Konstriktion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Konstriktion als wissenschaftlicher Fachbegriff geht auf das lateinische Verb: cōn-stringere zurück (dt.: ‚zusammenschnüren‘, englisch: constriction) und bedeutet ‚Zusammenschnüren‘.

  • In der Psychologie bezeichnet Konstriktion ein Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Es beschreibt ein Vermeiden von Situationen, die als bedrohlich empfunden werden, einen sozialen Rückzug, und die psychische Erstarrung und emotionale Taubheit oder emotionale Anästhesie („emotionales oder psychisches Zusammenziehen“). Der Betroffene hat keine Möglichkeit, eine Situation zu bewältigen (weder fliehen noch kämpfen) und gerät nach dem aus der Biologie in die Psychotraumatologie übernommenen 3F-Modell (fight, flight or freeze model) in einen schockartigen ‚Erstarrungszustand‘ („Totstellreflex“).[5][6][7] Damit befindet er sich in einer traumatischen Zange, einem in der Psychotraumatologie (Michaela Huber, 2003)[8][9][10] gebräuchlichen Begriff,[10] der dort zu: fight, flight or freeze and fragment erweitert wurde, wodurch die während des ‚Freeze-Zustands‘ ausgelöste Dissoziation, Abspaltung und Fragmentierung der traumatischen Gedächtnisinhalte (ein Vorgang, der bereits 1889 von Pierre Janet als Traumafolge entdeckt und beschrieben wurde) zum Ausdruck gebracht wird.[8][9][5][11]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Walther Graumann, Dieter Sasse: Compact-Lehrbuch der gesamten Anatomie Sinnessysteme, Haut, ZNS, Periphere Leitungsbahnen. Schattauer Verlag, 2004, ISBN 3-7945-2064-5.
  2. Stefan Binder, Andy Lamp: Boa constrictor: Die Abgottschlange. Verlag Natur und Tier, Münster 2007, ISBN 3-931587-91-6, S. 59–60.
  3. a b Konstriktion. DocCheck Flexikon
  4. a b Kontraktion. DocCheck Flexikon
  5. a b c Kasia Kozlowska, Peter Walker, Loyola McLean, Pascal Carrive: Fear and the Defense Cascade: Clinical Implications and Management. In: Harvard Review of Psychiatry, July/August 2015, Volume 23, Issue 4, S. 263–287, doi:10.1097/HRP.0000000000000065
  6. Amy F. T. Arnsten: Stress signalling pathways that impair prefrontal cortex structure and function. In: Nat. Rev. Neurosci., 2009 Jun, 10(6), S. 410–422, doi:10.1038/nrn2648, PMC 2907136 (freier Volltext).
  7. James W. Hopper: Why many rape victims don’t fight or yell. (PDF; 125 kB; 3 Seiten) The Washington Post, 23. Juni 2018.
  8. a b Michaela Huber: Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung, Teil 1. 5. Auflage. Band 1. Junfermann, Paderborn 2012 (1. Auflage 2003), ISBN 3-87387-510-1.
  9. a b Corinna Scherwath, Sibylle Friedrich: Soziale und pädagogische Arbeit bei Traumatisierung. Ernst Reinhardt Verlag, München 2012, ISBN 3-497-02321-3; Traumatische Zange S. 19 ff., Leseprobe des Verlags S. 17–23. (PDF; 175 kB; 7 Seiten)
  10. a b Alexander Korittko: Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Reihe »Störungen systemisch behandeln«, Band 5. Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8497-0114-7, S. 27, Leseprobe des Verlags. (Memento des Originals vom 10. Dezember 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.carl-auer.de (PDF; 1,6 MB; 16 Seiten)
  11. Kathy Steele, Suzette Boon, Onno van der Hart: Die Behandlung traumabasierter Dissoziation: Eine praxisorientierte, integrative Vorgehensweise. G.P. Probst Verlag, 2017, ISBN 978-3-944476-22-3.