Menandros (König)

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Tetradrachme mit Konferfei Menanders I.; Av.: König Menander, einen Speer werfend; Rv.: Athena mit Blitz (Inschrift: BASILEOS SOTIROS MENANDROY, König Menander, der Retter)

Menandros I. (altgriechisch Μένανδρος Ménandros, auch Milinda oder latinisiert Menander) war ein indo-griechischer König eines Reiches im Nordwesten Indiens. Seine Geschichte steht im Kontext des Hellenismus, der Zeit nach dem Tod Alexanders des Großen. Er regierte im Zeitraum von etwa 165 v. Chr. bis 130 v. Chr., genaue Daten sind jedoch nicht bekannt.

Quellenlage

Wie für alle indo-griechischen Könige ist die Quellenlage ausgesprochen mager und kompliziert. Menandros wird beiläufig bei einigen klassischen Autoren erwähnt. Die Fragen des Königs Milinda ist ein buddhistisches Werk, in dem der Herrscher eine wichtige Rolle spielt und das zahlreiche Informationen liefert. Daneben ist er einer der wenigen indo-griechischen Könige, der in zeitgenössischen Inschriften erscheint. Eine wichtige Quelle sind außerdem seine zahlreichen Münzen, deren Fundorte zumindest einen Anhaltspunkt zu der Ausdehnung seines Reiches liefern.

Strabon schreibt:

„Die Griechen, die in Baktrien rebelliert hatten, wurden wegen der Fruchtbarkeit des Landes so stark, dass sie Herren, nicht nur von Ariana, sondern auch von Indien wurden, wie Apollodoros von Artemita sagt: und mehr Stämme wurden von ihnen erobert als von Alexander, aber besonders von Menandros (falls er in der Tat den Hypanis gegen Osten überquerte und bis nach Imaüs gelangte); einige wurden von ihm persönlich erobert, andere von Demetrius, dem Sohn des Euthydemus, dem König der Baktrier. Sie eroberten nicht nur Patalena (Region des Indusdeltas), sondern auch den Rest der Küste, die als das Reich von Saraostos und Sigerdis genannt wird. In Kürze, Apollodoros sagt, dass Baktrien der Schmuck der Ariana im ganzen ist; und mehr als das, sie erweiterten ihr Reich bis zu den Seres und den Phryni.“

Strabon 11,11

im Periplus Maris Erythraei

„…und bis heute gibt es antike Drachmen in Barygaza (Bharuch), die von diesem Land kommen (Baktrien) und Inschriften mit griechischen Buchstaben tragen und Anordnungen von denen, die nach Alexander regierten tragen: Apollodotos und Menander.“

Periplus Maris Erythraei 47

in der Zusammenfassung des 41. Buches von Pompeius Trogus (in den längeren Zusammenfassungen von Marcus Iunianus Iustinus fanden diese Könige keinen Eingang):

„Einige indische Angelegenheiten werden auch genannt, nämlich die Taten des Apollodotos und Menander.“

Pompeius Trogus, Prolog 41

Plutarch schreibt zum Tod des Herrschers:

„Als Menander, der gnädig über die Baktrier regiert hatte, in seinem Lager starb, feierten die Städte im Einklang sein Begräbnis, doch begannen sie sich über seine Überreste zu streiten. Sie kamen unter Schwierigkeiten zu dem Ergebnis, dass seine Asche verteilt werden solle, jede von ihr sollte einen gleichen Teil erhalten und sie sollten alle ein Denkmal für ihn errichten.“

Plutarch, Moralia 10,55,28

Auswertung

Indo-Griechisches Königreich, mit bekannten militärischen Vorstößen und Schlachten in Richtung auf das Shatavahana Königreich und Shunga Königreich Im Nordwesten angrenzend an das Seleukidenreich.[1]

Nach den Fragen des Königs Milinda soll Menandros in dem Dorf Kalasi, nicht weit von Alasanda und 200 yojanas von Sagala entfernt, geboren sein. Bei Alasanda handelt es sich wahrscheinlich um Alexandria am Kaukasus.[2] Ursprünglich fungierte er als Statthalter für den griechisch-baktrischen König Demetrios, der seinen um 184 v. Chr. begonnenen Indienfeldzug aufgrund eines Aufstands abbrechen musste. Doch fiel Demetrios schließlich im Kampf. In der Folgezeit beherrschte Menander das indo-griechische Reich bis zu seinem Tod im Jahre 130 v. Chr.(?) Er dehnte seinen Einflussbereich weit nach Osten aus, möglicherweise bis Pataliputra. Der genaue Umfang des Reiches, als dessen Residenzstadt Sakala (im Punjab) diente, ist aber ebenso wie die genaue Chronologie der Herrschaftszeit Menandros’ umstritten.

Nach Menandros/Milinda sind die Fragen des Königs Milinda benannt, das Milinda Pañha – ein wichtiges, wenn auch nicht kanonisches Werk des frühen Buddhismus, das einen Dialog zwischen dem König und dem Mönch Nagasena wiedergibt. Menandros gilt auch als einer der ersten Anhänger der Lehre des Buddha und als großer Förderer des Buddhismus unter den Griechischstämmigen (Yavana, Yona) seiner Zeit; ihm war auch als einzigem griechischen Herrscher ein weiteres Nachleben in der indischen Literatur vergönnt.

Siehe auch

Literatur

  • Abodh K. Narain: The Indo-Greeks. Clarendon Press, Oxford 1957, S. 197 (Index).
  • Abodh K. Narain: The Greeks of Bactria and India. In: I. E. S. Edwards u. a.: The Cambridge Ancient History. Band 8: Alan E. Astin, Frank W. Walbank, Marten W. Frederiksen (Hrsg.): Rome and the Mediterranean to 133 B.C. 2. Edition, Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1989, ISBN 0-521-23448-4, S. 406 ff. doi:10.1017/CHOL9780521234481.012.
  • Nyanaponika Thera (Hrsg.): Milindapañha. Ein historisches Gipfeltreffen im religiösen Weltgespräch. Aus dem Pāli von Nyanatiloka. Neuausgabe. Barth, Bern u. a. 1998, ISBN 3-502-61011-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Cuthbert Collin Davies: An Historical Atlas of the Indian Peninsula. 2nd edition. Oxford Univ. Pr., London 1959; Abodh K. Narain: The Coin Types of the Indo-Greek Kings. Ares, Chicago IL 1976, ISBN 0-89005-109-7; Hans Erich Stier, Ekkehard Aner Ernst Kirsten: Westermanns grosser Atlas zur Weltgeschichte. Vorzeit. Altertum. Mittelalter. Neuzeit. 10. Auflage. Westermann, Braunschweig 1978, ISBN 3-14-100919-8.
  2. Narain: The Indo-Greeks. 1957, S. 74.