Josef Burg (Schriftsteller)

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Josef Burg (ukrainisch Йосиф Кунович Бург/Jossyf Kunowytsch Burg; jiddisch יוסף בורג; * 30. Mai 1912 in Wischnitz (Bukowina, Österreich-Ungarn); † 10. August 2009 in Czernowitz (Ukraine)[1]) war einer der letzten Schriftsteller jiddischer Muttersprache. Er verfasste Erzählungen, Skizzen und Kurzgeschichten.

Leben und Werk

Josef Burg verbrachte seine ersten Lebensjahre in Wischnitz als Sohn eines jüdischen Flößers. Als er zwölf Jahre alt war, siedelte die Familie in die Hauptstadt der Bukowina, nach Czernowitz, über. Er besuchte die Schulen und bildete sich als Lehrer am 1919 gegründeten Jüdischen Schulverein aus. Von 1935 bis 1938 studierte er Germanistik an der Universität Wien. Nach dem Anschluss Österreichs musste er Wien verlassen. Von 1938 bis 1941 hielt er sich erneut in Czernowitz auf, floh jedoch 1941 vor der anrückenden Wehrmacht nach Samarkand (Usbekistan). Seit 1959 lebte er wieder in Czernowitz, zuerst als Lehrer und dann als freier Schriftsteller.

1934 brachte er seine erste Erzählung Oifn splaw (Auf dem Floß) heraus. Bis 1940 folgten zwei weitere Werke. Danach war seine Schriftstellerkarriere für vierzig Jahre unterbrochen. Erst ab 1980 konnte er wieder Bücher veröffentlichen. Sie wurden außer ins Deutsche ins Russische, Polnische, Ukrainische und Englische übersetzt. Burgs Hauptanliegen war es, die Erinnerung an die jiddische Literatur zu erhalten. Die von ihm herausgegebenen Tschernowizer bleter sollten dazu beitragen.

Auszeichnungen

Werke

  • 1934: Oifn splaw.
  • 1939: Oifn tschermusch. (dt. Auf dem Czeremosz. Erzählungen. Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe 2005, ISBN 3-928788-50-7).
  • 1940: Ssam (dt. Gift. Zwei Erzählungen. Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe 2005, ISBN 3-928788-51-5).
  • 1980: Dos leben geit waiter. Derzeilungen, Nowelen, Skizen – Das Leben geht weiter. Erzählungen, Novellen, Skizzen. Sowetski Pissatel.
  • 1983: Iberuk fun tsajtn. Sowetski Pissatel.
  • 1988: Ein Gesang über allen Gesängen. Erzählungen und Skizzen.
  • 1990: A farschpetikter echo. (dt. Ein verspätetes Echo, teils zweisprachig, 1999, P. Kirchheim, München ISBN 978-3-87410-075-5)
  • 1997: Zwej weltn.
  • 1997: Zewikelte stetschkes. (ukrainische Originalausgabe)
  • 2000: Irrfahrten. Boldt, ISBN 3-928788-35-3 (Interview mit Michael Martens)
  • 2004: Sterne altern nicht. Ausgewählte Erzählungen. Boldt, ISBN 3-928788-45-0. Rimbaud, Aachen 2011, ISBN 978-3-89086-472-3.
  • 2005: Dämmerung. Erzählungen. (Aus dem Jiddischen von Beate Petras.) Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe, ISBN 3-928788-54-X.
  • 2006: Mein Czernowitz. Winsen/Luhe: Hans Boldt Verlag, ISBN 3-928788-55-8.
  • 2006: Begegnungen. Eine Karpatenreise. (Aus dem Jiddischen von Beate Petras.) Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe, ISBN 3-928788-57-4.
  • 2007: Über jiddische Dichter. Erinnerungen. (Aus dem Jiddischen von Beate Petras und Armin Eidherr.) Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe, ISBN 3-928788-60-4.
  • 2008: Ein Stück trockenes Brot. Ausgewählte Erzählungen. (Aus dem Jiddischen von Beate Petras.) Hans Boldt Verlag, Winsen/Luhe, ISBN 978-3-928788-65-6

