Jigal Amir

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jigal Amir (1995)

Jigal Amir (* 23. Mai 1970 in Herzlia, Israel; hebräisch יגאל עמיר) ermordete am 4. November 1995 in Tel Aviv den israelischen Premierminister Jitzchak Rabin. Amir studierte zu diesem Zeitpunkt Rechtswissenschaften an der religiösen Bar-Ilan-Universität.

Leben

Amir wurde als Sohn einer jemenitischen orthodoxen jüdischen Familie in Herzlia geboren. Er besuchte eine ultra-orthodoxe Schule und Jeschiwa und diente bei der Golani-Brigade während seines Dienstes bei den israelischen Streitkräften. Als Jura- und Informatikstudent an der Bar-Ilan-Universität war er an der Organisation von Demonstrationen gegen das Oslo-Abkommen beteiligt.

Für ihn war das Oslo-Abkommen ein Verrat am jüdischen Volk und eine Bedrohung für die Existenz des Staates Israel, was zu seiner Entscheidung führte, Rabin zu ermorden. Sein Bruder Hagai und sein Freund Dror Adani waren Komplizen bei diesem Vorhaben. Amir hatte 1995 zwei Mal geplant, Rabin zu ermorden, aber die Versuche kurz vor ihrer Durchführung abgebrochen.

Jigal Amir soll bezüglich seiner Einstellung gegenüber Premierminister Rabin durch die Beratschlagung z. B. mit Rabbi Schlomo Aviner, seinem letzten rabbinischen Gesprächspartner, beeinflusst worden sein.

„Aviner hatte ihm die Frage, ob auf Rabin das Todesurteil des Verräters (Din Rodef u-Moser) anzuwenden sei, klipp und klar mit ‚Ja!‘ beantwortet. Aviners einzige Einschränkung, unter Berücksichtigung seiner ‚bedeutenden Position als geistiger Vordenker der national-religiösen Erweckung‘, als Oberrabbiner von Beth-El und Leiter der Jeschiwah zur Atheret Kohanim, war: ‚… aber ich kann dieses Urteil nicht vollstrecken‘.“

dg / haGalil onLine 31-10-2001[1]

Der Anschlag und die Folgen

Am 4. November 1995, nach einer Demonstration zur Unterstützung des Friedensprozesses auf dem „Platz der Könige Israels“ (Kikar Malchei Jisra’el כיכר מלכי ישראל, heute Kikar Rabin כיכר רבין, „Rabin-Platz“), wartete Amir auf Rabin auf einem angrenzenden Parkplatz, wo er ihn mit zwei Schüssen aus seiner Pistole ermordete. Mit einem weiteren Schuss verletzte Amir einen Leibwächter Rabins.[2]

Für den Anschlag benutzte er eine halbautomatische Pistole, Typ Beretta 84F, Kaliber .380 ACP. Die drei abgefeuerten Kugeln waren von Jigals Bruder mit einer Stahlummantelung versehen worden, um möglichst großen Schaden anzurichten.

Amir wurde noch am Schauplatz des Verbrechens verhaftet. Am 27. März 1996 verurteilte ihn das Bezirksgericht Tel Aviv-Jaffa zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen des Mordes sowie zu sechs weiteren Jahren Haft wegen des Schusses auf den Wachmann. In einem späteren Verfahren wurde er zudem wegen Bildung einer Verschwörung zur Ausführung des Mordes mit seinem Bruder und Adani zunächst zu fünf Jahren Haft verurteilt, und nach einer staatlichen Berufung zu acht Jahren. Alle Strafen wurden zusammengezählt.

24 Stunden nach dem ersten Gerichtsurteil veröffentlichte die Schamgar-Kommission, benannt nach ihrem Leiter Meir Schamgar, dem früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, ihren 250-seitigen Untersuchungsbericht über den Mord an Rabin. Davon durften 117 Seiten nicht veröffentlicht werden.

Im November 1997 veröffentlichte die israelische Regierung in einem sechsseitigen Papier ergänzende Informationen aus dem geheimen Teil des Berichtes der Untersuchungskommission.[3] Der vollständige Text des Berichts wurde bis dato nicht publiziert, obwohl Meir Shamgar selbst bereits zwei Jahre nach dem Mord an Premierminister Rabin gesagt hatte, dass es der Regierung jetzt erlaubt sei, die vertraulichen Teile des Berichts seiner Kommission zu veröffentlichen.

