Johanna von Orleans (1999)

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Film
Deutscher Titel Johanna von Orleans
Originaltitel The Messenger: The Story of Joan of Arc
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1999
Länge 158 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
JMK 14
Stab
Regie Luc Besson
Drehbuch Luc Besson,
Andrew Birkin
Produktion Patrice Ledoux,
Luc Besson
Musik Eric Serra
Kamera Thierry Arbogast
Schnitt Sylvie Landra
Besetzung

Johanna von Orleans (Originaltitel The Messenger: The Story of Joan of Arc) ist ein französischer Historienfilm aus dem Jahre 1999, welcher auf der Lebensgeschichte der Jeanne d’Arc basiert. Regie führte Luc Besson. Hauptdarstellerin ist Milla Jovovich.

Handlung

Der gesamte Film umfasst eine Zeitspanne von elf Jahren. Er beginnt 1420 in Domrémy als Jeanne acht Jahre alt ist, macht jedoch relativ früh einen Zeitsprung von ca. zehn Jahren, womit sich der Ort des Geschehens auf Orléans und Paris verlagert. Der fiktive Einstieg in Jeannes Kindheit dient dazu, ihre Motivation für die nachfolgenden wichtigen Ereignisse im Film aufzuzeigen. Mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen am 30. Mai 1431 endet der Film.

Einleitung
Nach einer den historischen Kontext und geografischen Raum darlegenden Einblendung setzt der Film 1420 in Jeannes Kindheit ein. Die Achtjährige hat zum ersten Mal Visionen, die sie aber noch nicht deuten kann. Das Miterleben der Vergewaltigung und Ermordung ihrer älteren Schwester durch plündernde, englische Soldaten ist wegweisend für ihre spätere Mission.
Vorsprechen beim König
Im Jahr 1429 reitet die mittlerweile 17-jährige Jeanne zum Dauphin, Charles de Valois, um ihm ihre göttliche Botschaft zu übermitteln. Die Aussicht auf die Königskrone, aber insbesondere die rational kalkulierten Überlegungen der Schwiegermutter sind ausschlaggebend dafür, dass der Dauphin dem Bauernmädchen aus Lothringen Vertrauen schenkt.
Kriegszug gegen die Engländer – Sieg bei Orléans
Mit der gewünschten Armee zieht Jeanne in Rüstung und mit Banner in die strategisch bedeutende Stadt Orléans. Die Engländer missachten Jeannes Warnungen und verspotten sie. Auch von den eigenen Feldherren genießt die Jungfrau anfangs noch keinen Respekt. Doch in der Schlacht wird klar, dass nur ihre Person – nun mit kurzen Haaren – die Truppen befähigt, gegen die englische Besatzungsmacht anzukämpfen. Wie durch ein Wunder überlebt sie einen Pfeilschuss in Herznähe und erringt trotz schwerer Verletzung einen Sieg. Ihre Glaubwürdigkeit steigt. Umgeben von Gewalt und Toten wird sie jedoch von Erinnerungen an die Ermordung ihrer Schwester eingeholt und immer wieder von schweren Gewissensbissen geplagt. Die Neuformation der Engländer zerschlägt sie einem Wunder gleich mit Worten und bewegt sie zum Rückzug.
Königskrönung
Jeanne wird vom Volk gefeiert und der Dauphin mit viel Prunk und großem Aufwand zum König von Frankreich (Charles VII) gekrönt. Die französische Monarchie ist gerettet und Jeannes Mission in den Augen des Königshauses erfüllt.
Schlacht bei Paris – Niederlage
Jeanne kann jedoch nicht aufgeben. Die Engländer sind immer noch im Land und zu viele Menschen leiden Not. Vergeblich versucht sie mit einigen wenigen Soldaten Paris zurückzuerobern. Die versprochene Verstärkung trifft nicht ein. Selbst Jeannes treue Gefolgsleute sehen die aussichtslose Lage ein und wollen nicht mehr weiterkämpfen. Das Königshaus, insbesondere Jolanda von Aragón, schmiedet derweil Pläne, wie man das Bauernmädchen wieder loswerden kann.
Gefangennahme
Bei der Schlacht von Compiègne gefangen genommen, wird Jeanne schließlich an die Engländer verkauft. Das Geld, welches vom Volk für ihre Befreiung zusammentragen werden konnte, ist verschwunden.
Verhör und Verbrennung auf dem Marktplatz
Jeanne muss sich dem Gericht stellen und erscheint in Frauenkleidern vor dem Bischof von Beauvais. Sie beharrt auf der Beichte und verweigert Antworten auf Fragen bezüglich Charles VII. In ihrer dunklen Zelle erscheint ihr immer wieder Gott, beziehungsweise ihr Gewissen, welches sie schwer prüft. Nahe dem Wahnsinn unterschreibt sie schließlich ein Dokument, das ihre göttlichen Visionen leugnet. Jeanne verlangt umgehend den Widerruf und landet erneut im Gefängnis, wo sie zum Tragen von Männerkleidern gezwungen wird. Der Bischof, als Zeuge dieser Rückfälligkeit herbeigerufen, verweigert Jeanne die versprochene Beichte. Diese nimmt ihr schließlich Gott/das Gewissen ab. Innerlich im Frieden, wird sie am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz verbrannt.

