Glockenbäckerei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Glockenbrot Bäckerei GmbH & Co. oHG

Rechtsform Offene Handelsgesellschaft
Gründung 1904
Sitz Köln
Leitung Dirk Höfer
Telerik Schischmanow
Umsatz 270 Mio. Euro[1]
Branche Lebensmittelindustrie
Website www.glocken-baeckerei.de
Stand: 31. Dezember 2011

Die Glocken Bäckerei (Eigenschreibweise in Großbuchstaben) ist ein Bäckereibetrieb mit Verwaltungssitz in Köln.[2] Das Unternehmen entstand 1904 in Offenbach am Main und gehört seit 1986 zur Rewe Group.[3] Die Glocken Bäckerei produziert in Frankfurt am Main und dem oberbayerischen Bergkirchen Brot- und Backwaren für die Rewe-, Penny- und Nahkauf-Märkte des Konzerns sowie für eigene Filialen.[4]

Geschichte

1904 gründeten Bäckermeister Georg Dinges und seine Frau Wilhelmine die Offenbacher Brot- und Zwiebackfabrik.[5] Zwölf Mitarbeiter produzierten Backwaren, die mit Pferdekutschen ausgeliefert wurden.[6] Der Kutscher läutete eine Glocke, um Kunden anzulocken. Diese entwickelte sich zum Markenzeichen des Unternehmens.[7] 1930 stieg Otto Georg Dinges, der Sohn des Gründerehepaares, in die Glocken Bäckerei ein. Der Zweite Weltkrieg machte die Pläne zunichte, über den Frankfurter Raum hinaus zu wachsen.[3]

Die Produktionsanlagen blieben nahezu unbeschädigt, sodass die Glocken Bäckerei 1945 ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte. 1952 wurde erstmals geschnittenes Brot auf den Markt gebracht. 1954 nahm das Unternehmen aus den Niederlanden importiertes Toastbrot ins Sortiment auf, das sich zum Verkaufsschlager entwickelte. 1962 startete die erste vollautomatische Brötchenbackanlage der Glocken Bäckerei in die Produktion, in den 1970er- und 1980er-Jahren kamen mehrere vollautomatischen Backstraßen hinzu.[8]

1986 wurde der Familienbetrieb an die Rewe Group verkauft.[9] Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen 225 Mitarbeiter und erwirtschaftete jährlich einen Umsatz von 23 Millionen Mark.[10] Vier Jahre später wurde der Grundstein für die neue Zentrale in Frankfurt am Main gelegt.[9] Mit dem Umzug der Produktionsbetriebe von Offenbach am Main und Bad Homburg vor der Höhe nach Frankfurt am Main verdreifachte sich die Zahl der Beschäftigten.[11][6] Auf dem alten Fabrikgelände in Offenbach am Main entstand später ein Cinemaxx-Kino.[12]

2009 kaufte die Glocken Bäckerei ein Grundstück im Gewerbegebiet von Bergkirchen, auf dem sie ein neues Produktions- und Logistikzentrum errichtete.[13] Im selben Jahr wurde die insolvente Östringer Bäckerei Rothermel übernommen,[14] wodurch das Unternehmen seine Position im Markt für Backwaren weiter ausbauen konnte.[15] Aufgrund des begrenzten Filialnetzes und des harten Wettbewerbs trennte man sich im Jahr 2015 jedoch wieder von Rothermel.[16] Dazu kamen Veränderungen in der Geschäftsstrategie der Glocken Bäckerei.[17]

Struktur

Seit 1992 wird das Unternehmen in der Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft geführt. Der Firmennamen lautet „Glockenbrot Bäckerei GmbH & Co. oHG“. Ihre Gesellschafter sind eine Verwaltungs-GmbH und eine Konzern-KGaA, das heißt ausschließlich Kapitalgesellschaften. Der Jahresabschluss der Glocken Bäckerei wird im Konzernabschluss der Rewe Group konsolidiert.[2]

Geschäftsführer der Verwaltungs-GmbH der Glocken Bäckerei sind Dirk Höfer und Telerik Schischmanow (2019).[18] Höfer leitet den strategischen Einkauf der Rewe Group für Fleisch- und Wurstwaren sowie Brot- und Backwaren,[19] Schischmanow ist Generalbevollmächtigter des Konzerns.[20] Prokuristen der Glocken Bäckerei sind Thomas Bings, Stefan Bosbach und Michael Krüger.[2]

Produkte

Das Sortiment der Glocken Bäckerei umfasst rund 350 Brot- und Backwaren.[21] Diese werden in Rewe- und Penny-Märkten sowie den eigenen Filialen unter Haus-, Handels- und Premium-Marken verkauft.[22][4] Das Unternehmen setzt vor allem auf die Brötchen, Croissants, Baguette, Ciabatta, Kräppel und Brezeln.[8] In den letzten Jahren hat der Anteil halb fertiger Produkte, die zu Hause aufgebacken werden, stark zugenommen.[23] Bio-Lebensmittel nach Öko-Verordnung spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Glocken Brot verzichtet generell auf Konservierungsstoffe und künstliche Geschmacksverstärker.[22]

