Diskussion:Afrikanische Platte

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Habe soeben (16.03.2006) im Spiegel (spiegel-online) etwas über die Afar-Senke gelesen, Entstehung eines neuen Ozeans und so. Dauert wohl noch einige Millionen Jahre. Aber so! geschlossen und groß kann die Afrikanische Platte dann doch gar nicht sein. Würde mir wünschen, dass sich in dem Artikel über die Afrikanische Platte mal jemand austobt, der mehr Ahnung hat als ich.

Madagaskar

Liegt Madagaskar auf der Somaliplatte?
Danke voraus.
Gruß, Ciciban 09:39, 30. Aug. 2009 (CEST)

Überarbeitung

Puh, da is ja inhaltlich einiges im argen:

  • "Sie erstreckt sich unter dem gesamten afrikanischen Kontinent sowie unter einem Teil der umliegenden Meere." wieso unter? zu der Platte sollte eigentlich auch alles gehören was drauf liegt.
  • "Konsens ist, dass sich vor ca. 60 Millionen Jahren im Norden die Apulische Platte von der Afrikanischen löste, die besonders mit dem Adriasporn entscheidend in die Auffaltung der Alpen eingriff." das klingt so als hätte/würde es eine divergierende Plattengrenze zwischen Europa und Afrika geben, was natürlich falsch ist (das kommt dabei raus wenn man ozeanische Kruste vorbehaltslos zu kontinentalen Platten zählt).
  • "Weitgehend anerkannt ist heute die Annahme, dass die Afrikanische Platte in ihrem östlichen Teil zerbricht und entlang des Großen Afrikanischen Grabenbruches eine neue Plattengrenze entsteht." das sehen zB Frisch und Meschede ganz anders, von weitgehend kann absolut nicht die Rede sein.
  • "Der sich abspaltende östliche Teil wird üblicherweise als Somaliplatte bzw. Somalische Platte bezeichnet.[3][4][5] Für die verbleibende Afrikanische Platte wird in Fachkreisen zumeist die Bezeichnung Nubische Platte verwendet." die hier angeführten Bezeichnungen sind kleinere sehr alte Subeinheiten Afrikas, dass potentiellen nun neu entstehenden Platten die gleiche Bezeichnung gegeben wird müsste - wenn das hier so stehen bleiben soll - auch belegt werden, in den zugehörigen Referenzen war nur davon die Rede dass sich beide Platteneinheiten voneinander entfernen.
  • Die Referenzen sind übrigens teilweise ziemlicher Mist, vor allem in dieser Seminararbeit(?) werden viele Aussagen nicht belegt und das geologische Niveau der Welt ist in der Regel auch sehr mager.
  • das Paper "The Somalia plate and the East African Rift System: present-day kinematics" spricht von einem Bruch zwischen Madagaskar und Afrika von einer Teilung Madagaskar ist soweit ich es gelesen habe hier nicht die Rede, das ist auch sehr unwahrscheinlich warum sollte die Kruste dort reissen wo sie am dicksten ist?

--Christian b219 (Diskussion) 09:42, 22. Sep. 2012 (CEST)