Zum Inhalt

Außenräume
Der Film „Johanna von Orléans“ spielt mehrheitlich im Freien, was sowohl mit der Herkunft Jeannes als auch mit dem zentralen Ereignis des Filmes, der Schlacht bei Orléans, zusammenhängt. Der Außenraum steht für die einfache Herkunft Jeannes und ihre Liebe zu Gott. Zudem bietet er Platz für die notwendige Dynamik und Bewegung der Schlachten. Neben dem Schlachtfeld kommen auch dem Wald und dem Marktplatz als typische mittelalterliche Außenräume Bedeutung zu.
Innenräume
Die Innenräume sind eher statisch, geben jedoch die Informationen, die zum Verstehen der Geschehnisse in den Außenräumen von großer Wichtigkeit sind. Sie sind größtenteils mit Macht und Reichtum verbunden. Die großen Unterschiede zwischen einfachem Dorfhaus und Burg verdeutlichen Jeannes Grenzüberschreitung(en). Der wichtigste Innenraum ist die Burg des Dauphins, wobei nicht die Burg als Ganzes, sondern jeweils gewisse Räume (Festsaal, Gemach) im Zentrum stehen. Weitere handlungsrelevante Innenräume sind zahlreiche Kirchen, die im Film vorkommen und Jeannes Religiosität und Gottesfürchtigkeit betonen.

Erzählstruktur

Der Film verläuft chronologisch mit einem Unterbruch, respektive Zeitsprung von elf Jahren. Es gibt eine Rückblende vor dem Sturm der Tourelle, in der Jeanne die Ermordung ihrer Schwester noch einmal erlebt. Der Film lebt von schnellen Schnitten und abrupten Szenenwechseln, die möglicherweise einen stärker werdenden Wahnsinn Jeannes andeuten sollen.

Handlungselemente

Zu den wichtigsten Handlungselementen gehören Jeannes Visionen, die Beratungen über das Einspannen Jeannes durch den Hof von Charles für die politischen Zwecke und Interessen von Charles (welche nicht unbedingt mit den Interessen Frankreichs völlig identisch sind), die Begeisterung der Soldaten und Massen für die „Heilsbringerin“ Jeanne, die Opferbereitschaft und der Mut von Jeanne und ihrer Gefolgschaft, die Schlacht bei Orléans, Charles Königskrönung in Reims, das Fallenlassen von Jeanne durch den Königshof (oder, wenn man es härter ausdrücken will, der königliche Verrat an Jeanne), die Zwiesprache Jeannes mit ihrem „Gewissen“ (wobei es auch möglich ist, dass das Gewissen eigentlich Gott, Satan oder Wahnvorstellungen sein könnten), die Gewissenskonflikte des anklagenden Klerus, sowie das abschließende Verhör einschließlich der gegen die Anklage vorgebrachten Verteidigung.

Konfliktsituationen

Konflikte ergeben sich unter anderem zwischen folgenden Formationen:

  • adlige Herrscher – Bauern (Jeanne als Bauernmädchen)
  • England – Frankreich
  • Mann – Frau (Frau in Männerkleidern, Männerrolle)
  • Religiosität – Krieg
  • Klerus – weltliche Herrscher
  • IdealismusOpportunismus, eigennütziges Machtstreben und politisches Kalkül
  • Berufsarmee und Söldnerarmee der Besatzungsarmee der Engländer – großenteils aus Freiheitswillen gegen die Besatzung kämpfende Volksarmee der Franzosen
  • unangepasstes Denken und Aufrichtigkeit – Vorwurf der Ketzerei
  • außergewöhnliche Leistungen – Vorwurf der Hexerei

