World Vision Österreich

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World Vision Österreich
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Rechtsform Verein
Gründung 2. Dezember 1998
Zweck Humanitäre Hilfe, Katastrophenhilfe, Entwicklungszusammenarbeit
Vorsitz Josef Stiegler
Geschäftsführung Sebastian Corti
Website www.worldvision.at

World Vision Österreich – Verein für Entwicklungszusammenarbeit und Völkerverständigung ist ein im Dezember 1998 gegründeter Verein, der im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, Katastrophenhilfe und Anwaltschaft tätig ist. Langfristige Regionalentwicklungsprojekte werden in erster Linie durch Kinderpatenschaften finanziert.

Der eigenständige, gemeinnützige Verein mit Sitz in Wien hat rund 35 Mitarbeiter[1] und ist seit Mitte 1999 Mitglied der überkonfessionellen internationalen World Vision Partnerschaft (World Vision International WVI), die wie alle ihrer Mitglieder evangelikal verankert ist.[2][3] Aufgrund des Spendenskandals um den Vorgänger-Verein „World Vision Österreich – Christliches Hilfswerk“ wird besonders auf verantwortungsvollen Umgang mit den Spendengeldern und öffentliche Nachvollziehbarkeit geachtet und Wert darauf gelegt, dass keine Verbindung zum Vorgänger besteht, dessen Partnerschaft mit WVI von WVI 1998 wegen Veruntreuung von Spendengeldern beendet wurde.[4][5]

Gegründet als World Vision – Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung wurde der Verein früher auch World Vision GEV und GEV abgekürzt.

Projekte

International

Derzeit (Stand 2020) betreut World Vision Österreich neun langfristige Regionalentwicklungsprojekte in den sechs Ländern Chile, Mosambik, Myanmar, Sierra Leone, Eswatini und Vietnam. Schwerpunkte dieser Projektarbeit sind die Bereiche Wasser & Hygiene, Gesundheit, Landwirtschaft & Ernährung, Bildung sowie Einkommensförderung & wirtschaftliche Entwicklung.

Der Verein beteiligt sich durch Spendenaufrufe auch an der Finanzierung internationaler Katastrophenhilfseinsätze, derzeit (Stand 2014) u. a. für syrische Flüchtlinge, Flutopfer in Bosnien, Taifun-Opfer auf den Philippinen sowie zum Schutz vor Ebola in Sierra Leone. World Vision arbeitet bei allen Katastropheneinsätzen eng mit den beteiligten UN-Organisationen und anderen Hilfsorganisationen zusammen.

Österreich

In Österreich trägt der Verein dazu bei, durch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit Bewusstsein für die Ursachen von Hunger und Ungerechtigkeit zu schaffen. Im Rahmen der politischen Anwaltschaftsarbeit sieht World Vision Österreich seine Aufgabe darin, den Staat bei der Umsetzung seiner Versprechen in der Entwicklungszusammenarbeit – besonders den Millenniumszielen – zu beobachten und auf Versäumnisse hinzuweisen.[6]

Finanzierung

Der Verein gehörte am 14. November 2001 zu den ersten 44 Organisationen, die das Österreichische Spendengütesiegel verliehen bekamen[7].

Der Verein finanziert sich zu etwa zwei Dritteln aus privaten Spenden, aber auch durch öffentliche Unterstützungen der österreichischen Bundesregierung und der Europäischen Union sowie der Vereinten Nationen. Mit Hilfe von rund 14.000 Patenschaften konnte die Organisation 2013 Kinder und deren Familien unterstützen.[8]

Projekte werden unter anderem von XXXLutz, OFID und beständig[9] unterstützt.

Mitgliedschaften, Arbeitsbeziehungen und Netzwerke

Der Verein ist Mitglied bei World Vision International[3] und AGGV Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe.[10] Der Verein engagiert sich in den letzten Jahren verstärkt in der als Anwaltschaftsarbeit bezeichneten Lobbyarbeit und ist in verschiedenen thematischen Netzwerken tätig, die in engem Zusammenhang mit den Regionalentwicklungsprojekten in Ländern des Südens stehen. So ist World Vision Österreich unter anderem Mitglied des österreichischen Aktionsbündnisses gegen HIV/AIDS[11], bei VOICE (Voluntary Organisations in Cooperation in Emergencies)[12], sowie bei ECPAT (End Child Prostitution and Trafficking), das für eine Verbesserung des Schutzes und der Rehabilitation der Opfer von Kinderhandel und Kinderprostitution eintritt.[13]

Vorgänger: „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ (bis 1998)

Der ursprüngliche Verein „World Vision Österreich – Christliches Hilfswerk“ war von 1976 bis 1998 in Österreich tätig.

Ein Antrag von World Vision um Aufnahme in die österreichische Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit (AGEZ) wurde 1996 abgelehnt. Die Begründung lautete: „World Vision Österreich erfüllt weder unsere Kriterien von Transparenz und Offenlegung der Einnahmen noch entspricht ihre Arbeit unseren Anforderungen an Entwicklungszusammenarbeit.“ (Südwind-Magazin[14])

1998 zeigten sich bei zwei Überprüfungen (peer reviews) durch die internationale World Vision Partnerschaft Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung und in der Dokumentation der Patenschaften[15], die sich zum Verdacht der Veruntreuung seitens der damaligen Geschäftsführung verdichteten. Da sich die Geschäftsführung jedoch konsequent einer Aufklärung verweigerte, schaltete das World Vision-Vereinsmitglied Josef Stiegler die österreichischen Behörden ein, die eine gründliche Untersuchung veranlasste. Am 26. November 1998 wurde das damalige Führungsduo in Untersuchungshaft genommen.[16] Die Untersuchung ergab schließlich eine umfangreiche Veruntreuung von Spendengeldern durch die damalige Geschäftsführerin Martina Krones-Taurer. World Vision International setzte rechtliche Schritte um dem Verein die Namensrechte zu entziehen.[17] Der Verein wurde noch im November 1998 aufgelöst.