Ich kann deiner Kritik nur mir Einschränkungen folgen. Punkt 1 ist klar: Die Platte ist der Kontinent, Punkt 2 stimme ich ebenfalls zu. Im Punkt 3 muss ich dir widersprechen. Ich habe die letzten 6-7 Jahre selbst aktiv am Ostafrikanischen Riftsystem geforscht und kenne wirklich niemanden in der Community, der eine andere Meinung vertritt – zumal die Relativ-Bewegungen der Platten (inkl. der Viktoria-Platte) durch GPS-Messungen inzwischen belegt sein dürften.
Punkt 4 dasselbe. Die Bezeichungen Somalische und Nubische Platte tauchen in vielen Papern auf, auch wenn sie die USGS in dem hier verlinkten Bild nicht mit aufgenommen hat, was die Referenzen (Punkt 5) angeht, stimme ich wiederum zu. Hier sollten Fachartikel zitiert werden, und keine Nachrichtenportale oder ähnliches. Und zu Punkt 6: müsste ich noch mal lesen, aber es wird definitiv irgendwo eine Grenze zweier Mikroplatten erwähnt bzw. postuliert, die allerdings von diffuser Natur ist. Genauso steht es ja auch hier im Artikel. Es wird erwähnt, dass es eine Zone erhöhter Erdbebenaktivität gibt. Die Erdbeben finden ja nicht einfach von alleine statt, es muss dafür irgendeinen tektonischen Hintergrund geben… So ist auch die Argumentation in dem Paper, so weit ich mich erinnere. --seismos (Diskussion) 11:07, 22. Sep. 2012 (CEST)
Schön dass sich jemand an der Diskussion beteiligt.
zu 3, Ich meine dass Frisch und Meschede (habs grad nicht zur Hand) darauf verweist, dass sich die Geschwindigkeit mit der die Platten auseinanderdriften verringert und ein Aulakogen/failed rift entsteht, kann mich aber täuschen. Der Punkt sollte definitiv sein dass hier die Referenz ausgetauscht wird, wenn du was besseres als Frisch und Meschede zu bieten hast dann raus damit.
zu 4, du hast das fürchte ich nicht so genau gelesen, es geht hier explizit darum dass hier die _neuen_ Platten so genannt werden und das ist auf jedenfall nicht belegt und vermutlich auch nicht richtig zumal die nubische Platte ja nur einen kleinen Teil ausmacht.
zu 6, Natürlich. Das angeführte Paper sagt sie liegt im Ozean, aber eben nicht auf Madagaskar.--Christian b219 (Diskussion) 14:28, 22. Sep. 2012 (CEST)
bei Punkt 6, meinte ich exakt diesen Satz "Der Norden Madagaskars könnte nach einer Studie teilweise auf der künftigen Somaliplatte liegen".
zumal du scheinbar viel mit Geophysik zu tun hast kannst du vll auch Licht ins dunkle bringen inwiefern es unter den afrikanischen Platten eine divergierende Mantelkonvektion geben könnte? fänd ich persönlich interessant--Christian b219 (Diskussion) 14:34, 22. Sep. 2012 (CEST)
Vielleicht liegt die Kritik darin begründet, das Geologen und Geophysiker in einigen Punkten verschiedener Auffassung sind und auch in den Begrifflichkeiten unterschiedliche Verwendungen pflegen. ;)
zu 3: Frisch und Meschede kenne ich nicht, daher kann ich nichts dazu sagen. Dass sich die Drift-Geschwindigkeit verringern soll, ist mir auch neu, sodass ich mit der Formulierung "weitgehend anerkannt" kein Problem habe. Mag sein, dass ich in diesem Punkt nicht auf dem neuesten Stand der Forschung bin.
zu 4: Naja, ich meine durchaus schon die neuen Platten. Ich erinnere mich an verschieden Abbildungen die für die heutige tektonische Situation die Begriffe Nubische und Somaliplatte benutzen. Da müsste ich aber noch mal ein paar Ordner durchblättern, um die Referenzen zu überprüfen.
zu 6: Ich muss erst noch mal reinschauen, bevor ich dazu Stellung nehmen kann. Kann aber dauern wegen latenten Zeitmangels.
zur divergierenden Mantelkonvektion müsste ich auch erst noch einmal in die Literatur schauen. Wenn Platten auseinanderdriften sollte man davon ausgehen dürfen, dass sich das in der Manteldynamik widerspiegelt. In der Regel ist das ja die Grundannahme, dass die Plattenbewegung Ausdruck der Mantelströmung ist. Kompliziert wird es aber unter dem Tansania-Kraton (entspricht in etwa der Victoria-Platte), der von den beiden Riftästen eingeschlossen wird. Ich kann aber aus dem Stegreif nicht sagen, wie gut die Ausrichtung der Mantelströmungen unter Afrika schon erforscht/bekannt ist.

