Erdkundeunterricht

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Jung-Deutschland in der Schule (Schulstube während des Geographieunterrichts), Gemälde von Carl Hertel, 1874, Nationalgalerie Berlin

Erdkundeunterricht ist der Name eines Unterrichtsfaches, das sich mit Erdbeschreibung bzw. dem Unterricht in Geographie in der Schule beschäftigt. In Grundschulen wurde es mit räumlich engem Bezug zur näheren Umgebung Heimatkunde genannt.

Allgemeines

Dieses Fach wird erst ab der Unterstufe (5. Schulstufe) der Sekundarstufe I eigenständig unterrichtet. In der Volksschule (Primarstufe) hingegen werden Inhalte dieses Fachbereichs als „Gesamtunterricht“ im Rahmen des Gegenstands „Sachunterricht“ gelehrt. Die Bezeichnung Erdkundeunterricht wurde und wird oft synonym zur Bezeichnung Geographieunterricht verwendet.[1] Häufig wird der Gegenstand in den Pflichtschulen der S I bzw. auch noch in der Realschule so genannt. Gymnasien und andere höhere Schulen verwendeten für den Schulgegenstand die Bezeichnung Geographie. In der heutigen Literatur zur Fachdidaktik wird von den meisten Autoren die Bezeichnung Geographieunterricht verwendet.

Das traditionelle Paradigma des Erdkundeunterrichts war lange Jahrzehnte hindurch das der (Schul-)Länderkunde. Der Unterricht ging von der Heimat (und damit von der Heimatkunde) aus und sollte dann nach dem Prinzip vom Nahen zum Fernen, „Vom Gesichtskreise in geordneter Stufenfolge zu einer reinen und umfassenden Ansicht der Erd- und Menschengeschichte und ihres gegenseitigen Einflusses aufeinander fortschreiten“ (so etwa Pestalozzi, der eng mit Carl Ritter zusammenarbeitete). Auf Ritter und seine Schüler ging dann auch die Bedeutung des länderkundlichen Vergleichs und des länderkundlichen Schemas zurück. Im 19. Jahrhundert war in der Praxis die Erdkunde vorerst noch kein selbständiges Schulfach, aber obligater Unterrichtsgegenstand. Diesterweg verwies auf die Bedeutung von Wanderungen (und Reisen) bzw. auf die Selbsttätigkeit der Schüler.

Im unterrichtsmethodischen Bereich erschien 1919 in zwei Bänden Paul Adolf Wagners[2] Methodik des erdkundlichen Unterrichts, die als Standardwerk dieser Zeit galt (2. Auflage 1925/26) und uns heute einen guten Überblick zum erdkundlichen Unterricht in der Zwischenkriegszeit gibt.

Die Literaturliste unten schließt einige schulgeographie­bezogene Handbücher verschiedener Zeitabschnitte auf. Jüngere Geographie-Didaktikhandbücher findet man auch beim Stichwort Geographiedidaktik angeführt.

Eine Übersicht zu den heutigen Lehrplänen in Deutschland findet man auf dem deutschen Bildungsserver,[3] oder bei Lehrer-online.de.[4] Zu Österreich sei auf den Stichworteintrag Geographie und Wirtschaftskunde verwiesen.

Literatur

  • J. Birkenhauer: Erdkunde. Didaktik. T 1 und T 2. Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1971.
  • A. Brucker, J. Haversath, A. Schöps (Hrsg.): Geographie-Unterricht: 102 Stichworte. Hohengehren 2018, ISBN 978-3-8340-1827-4.
  • J. Engel: Von der Erdkunde zur Raumwissenschaftlichen Bildung. (Theorie und Praxis des Geographieunterrichts). Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1976.
  • Ch. Gruber: Die Entwicklung der Geographischen Lehrmethoden im XVIII. und XIX. Jahrhundert. Verlag Oldenbourg, München/ Leipzig 1900.
  • H. Haubrich u. a.: Konkrete Didaktik der Geographie. Braunschweig 1977 (Neubearbeitung 1982).
  • S. Reinfried, H. Haubrich (Hrsg.): Geographie unterrichten lernen – Die Didaktik der Geographie. Neu bearbeitete Auflage, Cornelsen, Berlin 2015, ISBN 978-3-06-065212-9.
  • L. Helmer, H. Kaindlstorfer: Neue Beiträge zur Methodik des erdkundlichen Unterrichts. Anton Becker zum 60. Geburtstag. F. Deuticke, Wien 1929.
  • F. Lampe: Der bildende Wert des erdkundlichen Schulunterrichts. (= Geographische Abende im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. H. 10). Berlin 1919.
  • J. G. Lüdde: Die Methodik der Erdkunde. Magdeburg 1842.
  • E. Popp, H. Wohlschlägl (Hrsg.): Schulgeographie in Mitteleuropa. Entwicklung des Unterrichtsfaches Geographie in den letzten zwei Jahrzehnten. Symposium Salzburg 1988 im Rahmen des 21. Deutschen Schulgeographentages. (= Beiträge zur Lehrerfortbildung. 33). Österreichischer Bundesverlag, Wien 1990.
  • W. Reißmann, J. U. Gerloff: Der Geographieunterricht – Grundlagen und Methoden. (Übersetzt aus dem Russischen) Volk und Wissen, Berlin 1971.
  • Tilman Rhode-Jüchtern und Antje Schneider: Wissen, Problemorientierung, Themenfindung im Geographieunterricht (= Kleine Reihe - Geographie). Wochenschau-Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-89974616-7.
  • Tilman Rhode-Jüchtern: Kreative Geographie. Bausteine zur Geographie und ihrer Didaktik. Wochenschau, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-7344-0015-5.
  • Tilman Rhode-Jüchtern: Naturereignisse und Sozialkatastrophen im Geographieunterricht (Kleine Reihe - Geographie). Wochenschau-Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-7344-0689-8.
  • E. Schallhorn: Erdkunde-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin 2007.
  • A. Schmidt: Der Erdkundeunterricht. 4. Auflage. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1976.
  • F. Schnaß: Der Erdkundeunterricht. Bonn 1957.
  • H. D. Schultz: Die Geographie als Bildungsfach im Kaiserreich. (= Osnabrücker Studien zur Geographie. Band 10). 1989.
  • A. Schultze (Hrsg.): 40 Texte zur Didaktik der Geographie. (= Pädagogische Schriften). Klett-Perthes, Gotha 1996.
  • W. Sperling: Erdkundeunterricht. In: Westermanns Lexikon der Geographie. Braunschweig 1969.
  • P. Wagner: Methodik des erdkundlichen Unterrichts. Teil 1: Allgemeiner Teil. 1925, Teil 2: Besonderer Teil. Leipzig 1925.
  • J. Wagner: Der erdkundliche Unterricht. 2. Auflage. Hannover 1955.
  • M. F. Wocke: Heimatkunde und Erdkunde. Schrödel, Hannover 1962.

Weblinks

Wiktionary: Erdkundeunterricht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Landesverbände des Verbandes Deutscher Schulgeographen:

Einzelnachweise