Karl-Heinz Körbel

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Karl-Heinz Körbel
Karl-Heinz Körbel, 2016
Personalia
Geburtstag 1. Dezember 1954
Geburtsort DossenheimDeutschland
Größe 182 cm
Position Vorstopper
Junioren
Jahre Station
1962–1972 FC Dossenheim
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1972–1991 Eintracht Frankfurt 602 (45)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1971–1973 Deutschland U18 30 0(3)
1973–1974 Deutschland Amateure 5 0(1)
1974–1979 Deutschland B 10 0(0)
1974–1975 Deutschland 6 0(0)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1994 Eintracht Frankfurt
1995–1996 Eintracht Frankfurt
1996–1997 VfB Lübeck
1997–1998 FSV Zwickau
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Autogramm von Karl-Heinz Körbel aus der Saison 1978/79

Karl-Heinz „Charly“ Körbel (* 1. Dezember 1954 in Dossenheim bei Heidelberg, Baden-Württemberg) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer. Körbel, der während seiner Profikarriere ausschließlich für Eintracht Frankfurt antrat, hält mit 602 Spielen den Rekord für die meisten Einsätze in der Fußball-Bundesliga. Er ist Vorstand des Jugendfußballclubs Frankfurt am Main.

Spielerlaufbahn

Anfänge

Körbel begann früh mit dem Fußballspielen, wobei er zunächst die Position des Torwarts bevorzugte. In seiner Jugend spielt er für den FC Dossenheim. Anfang der 1970er waren neben dem Hamburger SV, wo er ein Probetraining mit Uwe Seeler absolvierte, auch der VfB Stuttgart und die Kickers Offenbach an seiner Verpflichtung interessiert.[1]

Bundesliga

Als 17-Jähriger wechselte der Vorstopper im Jahr 1972 zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt, dem er bis zum Ende seiner Karriere im Alter von 36 Jahren 1991 die Treue hielt. Neben seinen 602 Bundesligaspielen absolvierte er 70 DFB-Pokal- und 48 Europapokalspiele. In dieser Zeit erzielte er 45 Bundesligatore[2] sowie drei Treffer im DFB-Pokal und drei in Europapokalspielen.

Seinen größten Erfolg erlebte Körbel 1980, als er mit seiner Mannschaft UEFA-Pokalsieger wurde. Außerdem gewann er viermal den DFB-Pokal: 1974, 1975, 1981 und 1988. Deutscher Meister wurde er allerdings nie, dritte (1975, 1990) und vierte (1974, 1977, 1991) Plätze waren die besten Ergebnisse. 1984 und 1989 erreichte er mit Frankfurt den Klassenerhalt erst über die Relegation.

Die Relegationsspiele 1984 musste er als Zuschauer verfolgen, da er sich am viertletzten Spieltag der Saison 1983/84 das Schienbein gebrochen hatte – nachdem er zuvor mit zwei Toren maßgeblich zum 3:1-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg beigetragen hatte. Es blieb die einzige schwere Verletzung seiner 19 Jahre währenden Profilaufbahn. 1989 sorgte Körbel mit einem Kopfballtor beim 1:1 im letzten Spiel bei Hannover 96 dafür, dass die Eintracht überhaupt in die Relegation gehen durfte und nicht direkt abstieg. Jenen Treffer im Niedersachsenstadion stufte Körbel in Interviews rückblickend als das wichtigste Tor seiner Laufbahn ein – wichtiger auch als seinen entscheidenden Treffer beim 1:0 im DFB-Pokal-Finale 1975, ebenfalls im Niedersachsenstadion.

Beim vorletzten Spiel der Saison 1990/91 gegen den FC St. Pauli kassierte Körbel seine vierte Gelbe Karte, so dass er nach damaligem Reglement für das folgende Spiel gesperrt war. Somit wurde bereits diese Partie zu seinem letzten Bundesligaspiel und nicht, wie eigentlich geplant, das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am letzten Spieltag im Waldstadion.[3] Körbel hat in seinen 602 Bundesligaeinsätzen, in DFB-Pokal- und Europapokaleinsätzen nie einen Platzverweis erhalten.

