Julius Kemna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Julius Kemna

Julius Kemna (* 8. Dezember 1837 in Barmen; † 8. Juni 1898 in Breslau) war ein deutscher Maschinenfabrikant und Gründer von Kemna Bau.

Biographie

Frühes Leben

Julius Kemna wurde als einziger Sohn von Johann Abraham Kemna und Carolina Wilhelmina (Wilhelmine) van Hees am 8. Dezember 1837 in Barmen geboren. Julius Kemna zog in jungen Jahren von Barmen nach Schlesien und war anfänglich in der Landwirtschaft tätig. Im Jahr 1867 gründete Kemna eine Werkstätte für „den Bau landwirtschaftlicher Maschinen“.

Aufstieg seiner Firma

Nach der Beendigung des Krieges 1870/1871 glaubte Kemna die Zeit gekommen, um nun in größerer Zahl den Dampfflug der deutschen Landwirtschaft zuzuführen, und zwar auf dem Weg, dass er einige englische Dampfpflugsätze erwarb, um sie durch Lohnpflugarbeiten bei Großgrundbesitzern bekannt zu machen.[1] Die Erfahrung der Praxis führten dazu, dass Kemna sich vom englischen Lieferungsland mehr und mehr freimachte. Zunächst wurde zur Anfertigung der Pflüge zu den aus dem Ausland bezogenen Lokomotiven geschritten (welches bedeutet, dass Kemna seine Pflüge diesen Lokomotiven anpasste und somit auch im Internationalen Raum erfolgreich wurde).

Kemna-Walze

1882 startete Kemna die Produktion von Straßenbaumaschinen und anderen Dampfmaschinen. Im Laufe der nächsten Jahre, in welchen die Fabrikation von Dampfstrassenwalzen schnelle Fortschritte machte, wurde auch der Bau von Hächselmaschinen für Kraftantriebe großer Leistung aufgenommen, welches dazu führte, dass die ursprüngliche Produktion kleinerer landwirtschaftlicher Maschinen immer mehr zurücktrat.[2][1]

Tod und Vermächtnis

Im Jahr 1898 starb Kemna und vererbte seinen Angestellten 30 Mark für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit: Für viele genug Geld, um ein Haus zu bauen.[1] Kemna erkannte, dass die Dampfmaschine sowohl für die Industrie als auch für die Landwirtschaft und im Straßenbau revolutionierend war. Seine langjährigen Erfahrungen mit englischen Dampfpflugsystemen unterstützte den Aufschwung seiner Firma. Kemna galt während seiner Zeit als „Pionier in der Landwirtschaft und der Machinenkonstruktion“.

Das Unternehmen entwickelte sich um die Jahrhundertwende zum „industriellen Großbetrieb“.[2] Aufgrund von Kapazitätserweiterungen wurden 1905 ungefähr 900 Arbeitnehmer auf einem 52.000 m² großen Industriegelände angestellt.[2] Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Firma Julius Kemna das „führende Dampfpflug-Unternehmen auf dem europäischen Kontinent und drang auf dem Weltmarkt in die Monopolstellung englischer Firmen ein“.[2] Unter Erich Kemna brachte das Unternehmen im Jahr 1923 als erste Firma in Deutschland eine Straßenwalze mit einem Rohölmotor (Deutz-Diesel-Motor) auf den Markt.[2]

Familie

Die Familie von Johann Abraham Kemna, einem Weingroßhändler aus Barmen und Königlich Preußischen Hoflieferanten[3] (1810–1878), lässt sich in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen, wo sie im Rittergut Kemna lebte.[3] Julius Kemnas Großvater, der Bankier Johann Abraham Kemna der Ältere, gründete 1810 mit dem Wechselgeschäft J.A. Kemna den Vorläufer des Barmer Bankvereins.[4][5][6]

Julius Kemna's Mutter, Carolina Wilhelmina van Hees (1814–1880), war die Nichte der bekannten Barmer Schulgründerin Susanna Sophia Antoinetta van Hees[7] und Enkelin des ersten Apothekers Barmens Johann Hermann von Hees.[7] So verkehrte Kemna schon Früh in einflussreichen Kreisen. Dadurch fühlte er sich womöglich auch dazu ermutigt, aus dem Schatten seiner illustren Eltern zu treten und ein eigenes, erfolgreiches, Leben zu führen.

Julius Kemna heiratete am 22. Juni 1870 in Breslau Philippine Karoline Lübbert (1847–1921), Tochter des Kaufmannes August Friedrich Lübbert und von Angelika Noeldechen, Nachfahrin des Königlich Preußischem Kammerrates Friedrich Wilhelm Noeldechen, dem Errichter des Sparkassengebäudes Wriezen.[8] Sie war auch die Schwester Eduard Lübberts, einem klassischen Philologen und Archäologen. Philippine Lübbert wuchs auf Schloss Zweibrodt bei Breslau auf und gebar 3 Söhne, einer von ihnen Erich Kemna.[9] Kemna ließ den Architekten Carl Johann Lüdecke eine Villa für sich in Breslau entwerfen, welche heute nicht mehr steht.[10]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c KEMNA - Verkehrswegebau I Straßenbauunternehmen. Abgerufen am 18. Juli 2020.
  2. a b c d e Hans-Henning Zabel: Kemna, Julius. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 482 (Digitalisat).
  3. a b Kemna/Hees. Abgerufen am 21. Juli 2020.
  4. Witzel, G., Poppelreuter, R. (1918). Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Co. 1867 bis 1917: Denkschrift zum fünfzigjährigen Bestehen. Deutschland: Baedeker.
  5. Burhop, C. (2004). Die Kreditbanken in der Gründerzeit. Deutschland: F. Steiner.
  6. 100 Jahre Commerzbank, 1870–1970. (1970). Deutschland: Commerzbank. Seite: 109
  7. a b Hees/Wisselink. Abgerufen am 21. Juli 2020.
  8. Doris Antony Berlin: Deutsch: Sparkasse in Wriezen in Brandenburg, Deutschland (Frankfurter Str.; Info-Tafel, gestiftet durch den Verein „Pro Wriezen e. V.“, besagt: „Dieses Gebäude wurde ab 1781 von dem Kgl. Kammerrat Noeldechen (1746-1808), der es erbauen ließ, bewohnt. Von 1807 bis 1809 wohnte hier ein französischer General namens Dumerc. Seit 1922 war in diesem Hause der Sitz der Kreisbank und Kreissparkasse Oberbarnim.“). 24. Mai 2007, abgerufen am 27. Dezember 2020.
  9. Volk und Reich Verlag (Hrsg.): Strassenbau-jahrbuch. 1939, S. 45.
  10. Architekturmuseum der TU Berlin. 9. April 2021, abgerufen am 9. April 2021.