Amir war in Isolationshaft im Be’er-Scheva-Gefängnis und wurde 2003 in das Ajalon-Gefängnis verlegt – ebenfalls in Isolationshaft.[4] Seine Berufungen gegen beide Strafen wurden abgelehnt.

Amir hat niemals Bedauern für seine Tat geäußert.[5]

Die meisten Anhänger des rechten Flügels verurteilten das Attentat trotz der erheblichen Unterschiede in den politischen Ansichten und dem verbreiteten Widerwillen gegen Rabins Politik, die nach Ansicht der Rechten dem anti-israelischen Terror Vorschub leistete. Eine 2006 veröffentlichte Umfrage hatte zum Ergebnis, dass rund 30 Prozent der Israelis eine Begnadigung Amirs befürworten würden.[6]

Verlobung und Heirat in Haft

2004 wurde im Bezirksgericht Tel Aviv die Entscheidung über eine Anfrage von Jigal Amir, im Gefängnis zu heiraten, beraten. Er hatte sich mit Larissa Trembowler verlobt, einer Einwanderin aus Russland, Doktorin der Philosophie und geschiedene Mutter von vier Kindern. Er hatte sie vermutlich bei einer früheren Reise nach Russland kennengelernt. Im Januar 2004 kündigte die Leitung der israelischen Gefängnisse an, dass Amir keine Erlaubnis zur Heirat erhalten werde, trotz eines Gesetzes, das allen Gefängnisinsassen erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen. Im Februar 2006 erkannte die israelische Generalstaatsanwaltschaft jedoch die am Telefon geschlossene Ehe der beiden an.

Im März 2006 wurde bekannt, dass Gefängnisbehörde und Staatsanwaltschaft einen Antrag des Ehepaars gebilligt haben, wonach sich Amirs Frau außerhalb der Haftanstalt mit Amirs Samen künstlich befruchten lässt. Geschlechtsverkehr wurde den beiden aber zunächst verwehrt.

Inzwischen hat das Ehepaar einen Sohn bekommen, dessen Beschneidung am 4. November 2007 stattfand, am Jahrestag des Attentates.

Telefoninterviews im Gefängnis

Nachrichtenagenturmeldungen zufolge haben geheime Telefoninterviews mit dem inhaftierten Mörder von Jizchak Rabin Vertreter des gesamten politischen Spektrums in Israel am 31. Oktober 2008 zu Kritik veranlasst. Zwei private Fernsehsender hatten, ohne zuvor das Gefängnis zu informieren, mit dem Mörder telefoniert. Verteidigungsminister Ehud Barak kommentierte dies mit den Worten: „Amir solle ‚unter keinen Umständen‘ an der öffentlichen Diskussion teilnehmen, sondern für den Rest seines Lebens im Gefängnis versauern.“ Der Chef der Nationalreligiösen Partei, Sevulun Orlev, warf den Sendern vor, die Ächtung Amirs dem „goldenen Kalb der Einschaltquoten“ zu opfern. Das vollständige Interview wurde von einem der Sender zu Sabbatbeginn am Freitagabend ausgestrahlt.

Literatur

  • Michael Karpin, Ina Friedman: Der Tod des Jitzhak Rabin. Anatomie einer Verschwörung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-498-03496-0.

Dokumentarfilm

Weblinks

Einzelnachweise

  1. dg: Weder vergessen – noch vergeben: Rabíns Vermächtnis. haGalil onLine, 31. Oktober 2001.
  2. This week in Haaretz 1996: Rabin's assassin gets life in prison, Haaretz, 31. März 2011, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  3. Mordplan war vorab bekannt. In: taz, 14. November 1997.
  4. israelnationalnews.com
  5. jewishsf.com
  6. ynetnews.com
  7. National Film Centre of Latvia: Beyond the Fear. Abgerufen am 14. Juli 2015 (englisch).
  8. Hans-Christian Rössler: Schimon Peres sagt: Abscheulich!: In: FAZ vom 11. Juli 2015, S. 12.