Jargon

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Als Jargon [ʒarˈɡɔŋ oder ʒarˈgõ] (französisch jargon, eigentlich und ursprünglich wohl wortmalend = unverständliches Gemurmel, auch: Vogelgezwitscher[1]) – auch Slang [slɛŋ oder slæŋ] (englisch, Herkunft ungeklärt) – wird eine nicht standardisierte Sprachvarietät, eine Sondersprache oder ein nicht standardisierter Wortschatz bezeichnet, der in einer beruflich, gesellschaftlich, politisch oder kulturell abgegrenzten Menschengruppe, einem bestimmten sozialen Milieu oder einer Subkultur („Szene“) verwendet wird.

Herkunft

Jargon bezeichnet einen (nicht allgemein verständlichen) sondersprachlichen Wortschatz bestimmter sozialer Schichten oder Berufsgruppen. Die Bezeichnung wurde im 18. Jahrhundert aus der französischen Sprache ins Deutsche übernommen. Das französische jargon bedeutete ursprünglich „Kauderwelsch“, „unverständliches Gemurmel“ und gehört zu einer Gruppe von Wörtern onomatopoetischen Ursprungs, die ein gurgelndes, schmatzendes Geräusch bezeichnen (vgl. französisch gargote „billiges Restaurant“, „Kneipe“; von französisch gargoter „schlürfend und schmatzend fressen und saufen“[2]) Dieses Wort ist im Französischen seit etwa 1270 belegt und leitet sich von einer Wurzel *garg- ab, die die Gurgel (den Rachen, Schlund) bzw. deren Leistung bezeichnet: Sprachlaute.[3]

Der Begriff Slang wurde für eine „nachlässige Umgangssprache“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von englisch slang „Berufs-“, „Sondersprache“, „familiäre, lässige und zu Neuerungen neigende Sprechweise“ übernommen. Zunächst bezog er sich nur auf die englische Sprache (insbesondere in London), dann auch auf das amerikanische Englisch und im 20. Jahrhundert wurde er auch auf deutsche Formen der Umgangssprache bezogen. Als Terminus der Sprachwissenschaft stellt er eine Bezeichnung für „Sondersprache“ oder „Soziolekt“ dar.[4] Im Jahre 1893 fand das Wort erstmals Eingang in den Rechtschreibduden.[5]

Bedeutung und Abgrenzung

Der Jargon ist als Umgangssprache eine Sondersprache (Soziolekt), die der (häufig vereinfachten) Kommunikation innerhalb der Anwendergruppe sowie der Abgrenzung nach außen und somit der Identitätsbildung dienen kann. Als Berufs- und Spezialistensprache wird sie auch Fachjargon genannt.

Der Fachjargon beschreibt die spezielle Berufswelt treffend und konkret, ist jedoch nicht standardisiert. Er darf deshalb nicht mit einer standardisierten Fachsprache verwechselt werden. Der Fachjargon ist aber effizient und klar: er vermag zu differenzieren und zu pointieren.

Der Szenejargon zieht Gruppengrenzen, indem er eine Art „Sprachkomplizenschaft“ herstellt. Durch die Anwendung eines speziellen Jargons, beispielsweise der Jugendsprache, die sich von der Sprache der Älteren abgrenzt, entsteht eine eigene Identität. Die Sprecher als Schöpfer und Besitzer ihrer Sprache üben damit gleichsam eine Macht in der Gemeinschaft aus, die zwischen Zugehörigen und Fremden unterscheidet. Die Gruppe schafft Ausdrücke, die eine besondere Wirklichkeitserfahrung widerspiegeln. Der Jargon gliedert diese in die Identität und die Kultur der Gruppe ein.

Man unterscheidet unter anderem:

Ein Jargon kann von anderen Sprachvariationen, wie Vulgärsprache oder Register, dadurch abgegrenzt werden, dass diese Variationen keine typische Sprache einer bestimmten Gruppe ist. Manchmal entwickelt sich aus einem Jargon eine Pidginsprache.[8]

In den Neurowissenschaften wird als Jargon ebenfalls eine für Außenstehende unverständliche Sprachproduktion verstanden, d. h. bestimmte Wörter werden durch andere ersetzt, ohne dass deren Bedeutung klar wird (siehe auch Paraphasie).[9]

Siehe auch

Literatur

  • Kirsten Nabrings: Sprachliche Varietäten. Narr, Tübingen 1981, ISBN 3-87808-147-2, S. 172 f.: Abschnitt „Jargon“.
  • Bernhard Schmid: American Slang Amerikanisch Deutsch, Vito von Eichborn Verlag, Frankfurt/Main 1993, ISBN 3-8218-0431-9.
  • Peter Wippermann (Hrsg.): Duden. Wörterbuch der Szenesprachen. Herausgegeben von Trendbüro. Duden, Mannheim u. a. 2000, ISBN 3-411-70951-0.
  • Peter Wendling: Slang-Register. Hochdeutsch – Umgangsdeutsch. Würzwörter vom Feinsten. Helix-Verlag, München 1994, ISBN 3-927930-18-0.

Weblinks

Wiktionary: Jargon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Berufssprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Gruppensprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Slang – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Szenesprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Jargon in duden.de, abgerufen am 8. August 2017.
  2. Jargon in DWDS, abgerufen am 8. August 2017.
  3. Jargon im Dictionnaire du Centre National de Resources Textuelles (CNRT).
  4. Slang in DWDS, abgerufen am 8. August 2017.
  5. Slang, duden.de, abgerufen am 8. August 2017.
  6. Computerspieler-Jargon + Meta Events: Tequatl – Guild Wars 2. In: YouTube.com. 11. Februar 2016, abgerufen am 26. April 2017.
  7. Jan Drengner, Manuela Sachse: Kleines Hip Hop Lexikon. In: splash-meets-classic.de. 6. November 2006, abgerufen am 26. April 2017.
  8. Christian Lehmann: Wissenschaft – Science. In: ChristianLehmann.eu. 11. September 2013, abgerufen am 26. April 2017.
  9. Hans-Otto Karnath, Peter Thier: Kognitive Neurowissenschaften. 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-642-25526-7, Kap. 41.