--seismos (Diskussion) 15:03, 22. Sep. 2012 (CEST)

Ok das kann natürlich sein. Mit Frisch und Meschede mein ich übrigens das hier http://www.amazon.de/Plattentektonik-Kontinentverschiebung-Gebirgsbildung-Wolfgang-Frisch/dp/3896787446/ref=sr_1_cc_2?s=aps&ie=UTF8&qid=1348319334&sr=1-2-catcorr es ist zugegebener Maßen nicht immer das gelbe vom Ei (die schaffen es und deutschen Emperor Kette ein :-O ). Dass der auf absolut neuestem Stand ist wage ich zu bezweifeln, aber die Autoren sind soweit ich mich erinner Strukturgeologen weshalb mich überrascht, dass es hier so unterschiedliche Ansichten gibt. Vom afrikanischen Rift dachte ich persönlich dass es eine ursprünglich rein tektonische Sache is. Afrika machte ja eine Drehbewegung bis die apulische Platte auf Europa stieß seitdem driftet der östliche Teil Afrikas (immernoch der Drehbewegung folgend) südlich schneller vom restlichen Afrika weg als der Norden, der Rest der Platte scheint nahezu angehalten zu haben. Frisch und Meschede ergehen sich übrigens hier in einer Unterscheidung zwischen direkt durch den Mantel ich nenne es jetzt mal upwelling angetriebene aktive Gräben und passive rein von der Tektonik angetriebene Gräben (mit Beispielen aus China von der Indien-Asien Kollision bzw. Oberrheingraben verursacht von der Kollision der apulischen Platte mit Europa). --Christian b219 (Diskussion) 15:21, 22. Sep. 2012 (CEST)
Ich sage nicht, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt – ich stelle lediglich diese Möglichkeit in den Raum. Gelegentlich kommt so etwas vor… Zumindest bei der Verwendung von Begriffen und Bezeichnungen stellen sich da gerne mal Unterschiede ein.
Zur Entstehung des Rifts gibt es die Hypothese, dass es durch das Auftreffen des Afar-Plumes zu einer Schwächung gekommen ist und das Rift dort seinen Ursprung hat. Demzufolge breitete es sich südwärts aus. Der westliche Ast könnte aus einer Spannungsübertragung resultieren, da der östliche Ast den Kraton nicht aufbrechen konnte und sich die Riftbildung dann weiter westlich in der schwächeren Lithosphäre fortgepflanzt hat. Natürlich muss die Driftbewegung schon eine tektonische Ursache haben, aber der Afar-Plume hatte da wohl auch eine Rolle zu spielen. Wobei es ja auch noch die Vermutung eines weiteren Plumes unter dem Lake Victoria gibt, dem ich bislang eher skeptisch gegenüberstehe. Die Unterscheidung aktives – passives Rift ist mir geläufig, wobei ein passives Rift irgendwann aktiv werden kann, da durch die Lithosphärenausdünnung letztlich ja auch wieder Material aus der Asthenosphäre nachgefördert werden muss. Eine genauere Kenntnis der Mantelströmung wäre schon wünschenswert, um diesen Aspekt besser verstehen zu können. Spannend allemal… --seismos (Diskussion) 15:58, 22. Sep. 2012 (CEST)

Nunja bei Plumes ist das ja immer so ne Henne Ei Geschichte, was war zuerst der Bruch oder der Plume? Die Tatsache dass es eben im Süden die größeren Spreizungsraten gibt als im Norden lässt sich mit der Plume Hypothese eher schwer vereinbaren, auch wenn ich grundsätzlich eher ein Anhänger des Bottom-up Denkens bin. "wobei ein passives Rift irgendwann aktiv werden kann" das ist zugegebener Maßen die Lehrmeinung ich steh dem allerdings relativ skeptisch gegenüber, einfach aufgrund der enormen Größe der Konvektionszellen im Erdmantel im Vergleich zu den Spreizungsraten, zumindest bei dem vorliegenden Fall, und bei einer bei einer Lithosphären Ausdünnung wie du es ja selbst sagst wird ja eben nicht unbedingt jeder auseinander bewegte cm eins zu eins durch neue Kruste ausgeglichen. Beim Rest stimm ich dir natürlich zu. --Christian b219 (Diskussion) 17:51, 22. Sep. 2012 (CEST)

