Diakonie Österreich

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Diakonie Österreich
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Rechtsform evangelisch-kirchlicher Verein
(ZVR: 023242603)
Sitz Wien
Schwerpunkt Soziale Arbeit, Humanitäre Hilfe, Sozialpolitik
Personen Maria Katharina Moser (Direktorin)
Umsatz 490 Mio. EUR (Gesamterlöse aller Mitglieder 2021)[1]
Beschäftigte 9900 (2021)[1]
Freiwillige 2500 (2021)[1]
Mitglieder 30 (2021)[2]

Die Diakonie Österreich mit Sitz in Wien ist der Dachverband aller diakonischen evangelischen Anbieter in Österreich und besteht aus 30 Mitgliedsorganisationen mit rund 9.900 Mitarbeitern.[1] Die Diakonie ist eine der fünf größten österreichischen Wohlfahrtsorganisationen und mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgestattet. Leiter der Diakonie Österreich war von 1994 bis 2018 Pfarrer Michael Chalupka. Am 1. September 2018 wurde Maria Katharina Moser zur Direktorin ernannt.[3][4]

Die Kernkompetenzen sind Altenarbeit und Pflege, Behindertenarbeit, Gesundheit, Kinder und Jugendliche,[5] Ausbildung und Schulen, Migranten und Flüchtlinge, Rettungsdienst und Krankentransport sowie Soziale Krisen. Mit der Diakonie Katastrophenhilfe leistet die Diakonie Österreich weltweit humanitäre Hilfe bei Naturkatastrophen und kriegerischen Konflikten.[6] Dabei geht es einerseits um humanitäre Soforthilfe im Krisenfall, andererseits um den mitunter mehrere Jahre dauernden Wiederaufbau sowie um Katastrophenvorsorge. Die Diakonie ist Mitglied der Hilfsaktion Nachbar in Not mit dem ORF als Medienpartner.

Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist die Diakonie mit der Aktion „Brot für die Welt“ international in Projekten tätig. Die Arbeitsschwerpunkte liegen hier in der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, der Ernährungssicherung, Frauenförderung, Friedensstiftung und Bildung. Sowohl die Diakonie Katastrophenhilfe als auch Brot für die Welt Österreich sind Mitglied der ACT Alliance.

Geschichte

Nach Jahrhunderten der Verbote und Aussiedlungen wurde von Kaiser Joseph II. mit dem Toleranzpatent von 1781 die Ausübung der evangelischen Religion in Österreich wieder gestattet. Die gesetzliche Gleichstellung mit der römisch-katholischen Kirche erfolgte unter Kaiser Franz Joseph I. 1861 mit dem Protestantenpatent.

1873 gründete die evangelische Gräfin Elvine de La Tour auf ihrem Gut in Russiz bei Görz (Österreichisches Küstenland) ein Liebeswerk für Mädchen. Im gleichen Jahr begann Pfarrer Ernst Schwarz in Waiern in Kärnten mit der so genannten Kinder-Rettungsarbeit. Als erster Verein wurde 1874 von seinem Bruder, Pfarrer Ludwig Schwarz, der Verein für Innere Mission in Gallneukirchen in Oberösterreich gegründet, aus dem 1877 das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen hervorging.

Ernst Schwarz gründete später das evangelische Diakoniewerk Waiern. Nach Gräfin de La Tours Tod 1916 wurde ein Teil ihres Vermögens in das Diakoniewerk Evangelische Stiftung de La Tour eingebracht. Bereits 1885 hatte sie mit ihrem Gatten das Schlossgut Treffen am Ossiacher See für die Kinderarbeit erworben.

Somit sind die Brüder Schwarz und die Gräfin de La Tour die Begründer der Diakonie in Österreich.[7]

1912 wurde der Zentralverein für Innere Mission gegründet, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und später in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und Diakonie in Österreich umbenannt wurde. Dieser Verein wurde vom Diakonischen Werk für Österreich abgelöst, heute als Diakonie Österreich bekannt.