Historischer Hintergrund

Gesellschaftsordnung

Im vom Krieg gebeutelten und weitgehend von raubenden, mordenden, vergewaltigenden und brandschatzenden englischen Soldaten besetzten Frankreich ging im Volk eine Prophezeiung oder Legende einer Jungfrau aus Lothringen um, welche Frankreich bzw. die französische Monarchie retten werde. Der Dauphin von Frankreich – eine zaudernde, zögerliche, unsichere, meist Rat suchende, schwache Führungspersönlichkeit – sah sich dem erst wenige Monate alten Heinrich VI., sowie dessen starker Mutter (Charles Schwester, die im Film nicht erwähnt wird, für das Verständnis der Situation aber von großer Wichtigkeit ist) gegenüber. Mitten in diesen Machtkämpfen um die Krone Frankreichs erschien Jeanne, ein Bauernmädchen aus Lothringen. Auf Geheiß Jolandas von Aragón – der rational kalkulierenden Schwiegermutter von Charles – zog Jeanne in den Krieg, befreite einige Gebiete (unter anderem die an der Loire strategisch wichtige gelegene Stadt Orleans) von den englischen Besatzungstruppen und verhalf mittels ihrer militärischen Erfolge dem Dauphin zur „gottgewollten“ Krönung, womit Frankreich wieder einen König hatte. Die durch die Krönung zugunsten von Charles etablierten Machtverhältnisse drohten durch die charismatische Jeanne aber wieder ins Ungleichgewicht zu geraten. Charles war nun König, und Jeannes göttliche Visionen waren für den Königshof nach eigener Einschätzung nun nicht mehr von politischem Wert, sondern im Hinblick auf die eigene königliche Macht gefährlich oder gar destabilisierend. Der Königshof entzog Jeanne zunächst militärische und finanzielle Unterstützung. Jeannes Macht und ihr Einfluss sanken daraufhin schnell. Sie wurde schließlich sogar an ihre Feinde ausgeliefert und verurteilt. Ihre ersten Richter, die zumindest teilweise gottesfürchtige Kleriker waren, fürchteten sich davor, einen Fehler zu begehen, und zwar zumindest teilweise auch deshalb, weil sie nicht Gottes Strafe erfahren wollten. Anfänglich eher gutmütig, verloren sie mit der oft selbstbewusst auftretenden Jeanne schließlich die Geduld und lieferten sie, wie sowohl von den Engländern, als auch von den Burgundern, als auch insgeheim von Charles Königshof gewollt, schließlich (während der Königshof von Charles gegenüber der Öffentlichkeit seine Hände in Unschuld waschen konnte) an feindliche weltliche Machthaber, und zwar an die mit den Engländern verbündete Burgunder, aus, welche nicht lange zögerten und Jeanne aus der Welt schafften. Nachdem die Engländer bereits längere Zeit Jeanne beschuldigt hatten, eine Hexe zu sein, machten sich nun auch die Burgunder den gegen Jeanne erhobenen Vorwurf der Hexerei oder jedenfalls zumindest der Ketzerei zu eigen. Zu groß ist die Schmach, die Gefahr, die von Jeanne ausgeht und vor allem die Grenzüberschreitung, welche das Bauernmädchen im 15. Jh. mit dem Tragen von Männerkleidern und dem Anführen eines Heeres beging.

Quellen und Forschungslage

Um die lothringische Bauerntochter Jeanne ranken sich zahlreiche Legenden. Für die „historische Jeanne“ gelten die Prozessakten mit den protokollierten Aussagen Jeannes, ihrer Mitstreiter und Gegner als gesicherte Quellen. Die Originalakten in Alltagssprache sind verloren gegangen, es existieren jedoch Abschriften in Latein. Weil es keine direkten Selbstaussagen Jeannes gibt, fokussiert die Forschung tendenziell die Wirkung Jeannes auf ihre Zeitgenossen.[2]

Der Film ist in Anbetracht der vorkommenden Orte sowie der chronologischen Abfolge der Ereignisse nahe an den historisch überlieferten Geschehnissen. Bei der Ausgestaltung erlaubt sich Luc Besson jedoch große Freiheiten. So hat Jeanne zum Beispiel keine Brüder, sondern eine Schwester.[3] Diese Abweichungen stellen teils publikumsgerechte Vereinfachungen oder zeitgemäße Vorstellungen dar (vor allem im Hinblick auf Jeannes Stimmen), andererseits erhöhen sie die emotionale Betroffenheit der Zuschauer. So wird zum Beispiel Jeannes Hass gegen die Engländer mit der Ermordung ihrer Schwester sehr verständlich.