Standorte

Die Backwerke des Unternehmens befinden sich in Frankfurt am Main und Bergkirchen.[24] Diese arbeiten größtenteils automatisiert.[25] Zusätzlich gibt es zwei Logistikzentren in Neuhausen auf den Fildern und Achern, die als Umschlaglager fungieren.[24] Von den vier Standorten aus beliefert Glocken Brot das gesamte Bundesgebiet.[4] Zu den Abnehmern gehören neben Supermärkten auch eigene Filialen und Backshops.[6]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Umsatzplus bei Glockenbrot. In: Backwelt. 13. Juli 2012, abgerufen am 15. November 2018.
  2. a b c Glockenbrot Bäckerei GmbH & Co. oHG. In: Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 15. November 2018 (Amtsgerichts Köln, HRA 27602).
  3. a b Petra Kirchhoff: Vom Kommissbrot über den Toast zum Ciabatta. Die Glocken-Bäckerei in Fechenheim blickt auf ihr hundertjähriges Bestehen zurück. Angefangen hatte es in Offenbach. In: Frankfurter Rundschau. 29. Januar 2004, S. 35.
  4. a b c Vertrieb. Glocken Bäckerei, abgerufen am 15. November 2018.
  5. Historie. Glocken Bäckerei, abgerufen am 15. November 2017.
  6. a b c Ilo Reuning-Daniel: Glocken-Brot backt richtig große Brötchen. In: Frankfurter Rundschau. 5. März 2004, S. 37.
  7. Laura Wagner: Brot am laufenden Band. In: Frankfurter Rundschau. 12. Juli 2012, S. 13.
  8. a b Beate Lambrich: 100 Jahre und dennoch knusprig. Den Ursprung der Glocken-Bäckerei in Fechenheim bildete 1904 ein Offenbacher Familienbetrieb. In: Frankfurter Neue Presse. 29. Januar 2004, S. 18.
  9. a b Iris Barth: Kuchenschätze der Vergangenheit. In: Rheinische Post. 12. Juli 2010.
  10. Historie. Otto Georg Dinges-Stiftung, abgerufen am 15. November 2018.
  11. Tag der offenen Tür bei der Glocken-Bäckerei in Fechenheim: Der Großbetrieb liefert täglich 180 Tonnen Backwerk aus. Nur die karierten Hosen erinnern noch an die Bäcker von einst. In: Frankfurter Rundschau. 30. Oktober 1997, S. 12.
  12. Oliver H. Eberhardt: Ehemalige Backstube wird zum Multiplex-Kino: Auf dem Glockenbrot-Gelände in Offenbach soll für 90 Millionen ein gläserner Palast entstehen. In: Frankfurter Rundschau. 24. September 1997, S. 1.
  13. Glockenbrot Bäckerei kauft Grundstück für neues Backwerk in Bergkirchen. In: Immobilien Zeitung. 21. April 2009.
  14. Lebensmittel: Rewe will größere Brötchen backen. In: Handelsblatt. 16. Januar 2009, abgerufen am 15. November 2018.
  15. Rewe übernimmt Großbäckerei. In: Bonner General-Anzeiger. 17. Januar 2009, S. 10.
  16. Rewe trennt sich von Großbäckerei Rothermel. In: Die Welt. 7. Oktober 2015, abgerufen am 15. November 2018.
  17. Traditionsbäckerei Rothermel vor dem Aus. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 10. Oktober 2015, abgerufen am 15. November 2018.
  18. Impressum. Glocken Bäckerei, abgerufen am 15. November 2018.
  19. Einkauf Frische und Produktion bei Rewe bekommt neue Leiter. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 21. Mai 2014, abgerufen am 15. November 2018.
  20. Sabine Pfisterer: Telerik Schischmanow verantwortet als Generalbevollmächtigter den Finanzbereich bei Rewe. In: Finance-Magazin. 20. Juni 2011, abgerufen am 15. November 2018.
  21. Sortiment. Glocken Brot, abgerufen am 15. November 2018.
  22. a b Petra Kirchhoff: Frankfurter Unternehmen: Die Glocken-Bäckerei wächst mit Mutter Rewe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. Oktober 2012, abgerufen am 15. November 2018.
  23. Timur Tinç: Täglich frisches Brot. In: Frankfurter Rundschau. 24. Juli 2013, S. 2.
  24. a b Standorte. Glocken Bäckerei, abgerufen am 15. November 2018.
  25. Ilo Reuning-Daniel: Tanzende Schneidemesser kerben das Baguette. In: Frankfurter Rundschau. 22. November 2001, S. 26.