Aufbau

Drei von den 30 Mitgliedsorganisationen sind ständige Mitglieder des Diakonischen Rates mit Sitz und Stimme: das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen, die Diakonie de la Tour und das Diakonie-Zentrum Spattstraße in Linz, die drei größten diakonischen Anbieter Österreichs.

Das 1877 gegründete Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen ist die größte und älteste diakonische Einrichtung in Österreich. Das Mutterhaus Bethanien liegt in der oberösterreichischen Kleinstadt Gallneukirchen im Unteren Mühlviertel, rund 14 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Linz. In den zahlreichen Tätigkeitsfeldern sind über 3200 Menschen beschäftigt, die an über 100 Standorten in fünf Bundesländern sowie in Rumänien und Bosnien und Herzegowina wirken. Das Diakoniewerk Gallneukirchen betreut die Einrichtungen in Hermannstadt in Siebenbürgen (Rumänien) und in Mostar in Bosnien und Herzegowina.

Die Diakonie de la Tour ist die zweitgrößte diakonische Einrichtung in Österreich und Dachverband für die beiden Diakoniewerke in Kärnten, das Diakoniewerk Evangelische Stiftung de La Tour und das Evangelische Diakoniewerk Waiern. Diese Diakonie verfügt über mehrere Standorte in sieben Kärntner Gemeinden.[8]

Das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz ist um das Wohl von Kindern und Jugendlichen in Ober- und Niederösterreich bemüht. Sie ist im Eigentum der Evangelisch-methodistischen Kirche. An zehn Standorten der drei Regionalstellen sind rund 500 Mitarbeiter im Einsatz.[9]

Eine andere große diakonische Einrichtung ist die Diakonie Eine Welt gem. GmbH. Sie vereint die Arbeitsbereiche Flüchtlingsarbeit, Bildungsarbeit (speziell in Wien), Katastrophenhilfe sowie Entwicklungszusammenarbeit. Die Diakonie Eine Welt GmbH wurde 2009 gegründet. Sie ist für die Führung und Weiterentwicklung des Evangelischen Hilfswerks in Österreich und des Evangelischen Schulwerks A.B. Wien verantwortlich. Rektor ist Michael Bubik. Im Auftrag der Diakonie Österreich verwaltet die Diakonie Eine Welt die Organisationen Diakonie Austria, Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt in Österreich. Gemeinsam mit der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar führt sie das Projekt „fair share“. Seit 2012 ist die Diakonie Eine Welt an Oikocredit beteiligt.

Weiters gibt es Anbieter im Burgenland sowie in der Steiermark, die Heilsarmee und die Johanniter-Unfallhilfe.

Die Diakonie ist ökumenisch ausgerichtet, darum gehören unter anderem die Altkatholische Diakonie der Altkatholischen Kirche Österreichs, die Heilsarmee Österreich und der Hilfsverein der Baptisten in Österreich zu den Mitgliedern der Diakonie Österreich.[10][11][12]

Direktoren

Finanzierung

Die Diakonie veröffentlicht einen jährlichen Jahresbericht.

Im Jahr 2021 hatte die Diakonie in ganz Österreich rund 490 Mio. Euro zu verwalten und Dienstleistungen bereitzustellen, die diesem Wert entsprechen. Zwei Drittel dieser Mittel stammen aus der öffentlichen Hand, ein Fünftel kommt aus privaten Beiträgen (für Leistungen von Krankenhäusern, Schulen und anderen Einrichtungen), der Rest aus Spenden und kirchlichen Mitteln.[1]

Laut Fundraising Verband Austria beläuft sich der Spendeneingang der Diakonie – Brot für die Welt für 2020 auf 9,71 Millionen Euro. Das entspricht knapp 2,3 % der für die Arbeit zur Verfügung stehenden Mittel.[15]

Die Diakonie ist seit dem Jahr 2003 durchgängig mit dem österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet.[1]

Die Umsätze der Diakonie sind von der Umsatzsteuer befreit.[16]

Internationale Zusammenarbeit und Aufgaben

In Europa arbeiten mehrere Diakonische Werke verschiedener Länder in „Eurodiaconia“ zusammen. Sie vertreten damit gemeinsam die Interessen der Mitgliedsverbände gegenüber den europäischen Institutionen.