Der Spendenskandal hatte eine sehr hohe mediale Präsenz in Österreich, unter anderem, weil der Kaiser-Enkel und damalige Europaabgeordnete Karl Habsburg-Lothringen zeitweise dem Vorstand von World Vision Österreich angehört hatte.

Wirtschaftsprüfer der KPMG bestätigten Geldflüsse von der Organisation zur Paneuropa-Union, hierbei flossen Spendengelder in den EU-Wahlkampf 1996 der ÖVP, auf deren Listenplatz zwei Karl Habsburg für das Europaparlament kandidierte.[18][19] Anton Heinz Struppy, der 1998 gleichzeitig für die Paneuropabewegung und World Vision Österreich arbeitete[20], betrieb anschließend bis 30. Juni 2010 einen Finanzservice.[21]

In Folge wurde gegen die damalige Präsidentin und Geschäftsführerin Martina Taurer-Krones[22] und ihren Ehemann Wolfgang Krones Anzeige erstattet. Unter anderen wurde ihnen vorgeworfen, Spendengelder in der Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro veruntreut und für private Zwecke, wie z. B. Reisen, ausgegeben zu haben. Nach einem langwierigen gerichtlichen Vorverfahren wurde im November 2003 der Prozess eröffnet. Im September 2004 wurde Martina Taurer-Krones zu drei Jahren Haft ohne Bewährung und Wolfgang Krones als Mittäter zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die des „Mitwissens“ angeklagte ehemalige Finanzreferentin von „World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk“ wurde freigesprochen. Erst 2004 zahlte Karl Habsburg 36.899 Euro an den Nachfolgeverein von World Vision zurück, die – nach seinen Angaben ohne sein Wissen – in die Finanzierung seines Wahlkampfes geflossen waren.[23]

Josef Stiegler gründete noch im Dezember 1998 die Nachfolgeorganisation World Vision – Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stand 2014 http://www.worldvision.at/team
  2. Anhang D Covenant of Partnership in Greame Irvine: Best Things in the Worst Times: An Insiders View of World Vision. BookPartners, Inc. (1996) verpflichtet jedes Mitglied auf ein von der amerikanischen National Association of Evangelicals entlehntes Statement of Faith
  3. a b United Nations Industrial Development Organization: Matters related to intergovernmental, non-governmental and other organisations - Applications from non-governmental organizations for consultative status vom 2. Mai 2002, auch online (PDF; 18 kB). „Dachverband“ – wörtlich: umbrella organisation. Zitat: Each member organization is autonomous while working within the WVI network. All members have an equal vote within the inter-national council of WVI.
  4. Wiener Zeitung: Gütesiegel für World Vision GEV (Stand: 6. April 2005). Abgerufen am 8. September 2012
  5. World Vision Österreich: Geschichte. Abgerufen am 4. Juni 2012
  6. Österreichische Entwicklungs- zusammenarbeit. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  7. Spenden-Engagement muss belohnt werden: Organisationen fordern steuerliche Absetzbarkeit. 14. November 2003, archiviert vom Original am 1. Juli 2010; abgerufen am 30. Juni 2010.
  8. http://www.worldvision.at/sites/default/files/WVOE_Jahresbericht_2013_Mail.pdf
  9. http://www.worldvision.at/node/39704
  10. http://www.globaleverantwortung.at/start.asp?b=1288
  11. http://www.aidskampagne.at/
  12. http://www.ngovoice.org/index.php?page=121
  13. 3. Weltkongress gegen Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie 2008. Abgerufen am 30. Juni 2010.
  14. Südwind-Magazin: Umstrittene Kinderpatenschaften – World Visions Methoden waren der „Szeneb“ von Anfang an suspekt. Ausgabe 01/1999, Seite 8.
  15. Austrian Development Agency: World Vision Österreich: Kofinanzierte Projekte in Afrika (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive). Archiv 04/1999.
  16. Andreas Khol, Günther Ofner, Alfred Stirnemann: Österreichisches Jahrbuch für Politik 1998, R. Oldenbourg, 1998, ISBN 978-3-7028-0362-9, S. 696.
  17. Vgl. Rückblick der Zeitschrift Datum (Memento vom 14. Mai 2007 im Internet Archive)
  18. Hans-Peter Martin: "Österreich: Gelber Stern". Der Spiegel, 21. Dezember 1998, abgerufen am 5. Dezember 2009.
  19. hagalil.com: „Unkorrekte Geldflüsse“ - Nach Prüfbericht steigt Druck auf Habsburg
  20. Algoprint: Club Carriere - Enzyklopädie des Erfolges 1998, Algoprint Verlags AG, 1998, ISBN 3-9521669-0-1, ISBN 978-3-9521669-0-1, S. 710.
  21. Anton Heinz Struppy: Impressum. Archiviert vom Original am 1. Juli 2010; abgerufen am 1. Juli 2010.
  22. Die Presse: Betrugsprozess: Krones-Taurer erneut angeklagt. 26. Januar 2007
  23. Rückblick der Zeitschrift Datum (Memento vom 14. Mai 2007 im Internet Archive)