Das kommt auf den Plume an – Ein Mantelplume nach dem klassischen Modell kommt aus einer so großen Tiefe, dass ein Zusammenhang mit dem Riftgeschehen in der Lithosphäre nicht sehr wahrscheinlich ist. Aber im Zusammenhang mit Ostafrika wird der Plume auch eher als Ursache für die Schwächung betrachtet, also für den Ort des Geschehens. Die Drift als solche würde ich mit einem Plume alleine auch nicht erklären wollen.
passives Rift: deswegen auch kann. Bis aus einem passiven Rift ein aktives wird, dürfte viel Zeit vergehen. Das ist ganz sicher nicht der Normalfall. Mag aber sein, dass sich kleinräumige Konvektionszellen ausbilden. So etwas wurde vor 1-2 Jahren für die Cameroon Volcanic Line postuliert als Alternativ-Modell zu einem Mantelplume, für den es dort keine Indizien gibt. --seismos (Diskussion) 18:13, 22. Sep. 2012 (CEST)

Ich denke dem kann man nichts hinzufügen unsere Diskussion fasst im Großen und Ganzen die Problematik der Grabenbrüche zusammen. --Christian b219 (Diskussion) 01:04, 23. Sep. 2012 (CEST)

So, noch einmal zur Sache mit Madagaskar. Die Studie, die ich da noch im Hinterkopf hatte war Stamps et al. 2008 (siehe Einzelnachweise). Nach deren Abbildung 2 stellt sich die Grenze Lwandle-Somalia-Platte as eine diffuse Deformationszone dar, die letztlich Madagaskar einmal von Süd nach Nord durchzieht. Aussen vor ist lediglich der Nordosten, der demnach eindeutig auf der Somalia-Platte liegt. Der Rest der Insel liegt mitten in der Deformationszone, ergo: mitten auf der Plattengrenze. Dem Paper zufolge (basiert übrigens auf GPS-Messungen und Slip-Vektoren für Erdbeben) passt dies zu der Beobachteten E-W-Extension auf Madagaskar. --seismos (Diskussion) 13:55, 24. Sep. 2012 (CEST)

sehr überraschend. --Christian b219 (Diskussion) 16:08, 24. Sep. 2012 (CEST)

Durchaus… Aber das macht die Forschung ja gerade interessant. :) --seismos (Diskussion) 17:48, 24. Sep. 2012 (CEST)

Ich hatte mich übrigens geirrt. Wie ich gerade lese erfolgen die größten Dehnungsraten im Norden. Desweiteren heisst es: "Ein Grabenbruchsystem wird deshalb auch nicht als Plattengrenze angesehen sondern als Ausdruck von "Intraplatten-Tektonik"." weiter: "Vermutlich ist die Aktivität des Ostafrikanischen Grabenbruchsystems am Erlahmen. Typischerweise wird an einem Tripelpunkt [...] ein Arm stillgelegt [...]. Dafür spricht auch die begrenzte seismische Aktivität [...]" --Christian b219 (Diskussion) 17:17, 26. Sep. 2012 (CEST)

Bitte betrachtet die vorgenommenen Veränderungen als Vorschlag meinerseits.--Christian b219 (Diskussion) 15:02, 27. Sep. 2012 (CEST)

Ich verstehe die Argumentation nicht ganz… Von welcher begrenzten seismische Aktivität wird da gesprochen? Der westliche Graben des System ist das seismisch aktivste Gebiet weit und breit. Der östliche Ast dagegen ist gekennzeichnet durch enorm aktiven Vulkanismus. Da (insbesondere langanhaltender) Vulkanismus mit Temperaturerhöhung einhergeht und damit das Material schwächt, muss man hier nicht unbedingt eine starke Seismizität erwarten. Wenn die Autoren das als einziges Argument für ein Erlahmen des Riftprozesses ins Feld führen, ist das arg wenig. --seismos (Diskussion) 17:47, 27. Sep. 2012 (CEST)

Auch wenn du hier recht haben magst gehts am Thema vorbei. Der Punkt ist doch, dass ein Rift nicht zwangsläufig zur Auf-/Abspaltung eines Kontinents führt, sollte dies im Falle des afrikanischen Grabenbruches die Forscher anders sehen, dann sollte das auf jedenfall belegt werden. --Christian b219 (Diskussion) 21:59, 27. Sep. 2012 (CEST)