Weltweit sind die diakonischen Werke in einem Weltverband zusammengeschlossen. Die europäischen Verbände sind in der Regionalversammlung „Europ-Africa“ eingebunden.

Bedeutung des Symbols

Das Logo enthält das Kronenkreuz, das Richard Boeland von der Kunstschule Berlin im Jahre 1925 entworfen hatte. Es stellte ursprünglich die künstlerische Verbindung der Buchstaben I und M (Innere Mission) dar. Bekannt wurde es aber als Kronenkreuz, wobei das zu erkennende Kreuz für Not und Tod steht und die Krone für Hoffnung und Auferstehung. Das Signet wurde bei der Gründung des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland im Jahre 1957 als eigenes Symbol übernommen.

Literatur

  • Wilfried Brandt: Für eine bekennende Diakonie. Beiträge zu einem evangelischen Verständnis des Diakonats. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2001, ISBN 3-7887-1854-4
  • Joachim Dettmann, Michael Holewa: Perspektive Diakonie 2025. zukunft – macht – wissen. Den demographischen Wandel gestalten. Transfer-Project, Berlin 2006
  • Heidrun Szepannek: Elvine Gräfin de La Tour; Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2010, ISBN 978-3-900531-77-5.

Weblinks

Commons: Diakonie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Jahresbericht 2021. In: diakonie.at. Abgerufen am 27. September 2022.
  2. Diakonie-Webseite. Abgerufen am 3. Februar 2021.
  3. orf.at: Maria Katharina Moser: Diakonie hat neue Direktorin. Artikel vom 1. September 2018, abgerufen am 1. September 2018.
  4. Diakonie Österreich: Jahresbericht 2008 (Memento vom 24. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB)
  5. Kinder- und Jugendhilfe: Gleiche Chancen für alle Kinder! Presseaussendung. In: ots.at. 26. Juni 2018, abgerufen am 20. Juli 2018.
  6. Diakonie Katastrophenhilfe hilft vor Ort: Da sein für Menschen in größter Not – dort, wo es darauf ankommt. Presseaussendung. In: ots.at. 22. Juli 2018, abgerufen am 2. September 2018.
  7. Diakonie Österreich: Die Anfänge der Diakonischen Arbeit in Österreich; zur Verfügung gestellt von der Österreichischen Diakonie per E-Mail
  8. Diakonie Kärnten: Startseite, (Abgerufen am 14. Juni 2009)
  9. Diakonie Zentrum Spattstraße: Startseite, (Abgerufen am 15. Juni 2009)
  10. Diakonie Österreich Altkatholische Diakonie in der Diakonie Österreich (abgerufen am 16. Februar 2015)
  11. Diakonie Österreich Heilsarmee in der Diakonie Österreich (abgerufen am 16. Februar 2015)
  12. Hilfsverein der Baptisten in der Diakonie Österreich. In: diakonie.at. Abgerufen am 15. Februar 2015.
  13. Chalupka als Diakonie-Direktor verabschiedet. In: religion.orf.at. 22. Juni 2018, abgerufen am 2. Februar 2019.
  14. Maria Katharina Moser wird neue Diakonie-Direktorin. In: diakonie.at. 25. September 2017, abgerufen am 12. November 2017.
  15. Günther Lutschinger, Astrid Picello, Bernhard Hofer: Spendenbericht 2021. (PDF; 2,4 MB) In: fundraising.at. 11. Januar 2021, abgerufen am 27. September 2022.
  16. §6 Abs. 1 Zi 25 UStG (BGBl. Nr. 663/1994)