Fahnenschwingen

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Fahnenschwinger aus Nidwalden

Das Fahnenschwingen (auch Fahnenschwenken oder Fahnenspiel, nicht aber Fahnenschlag) ist ein alter Volkssport, bei dem Personen kurze und mit einem schweren Handgriff versehene Fahnen in verschiedene kunstvolle Schwingungen versetzen, die Fahnen hochwerfen und wieder auffangen. Im Gegensatz zum Fahnenschwingen ist es beim Fahnenschlag nicht erwünscht, dass die Fahne die Hand verlässt, sondern möglichst nahe am Körper geführt wird. Schlagfahnen sind zudem länger (die Fahnenstange, bzw. der Griff ist in etwa so lang wie der Tuchbereich), auch ist das Tuch größer als das von Schwenkfahnen, bei denen der Griff nur ca. 30 bis 40 cm lang ist.

Geschichte

Ursprünge

Hintergrund des Fahnenschwenkens ist, dass die „Schwenker“ auf den Stadtmauern standen und mit ihren Fahnen bei richtiger Nutzung Geräusche verursachten, die sich ähnlich wie Schüsse anhörten und den anrückenden Feind abschrecken sollten.[1]

Der Fahnenschlag hat dagegen einen klerikalen Hintergrund: Er soll die Fesselung des hl. Sebastian darstellen (in der Reihenfolge Kopf, Arm, Hände, Handgelenke, Körpermitte, beide Beine, rechtes Bein, linkes Bein, aufwickeln).

Entwicklungen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts

Seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts war das Fahnenschwingen aus der Mode gekommen, Reste hatten sich noch in der Schweiz erhalten.

Weltmeisterschaft im Fahnenhochwerfen 2016 in Tauberbischofsheim

Fahnenschwingen seit der Jahrtausendwende

Mit der neuen Attraktivität des Mittelalters ab den 2000er Jahren haben sich europaweit auch wieder viele Gruppen organisiert, die das Fahnenschwingen bei Schützenfesten, Vereinsfesten, Stadtfesten, aber auch auf Mittelalter-Märkten und bei Ritterspielen aufführen. Dazu wird Musik gespielt, typischerweise von Alphornbläsern, Blaskapellen oder Tambour-Corps.

In neuerer Zeit entwickelten sich länderübergreifende Wettbewerbe, beispielsweise die Weltmeisterschaft im Fahnenhochwerfen.

Fahnenschwingen im deutschsprachigen Raum

Berliner Fahnenschwinger beim Schützenumzug in Bassum/Niedersachsen

Datei:Fahnenschwinger auf dem Deutschlandfest 2011 in Bonn.ogg

Deutschland

Zusammenschlüsse von Fahnenschwingern in Deutschland sind zum Beispiel: Deutschen Fahnenschwinger-Verband und Bund Freier Fahnenschwinger und Schwenker Deutschland

Am 10. September 2016 fand in Tauberbischofsheim die Weltmeisterschaft im Fahnenhochwerfen statt. Diese wurde vom Landesverband der Fahnenschwinger in Baden-Württemberg und dem Spielmannszug Tauberbischofsheim ausgerichtet.[2]

Österreich

In Österreich ist das Fahnenschwingen beispielsweise auf dem traditionellen Neckenmarkt anzutreffen.

Schweiz

In der Schweiz ist das Fahnenschwingen ein Teil der klassischen Volksfeste und des Brauchtums wie Jodeln, Alphornblasen, Ländlermusik oder Schwingen.[3] Rund um das Fahnenschwingen sind in der Schweiz der Eidgenössische Jodlerverband, welcher auch Fahnenschwinger umfasst, sowie die Fahnenschwinger-Vereinigung der Nordwestschweiz erwähnenswert.

Fahnenschwingen in anderen Ländern

Italien

In Italien und auch in San Marino gibt es eine Tradition des Fahnenschwingens.[4]

USA

Fahnenschwingen ist auch ein Schulfach an größeren High Schools in den Vereinigten Staaten (Flag team).

Literatur

  • Christian König: „Lasst uns die Fahne drüber schwingen!“ Facetten einer Bewegungskunst aus den Bräuchen der Landsknechte und der Festkultur der Zünfte. Verlag des Schwäbischen Albvereins e.V., Stuttgart 2022, ISBN 978-3-947486-09-0.

Weblinks

Commons: Fahnenschwinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Deutschland
Schweiz

Einzelnachweise

  1. Fahnenschwingen - Geschichte. Abgerufen am 30. November 2020.
  2. Fahnenschwinger.de: Weltmeisterschaft im Fahnenhochwerfen am 10. September 2016 in Tauberbischofsheim. Ausschreibung. (PDF; 130 kB). Online auf www.fahnenschwinger.de. Abgerufen am 16. Juli 2017.
  3. Fahnenschwinger-Vereinigung der Nordwestschweiz: Geschichte des Fahnenschwingens. Online auf www.fahnenschwingen-nwsjv.ch. Abgerufen am 16. Juli 2017.
  4. Siehe Federazione Italiana Sbandieratori abgerufen am 23. März 2022, Lega Italiana Sbandieratori abgerufen am 23. März 2022, Sbandieratori di Volterra abgerufen am 23. März 2022.