

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Das Pejorativsuffix ist eine Nachsilbe (Suffix), die durch das Anhängen an den Wortstamm dem Wort eine negative (pejorative) Bedeutung verleiht (Bedeutungsverschlechterung). In manchen Sprachen überschneidet sich das Suffix mit der Verkleinerungsform (Diminutiv).

Beispiele

Deutsch

Das Deutsche kennt keine ausschließlich pejorativen Suffixe; deutlich häufiger erfolgt Pejoration im Deutschen durch Zusammensetzung (Komposition).[1] Die folgenden Endungen können manchmal pejorative Bedeutung haben:

  • -aster (aus dem Lateinischen), etwa Kritikaster oder Päderaster
  • -ei, bei deverbalen Abstrakta etwa Lauferei, Rederei
  • -ling ist immer grammatisch maskulin; einige Personenbezeichnungen (mit geschlechterübergreifender Bedeutung) haben als Ableitung von einer ursprünglich positiv besetzten Bezeichnung einen pejorativen Charakter (Schönling, Günstling), nicht jedoch das Kosewort Liebling oder der Häuptling. Die Bezeichnung Flüchtlinge wurde 2015 zum Wort des Jahres gewählt, allerdings merkte die verantwortliche Gesellschaft für deutsche Sprache an: „[…] klingt Flüchtling für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig: Analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling sind negativ konnotiert, andere wie Prüfling, Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling haben eine deutlich passive Komponente. Neuerdings ist daher öfters alternativ von Geflüchteten die Rede.“[2] Bei Feigling oder Sträfling ergibt sich die negative Bedeutung aus dem zugrundeliegenden Wort (die Person ist feige oder wird bestraft). Viele Ableitungen auf -ling sind neutral, etwa Ankömmling, Firmling, Höfling, Impfling, Neuling, Säugling, Sprössling, Zwillinge oder für Tiere Schmetterling, Bläulinge, bei Pilzen der Pfifferling oder Bückling als Speise.
  • -o, etwa Normalo, Brutalo (nur umgangssprachlich)

Baskisch

  • -txo etwa jauntxo (von jaun "Mann")

Englisch

  • -tard, umgangssprachlich in Worten wie paultard, libtard oder conspiratard. Als Wurzel wird meist "retard" angegeben[3].
  • -aster, etwa poetaster, philosophaster (vom Lateinischen)

Esperanto

  • -aĉ-, etwa veteraĉo „schlechtes Wetter“ (von vetero „Wetter“)

Französisch

  • -ald/-ard/-aud, etwa salaud „Dreckskerl“ (von sale „schmutzig“)
  • -asse etwa paperasse „Papierkram“
  • -âtre etwa bei Farben rougeâtre ein unansehnliches, etwa ausgewaschenes Rot

Hawaiisch

  • (-wā), etwa lonoā „Klatsch“ (von lono „Neuigkeiten“)
  • -ea, etwa poluea „Seekrankheit“ (von polu „nass“)

Italienisch

  • -accio/-accia, etwa boccaccia „Schandmaul“ (zu bocca „Mund“)
  • -astro/-astra, etwa giovinastro „Taugenichts“ (zu giovine „Bursche“)

Japanisch

  • -me (
    /
    für „Untergebener; Diener“)

Latein

  • -aster, eine betrügerische Absicht anzeigend, etwa patraster „jemand, der nur den Vater spielt“ (von pater „Vater“)

Russisch

  • -ischka (ишка)
  • -aschka (ашка)

Spanisch

Im Spanischen existieren umfangreichere Inventare an pejorativen Suffixen (Despectivos).[4]

  • -aco(a), etwa pajarraco „großer häßlicher Vogel“ (von pajaro „Vogel“)
  • -ejo(a), etwa lugarejo „Kuhdorf“ (von lugar „Platz“)
  • -ote(a), etwa discursote „langes Geschwafel“ (von discurso „Rede“)

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary: Suffix – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Valentina Crestani: Wortbildung und Wirtschaftssprachen: Vergleich deutscher und italienischer Texte. Lang, Bern 2010, ISBN 978-3-0343-0512-9, S. 233.
  2. Gesellschaft für deutsche Sprache, Pressemitteilung: GfdS wählt „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres 2015. In: GfdS.de. 11. Dezember 2015, abgerufen am 27. November 2020.
  3. Worteintrag: Libtard. In: UrbanDictionary.com. 26. Februar 2017, abgerufen am 28. November 2020 (englisch).
  4. Cartagena, Gauger: Band 2, S. 320, zitiert in: Justo Fernández López: Abwertende / pejorative Suffixe – Despektiva – „despectivos“. In: Hispanoteca.eu. 1999–2018, abgerufen am 28. November 2020.