Haus zum Falken

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Das Falkenhaus am Oberen Markt in Würzburg
Haus zum Falken, zentraler Giebel

Das Haus zum Falken, auch Falkenhaus genannt, ist ein Gebäude am Marktplatz in der Innenstadt Würzburgs.

Das ursprüngliche Gebäude trug die Bezeichnung „Hof zur Burgpfarre“ und diente ab 1338 zur Beherbergung des Dompfarrers.[1] Das Haus wurde 1735 vom Gastwirt Franz Thomas Meißner aufgekauft und als Gasthaus „Zum Falken“[2] betrieben. Meißners Witwe ließ 1751 die dreigiebelige, mit Stuck verzierte Rokoko-Fassade errichten. Bis ins 19. Jahrhundert beherbergte das dreigeschossige Falkenhaus Würzburgs einzigen Konzert- und Tanzsaal.

Das Haus wurde 1939 von der Stadt Würzburg aufgekauft. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Haus beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 vollständig aus und Teile der Fassade stürzten ein. Wegen der prominenten Lage des zerstörten Gebäudes am oberen Markt vertrat der Würzburger Regierungsbaumeister Rudolf Schlick 1947 aus denkmalpflegerischen Gründen den Wiederaufbau, dieser verzögerte sich allerdings zunächst. Anfang der 1950er Jahre wurde er dann durch das städtische Hochbauamt Würzburg nach der Vorlage alter Fotografien doch vorgenommen. Die Rekonstruktion der Fassade gilt nach dem Kunsthandbuch Dehio als vorbildlich, die innere Organisation des Gebäudes wurde allerdings zeitgemäßen Verwendungszwecken angepasst. Seit 1952 ist das Gebäude im heutigen Zustand und beherbergt die Touristen-Information sowie die zentrale Stadtbücherei der Stadt Würzburg.[3]

Jahrzehnte später wurde die Eingliederung des Gebäudes in einen Kaufhauskomplex diskutiert. Hier wäre die nachgebildete Rokokofassade nur mehr als „vorgeblendete Scheibe“ erhalten geblieben. Ab 1993 wurde die Stadtbücherei im Falkenhaus umgebaut und erweitert, dabei wurde der seit 1972 ein Jugendzentrum[4] beherbergende Falkenhof, die ehemaligen über den Marienplatz zugänglichen Falken- oder Zentralsäle[5] des Falkenhauses, abgerissen. Das Haus grenzt an der einen Seite an die Marienkapelle und auf der anderen Seite an das Kaufhaus Kaufhof.

Literatur

  • Winfried Nerdinger, Ines Florschütz (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder – Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945-1960. (= Katalog der gleichnamigen Ausstellung des Architekturmuseums der TU München in der Pinakothek der Moderne, 3. Februar bis 30. April 2005). Pustet, Salzburg/München 2005, ISBN 978-3-7025-0505-9, S. 258 f.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. Die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1999, ISBN 978-3422030510, S. 1222 f.
  • Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 656.

Weblinks

Commons: Falkenhaus (Würzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Franziska Hauck: Zum Gedächtnis.... Gedenktafeln der Würzburger Altstadt. Ein Katalog. 2010, S. 32. (PDF online).
  2. www.wuerzburg-fotos.de: Falkenhaus.
  3. http://www.wuerzburg.de/de/tourismus-tagungen/sehenswuerdigkeiten/extras/15011.Falkenhaus.html
  4. Peter Motsch: Ein offenes Herz für die gesamte Jugend. Das Engagement der Stadt Würzburg: Drei Beispiele von überragender Bedeutung und Wirkung. In: Heinz Otremba, Bruno Rottenbach (Hrsg.): 15 Jahrhunderte Würzburg. Eine Stadt und ihre Geschichte. Echter, Würzburg 1979, S. 440 f.
  5. Bruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band 1, Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1967, S. 66.

Koordinaten: 49° 47′ 41,7″ N, 9° 55′ 48,7″ O