Alltagsdefinition

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Unter Alltagsdefinitionen (engl. folk definition) werden definitionsähnliche Verfahren im alltäglichen Leben verstanden, die der Erläuterung einer Wortbedeutung oder der Erklärung einer Sache (oder Aufklärung über eine Sache) dienen. Es sind also Bedeutungsbeschreibungen, die die Identifikation des bezeichneten Bezugsgegenstandes in einer Rede bzw. einem Text ermöglichen. Diese Erläuterungen können sowohl einzelne Wörter, Sätze als auch ganze Textsegmente umfassen, beispielsweise:

  • Ein häufiges Problem in den unkontrollierten Gewässern sind Zerkarien: Larven von Parasiten, die normalerweise in Wasservögeln leben. Sie können sich in die Haut von Menschen bohren und dort juckende Pusteln hervorrufen. (Apotheken Umschau 15. Februar 2002, S. 40)
  • Vor allem das „Abziehen“, sprich das gewaltsame Stehlen von teurer, prestigeträchtiger Markenkleidung unter Kindern und Jugendlichen, belastet mehr und mehr die Kriminalstatistiken vor allem der größeren Städte. (Mannheimer Morgen 23. Februar 2001, S. 3)
  • „Wären die Gewässer nach wie vor poly- oder hypertroph, also überdüngt, dann würden diese Pflanzen nicht wachsen“, sagt Ökologe Schiewer. (Berliner Zeitung 30. September 1998, S. II)

Da es bei Alltagsdefinitionen um Bedeutungsbeschreibungen eines (Rede)Bezugsgegenstandes handelt, auf die in der Regel durch ein Lexem referiert wird, sind Alltagsdefinitionen lexikalische Erläuterungen. Für solche Erläuterungen gibt es in anderen wissenschaftlichen Untersuchungen unterschiedliche Bezeichnungen.

So finden sich folgende, synonym für Alltagsdefinitionen verwendete Benennungen in verschiedenen wissenschaftlichen Ausführungen, die sich mit lexikalischer Bedeutung befassen:

  • „textinterne und satzgliedinterne definitionsartige Erläuterungen“ (Reichmann 1979, 148 zitiert bei Schmidt 1988, 344),
  • „nicht wissenschaftliche Explikationen in Alltagsdialogen“ (Quasthoff/Hartmann 1982, 104),
  • „kontextuelle Paraphrase eines Redestückes in kontrakonfliktärer Funktion“ (Wiegand 1977, 66),
  • „Alltagsdialoge über nennlexikalische Ausdrücke“ (Wiegand 1989, 553),
  • „Textzeugnisse metasprachlichen Charakters, in denen historische Sprachteilhaber ihre Ansichten über Texte, Sätze, Wörter, Wortbedeutungen, grammatische Formen, Aussprache oder Schreibweise äußern, also die Sprache ihrer Zeit in der eigenen Perspektive unverdeckt reflektieren“ (Schmidt 1988, 341f.),
  • „semantisch relevanten Formulierungsbearbeitung“ (Deppermann 2002, 23).

Alle diese Bezeichnungen beziehen sich auf eine und dieselbe sprachliche Erscheinung, nämlich die Alltagsdefinition.

Literatur

  • Greta Stanaityte: Alltagsdefinitionen und ihre Funktionen. Dissertation, Universität Mannheim 2005 (Volltext)