Seitdem der französische Historiker Jules Quicherat (1814–1882) den Grundstein für die Jeanne-d’Arc-Forschung gesetzt hat, ist eine Vielzahl an unterschiedlich motivierten Werken über Jeanne d’Arc erschienen, auf die sich auch Luc Besson in seinem Film stützen konnte.[2] Eine Konsultation der Prozessakten ist am chronologischen Ablauf deutlich erkennbar. Bessons Jeanne d’Arc entspricht dem Bild einer charismatischen Persönlichkeit, ist aber wie alle anderen Protagonisten weitgehend sehr modern im Sinne von: wie ein Mensch der Gegenwart gestaltet. Solche Freiheiten und spannungssteigernde, eher unrealistische Momente entstammen der Regie Bessons, erleichtern aber das Verständnis des Films und eine Identifikation mit der dargestellten Figur.

Umsetzung des Mittelalterstoffes

Zeichensatz/Symbolik

Durch zahlreiche Elemente wie Burg, Kerker, große Massen- und Schlachtszenen, Pferde, Gewalt und Brutalität, Marktplatz, Kirche oder Scheiterhaufen wird im Film eine mittelalterliche Grundstimmung erzeugt.

Atmosphäre

  • Kulisse: Der Fokus des Filmes liegt klar nicht auf der Kulisse. Besson setzt vielmehr auf fein differenzierte Charaktere und gewaltige Schlachtszenen. Die Gebäude sind insbesondere außen schlicht gehalten. Abgesehen von den großen Schlachtszenen vor den Burgmauern, wirken sie etwas verlassen und dadurch sehr kulissenhaft.
  • Musik, Geräuschkulisse: Die Musik von Eric Serra bedient sich der typischen Motive mittelalterlicher Filmmusik. Sie umfasst pompös-heroische Trompetenmusik, Fanfaren, langsame Streichmusik, pseudoreligiöse choral-ähnliche Musik bis hin zu verzerrten sphärischen Klängen. Insbesondere letztere sind ein weiteres Mittel, Jeanne kühl und nahe dem Wahnsinn darzustellen. Die Geräuschkulisse wird dominiert von klappernden Rüstungen, klirrenden Schwertern und Gemetzel.

Lichtgestaltung

Das von Besson mehrheitlich eingesetzte kalte Licht verleiht dem ganzen Film eine kühle, leicht bedrohliche Atmosphäre. Das Wetter widerspiegelt nicht nur den seelischen Zustand Jeannes, sondern auch ihren Aufstieg und Fall. Ein Beispiel dafür ist der unmittelbar nach der Königskrönung auf Jeanne niederprasselnde Regen, währenddessen sie vergeblich versucht Paris zurückzuerobern.

Sprechen und Agieren

Wie die Charaktere ist auch die Sprache im Film modern gehalten. Es werden keine spezifisch alten Ausdrücke verwendet, Jeanne spricht aber sehr gewählt, manchmal fast etwas poetisch. Die verschiedenen Sprachen (Englisch, Französisch) sowie daraus erwachsende Verständnisprobleme werden nicht angesprochen.

Mittelalterliches Agieren zeigt sich beispielsweise in der Esskultur der englischen Soldaten, die während der Plünderung gierig mit den Händen nach dem Essen greifen. Der Alltag Jeannes wird dominiert von einer starken Gottesfürchtigkeit und dem ständigen Drang nach Beichte. Der schwache Charles de Valois steht im ständigen Spannungsfeld der unterschiedlichen Meinungen seiner einflussreichen Berater und ist unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen.