Literatur

  • Raphaela Kitzmantel: Die jiddische Welt von Gestern. Josef Burg und Czernowitz. Mandelbaum-Verl., Wien 2012, ISBN 978-3-85476-395-6.
  • Claus Stephani: Ruf gegen das Vergessen. Zur Erinnerung an Josef Burg und „den guten bukowinischen Geist“. In: David. Jüdische Kulturzeitschrift. (Wien), 84, April 2010.[2]
  • Hans Boldt: Mein Erleben mit Josef Burg. In: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands. Wien, 26. Jg., Nr. 1/2 (August 2009); S. 6–7. ISSN 1606-4321.
  • Armin Eidherr: Unter verschiedenen Herrschaften gelebt. Laudatio für Josef Burg. In: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands. Wien, 26. Jg., Nr. 1/2 (August 2009); S. 4–5. ISSN 1606-4321.
  • Johanna Adorján: Es gibt keinen Hass. Es ist ein Wunder.[3]
  • Claus Stephani: Sein Werk ist wie ein Denkmal. Vier neue Erzählbände von Josef Burg in deutscher Sprache. In: Israel Nachrichten. (Tel Aviv), Nr. 11378, 1. September 2006, S. 6.
  • Jiddisch ist eine Sprache für sich. Über den Schriftsteller Josef Burg.[4]
  • Claus Stephani: „Vom Ufer des fernen Pruth“. Lesung Josef Burgs in München. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter (München), 45. Jg., F. 2, Juni/1996, S. 136.
  • Claus Stephani: Jene Welt, von der wir wenig wissen. Einige Anmerkungen zu Josef Burg. In: Anton Schwob (Hg.): Die deutsche Literaturgeschichte Ostmittel- und Südosteuropas von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Forschungsschwerpunkte und Defizite. Südostdeutsches Kulturwerk: München, 1992. S. 137–141.
  • Henry Kamm: A Garden of Yiddish, With a Soil That Bred Poets. In: New York Times International (New York), 25. February 1992.
  • Claus Stephani: Aus der Landschaft unserer Wurzeln. Der Czernowitzer Schriftsteller Josef Burg: “Jiddisch lebt.” In: Allgemeine Jüdische Wochenzeitung (Bonn), 47/30, 23. Juli 1992, S. 14.
  • Claus Stephani: Seine “Mameloschen” ist eine Weltsprache. Gespräch mit dem jiddischen Schriftsteller Josef Burg aus Czernowitz. In: Israel Nachrichten (Tel Aviv), 6495, 10. Juli 1992, S. 6.
  • Claus Stephani: „Bei uns zählt die Würde des Menschen.“ Im Gespräch mit dem jiddischen Schriftsteller Josef Burg. In: Allgemeine Jüdische Wochenzeitung (Bonn), 47. Jg., Nr. 25, 18. Juni 1992, S. 8.
  • Claus Stephani: Unsere Welt ist noch nicht verloren. Im Gespräch mit Josef Burg in München. In: Jüdische Kulturbühne (München), Nr. 3, September 1992, S. 36–38.
  • Claus Stephani: Va ramâne un mic semn... De vorbă cu scriitorul bucovinean Josef Burg. In: Revista Cultului Mozaic (București), Nr. 742, 1. September 1992, S. 5.
  • Claus Stephani: Jiddisch – eine Welt, ein Bekenntnis. Gespräch mit Josef Burg aus Czernowitz. In: David. Jüdische Kulturzeitschrift (Wien), 4/14, Sept. 1992, S. 34.
  • Claus Stephani: Un scriitor idiş – Josef Burg. In: Revista cultului mozaic (Bucureşti), 35. Jg., Nr. 684, 20. Januar 1990, S. 2.
  • Maja Wassermann: Ein Gesang über allen Gesängen von Josef Burg. In: Neue Literatur (Bukarest), 40/7, 1989, S. 88.

Weblinks

Einzelnachweise