Am 6. Oktober 1991 wurde ein Abschiedsspiel für „Charly“ veranstaltet. Er bestritt in seiner Karriere über 320 Freundschaftsspiele, in denen er über 60 Tore schoss.

Nationalmannschaft

Körbels Nationalmannschaftskarriere belief sich auf sechs Einsätze in den Jahren 1974 und 1975.[4] Bundestrainer Helmut Schön hatte nach der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 versucht, eine neue Mannschaft für die bevorstehenden Turniere aufzubauen und hierzu auch Körbel als Vorstopper herangezogen. Differenzen mit Mannschaftskapitän und Libero Franz Beckenbauer führten dazu, dass Körbels Nationalmannschaftskarriere bald wieder endete. Beckenbauer hatte Körbels offensivorientierte Spielweise moniert und ihm „Deckungsuntreue“ vorgeworfen.[1]

Weiteres Leben

Nach seinem Karriereende 1991 wurde Körbel zunächst Trainerassistent der Frankfurter Profimannschaft. Zwischen 1994 und 1996 war er zweimal für kurze Zeit Cheftrainer im selben Verein. Anschließend arbeitete er in der 2. Bundesliga beim VfB Lübeck und dem FSV Zwickau als Trainer. Später bekam er bei der Eintracht eine Anstellung als Scout.

Auch heute noch ist Körbel Berater des Vorstands von Eintracht Frankfurt und leitet zudem die Fußballschule des Vereins. Im Jahre 2007 gründete er den Jugend Fußballclub Frankfurt am Main,[5] in welchem junge Talente aus Deutschland, teilweise auch aus Europa, von ehemaligen Profifußballern auf höchstem Niveau ausgebildet werden.

Nach Fritz Walter ist Körbel Schirmherr der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau, die unter anderem in Not geratene Sportler unterstützt. Körbel ist Botschafter der Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus.[6]

Körbel besitzt in seinem Heimatort Dossenheim das Sportgeschäft „Sport-Körbel“. Er war Botschafter der Stadt Frankfurt für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland. Am 1. Januar 2016 wurde er neuer Sportdirektor des Hessenligisten SC Hessen Dreieich, wo er am 28. Juni 2016 zum Vizepräsidenten gewählt wurde.[7] Wegen Unstimmigkeiten mit Mäzen Nolte erklärte er am 31. März 2019 seinen Rücktritt.[8]

Ehrungen

Seit dem 23. Januar 2013 ziert ein Abbild von Körbel eine der zwölf „Säulen der Eintracht“ in der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz in Frankfurt.[9] Im Februar 2020 erhielt Körbel als erster Fußballspieler die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main.[10]

Erfolge

Siehe auch

Weblinks

Commons: Karl-Heinz Körbel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b "Charly Körbel zum 60. Geburtstag", www.sge4ever.de
  2. Matthias Arnhold: Karl-Heinz Körbel – Matches and Goals in Bundesliga. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 23. September 2015. Abgerufen am 9. Oktober 2015.
  3. Die letzte Partie des "treuen Charly" (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive), weltfussball.de, abgerufen am 16. Februar 2020.
  4. Matthias Arnhold: Karl-Heinz Körbel – International Appearances. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 23. September 2015. Abgerufen am 9. Oktober 2015.
  5. JFC Frankfurt (Memento vom 27. September 2011 im Internet Archive), jfc-frankfurt.de, abgerufen am 16. Februar 2020.
  6. Botschafter – Sport. (Nicht mehr online verfügbar.) Gemeinnützige Respekt! Kein Platz für Rassismus GmbH, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 13. Februar 2015.
  7. Karl-Heinz „Charly“ Körbel zum Vizepräsidenten gewählt, abgerufen am 7. März 2017.
  8. Vizepräsident Karl-Heinz Körbel erklärt Rücktritt (Memento vom 2. April 2019 im Internet Archive), abgerufen am 2. Dezember 2019.
  9. Säulen der Eintracht (Memento vom 9. Oktober 2017 im Internet Archive), saeulen-der-eintracht.de, abgerufen am 16. Februar 2020.
  10. Karl-Heinz Körbel erhält Ehrenplakette, eintracht.de vom 11. Februar 2020, abgerufen am 7. März 2022.