Im ganzen Film tauchen immer wieder Szenen auf, in denen das Sprechen und Handeln der Darsteller sehr modern bzw. heutigem Sprechen und Handeln ähnlich wirkt. Gelegentlich scheint dabei eine gewisse Ernsthaftigkeit zu fehlen. Auch in gefährlichen Kampf- und Stresssituationen zeigen die im Kampf und Krieg involvierten Personen und Offiziere gelegentlich eine gewisse Leichtigkeit und einen gewissen Sinn für Humor. Nach Ansicht eines Historikers werden einige Gespräche sogar fast ins Lächerliche gezogen, während die Situation oder Thematik selbst ernst oder äußerst bedrohlich ist. Jeannes möglicherweise angedeuteter Wahnsinn könnte wie eine auch heutzutage auftretende psychische Krankheit gesehen werden, wobei dann möglicherweise die in ihrem Angesicht erfolgte menschenverachtende blutige Ermordung ihrer Schwester als eine Ursache gesehen werden kann. Allerdings wurden fast allen Menschen, die sich charismatisch und mehr oder weniger erfolgreich in politischen Konflikten engagierten, und dabei Risiken für ihr eigenes Leben in Kauf nahmen, von den Gegnern stets Wahnsinn oder Hexerei unterstellt, während die eigenen Anhänger die Person meist schlicht als Lichtgestalt oder als von Gott erleuchtet und auserwählt betrachteten. Der Film erlaubt zwar eine Interpretation, wonach Jeanne wahnsinnig wäre, aber der Film stellt diese Interpretation nicht als zwingend einzig mögliche Interpretation dar. Ebenso wäre möglich, dass tatsächlich Gott einen Einfluss auf sie hat, oder der Teufel, oder dass sie in Trance gerät, oder dass ihre Visionen aus Tagträumen oder aus Meditationen oder aus einer Art siebenten Sinn herrühren. Freiwilliges Eingehen von Risiken kommt schließlich in fast jedem Actionfilm vor, ohne dass die Protagonisten dort zwingend und automatisch alle als wahnsinnig gelten würden. Und für Visionen kommen viele Ursachen in Betracht – Wahnsinn wäre jedoch bloß eine von vielen möglichen Ursachen.

Trivia

Kritiken

  • Lexikon des internationalen Films: „Ein rasant geschnittener Film in oft atemraubend schönen Bildern mit einer kraftvollen Hauptdarstellerin als moderner Identifikationsfigur. Der Konflikt zwischen Glauben und Gewissen wird mehr optisch als wortreich aufbereitet.“[4]
  • prisma-online: „Besson ist dieses mittelalterliche, blutige Schlachten-Epos viel zu lang geraten. Und Hauptdarstellerin Milla Jovovich überzeugt nur dann, wenn sie zwischen Wahn und Wirklichkeit spielt. Gute Szenen sind allerdings jene Zwiegespräche mit Dustin Hoffman, der hier als schlechtes Gewissen bzw. Stimme Gottes in spe engagiert wurde.“[5]
  • Der Historiker Gerd Krumeich bezeichnete in seinem 2006 erschienenen Buch „Jeanne d'Arc: Die Geschichte der Jungfrau von Orléans“ Bessons Film als „sehr ernsthaften Versuch, das Thema zu gestalten“. Die Umsetzung der notwendigen Massenszenen sei ihm „hervorragend gelungen“. Allerdings werde auch dieser Film über Jeanne keinen Bestand haben, gehe er doch „zu sorglos mit den Quellen“ um. So sei das schlechte Gewissen Jeannes eine Erfindung Bessons, der zudem „albernerweise aus ihrem Ankläger, dem Bischof Cauchon, einen ihr gegenüber recht liebevoll eingestellten Geistlichen“ mache.

Auszeichnungen

Im Jahr 2000 wurden Catherine Leterriers Kostüme und der Ton mit dem französischen César ausgezeichnet, während bei der Verleihung der Prix Lumières Film und Regie preisgekrönt wurden. Im selben Jahr wurde der Tonschnitt von den US-amerikanischen Motion Picture Sound Editors prämiert. Titelheldin Milla Jovovich erhielt eine Nominierung für die Goldene Himbeere.

Literatur

  • Duby, Georges et Andrée: Die Prozesse der Jeanne d’Arc. Wagenbach, Berlin 1973. ISBN 3-8031-2129-9.
  • Hobbins Daniel: The trial of Joan of Arc. Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts, London 2005, ISBN 0-674-01894-X.
  • Schirmer-Imhof, Ruth (Hrsg.): Der Prozess Jeanne d’Arc, übersetzt (Auszugsweise). Bachem, Köln 1961, ISBN 3-423-30202-X.
  • Tanz, Sabine: Jeanne d’Arc: spätmittelalterliche Mentalität im Spiegel eines Weltbildes. Hermann Böhlau, Weimar 1991. ISBN 3-7400-0103-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Johanna von Orleans. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, November 2013 (PDF; Prüf­nummer: 83 642 V).
  2. a b Röckelein et al.: Jeanne d’Arc als Konstruktion der Geschichte. 1996, S. 10.
  3. Schirmer-Imhof.: 1961.
  4. Johanna von Orleans. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 4. April 2018.
  5. Johanna von Orleans. In: prisma. Abgerufen am 2. April 2021.