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Menstruationsurlaub

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Ein Menstruationsurlaub ist der rechtliche Anspruch für Frauen, jeden Monat abhängig vom Menstruationszyklus eine Form des bezahlten oder unbezahlten Sonderurlaubs zu erhalten. Beim Menstruationsurlaub handelt es sich allerdings nicht automatisch um Urlaub im herkömmlichen Sinne. Er kann sich auch auf Krankenstandstage beziehen, die Frauen regelmäßig in Anspruch nehmen können, ohne einen spezifischen Grund angeben zu müssen.

Gesetzlichen Menstruationsurlaub gibt es nur in wenigen Ländern. Während Gegner von derartigen Regelungen mögliche Stigmata und Diskriminierung im Zusammenhang mit Menstruationsurlaub sowie die Medikalisierung von Menstruation kritisieren[1][2], sehen Befürworter Menstruationsurlaub als Förderinstrument zur Gleichstellung der Geschlechter und zum Abbau des Menstruationstabus.[3][4][5]

Rund zehn bis zwanzig Prozent der Frauen haben so starke Menstruationsbeschwerden, dass sie pro Monat einen bis drei Tage nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können.[6][7] Neben den Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) können Frauen auch durch prämenstruelle dysphorische Störungen bei der Arbeit eingeschränkt werden.

Arbeitsrecht

Im deutschsprachigen Raum

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keinen gesetzlichen Menstruationsurlaub, sondern die Möglichkeit, sich bei schweren Menstruationsbeschwerden arbeitsunfähig schreiben zu lassen.[8]

In anderen Ländern (Auswahl)

Im nachrevolutionären Russland wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einigen Berufszweigen eine Menstruationspause eingeführt; wegen der daraus resultierenden Diskriminierung von Arbeiterinnen wurde diese Regelung 1927 wieder abgeschafft.[9] In Japan dürfen Frauen seit 1947 pro Monat einen Tag unbezahlten oder bezahlten Urlaub nehmen. Das japanische Gesetz schreibt zwar vor, dass Frauen bei schweren Beschwerden Urlaub nehmen dürfen, allerdings sind Unternehmen nicht dazu verpflichtet, bezahlten Urlaub zu gewähren.[10] In Indonesien haben Frauen ein Recht auf zwei Tage Menstruationsurlaub pro Monat, wobei es sich dabei nicht um zusätzlichen Urlaub handelt. In Südkorea haben weibliche Angestellte gemäß Artikel 71 des Arbeitsnormengesetzes Anspruch auf Menstruationsurlaub und es wird ihnen eine zusätzliche Bezahlung zugesichert, wenn sie den ihnen zustehenden Menstruationsurlaub nicht nehmen. In Taiwan gewährt das Gesetz zur Gleichstellung der Geschlechter in der Beschäftigung Frauen drei Tage „Menstruationsurlaub“ pro Jahr zusätzlich zu den 30 Tagen „gewöhnlicher Krankheitsurlaub“. In Sambia haben Frauen seit 2015 einen gesetzlichen Anspruch auf einen freien Tag pro Monat aufgrund ihrer Menstruationsurlaubspolitik, bekannt als „Mother’s Day“.[11]

Ein Vorschlag des italienischen Parlaments zur Einführung eines Menstruationsurlaubs im Jahr 2017 löste in Europa eine Debatte darüber aus, wie sich die Menstruation auf die Gesundheit von Frauen in der Arbeitswelt auswirkt. Der Gesetzentwurf hätte eine Richtlinie für Unternehmen eingeführt, drei Tage bezahlten Urlaub für Frauen zu gewähren, die unter starken Menstruationsbeschwerden leiden; die Richtlinie wurde nicht in Kraft gesetzt.[12][13]

Unabhängig von lokalen Gesetzen gewähren vereinzelt Unternehmen ihrer Belegschaft Menstruationsurlaub. Neben arbeitsrechtlichen Erwägungen spielt dabei auch die Überlegung eine Rolle, das Menstruationstabu anzugreifen.[11][14]

2022 wurde in Spanien ein Menstruationsurlaub diskutiert.[15] Dort wird, anders als in Deutschland, in den ersten drei Tagen einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit keine Lohnfortzahlung gewährt.[16]

Einzelnachweise

  1. Giving Italian women ‘menstrual leave’ may backfire on their job prospects. In: Washington Post. Abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  2. Should women get paid menstruation leave? In: Salon. Abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  3. Auf Ibu 800 durch den Arbeitstag. In: Zeit Online. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  4. „Das Menstruationstabu ist ein Problem“. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  5. Policy Brief: Women and Menstruation in the EU. Eurohealth in the EU, abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  6. Regelschmerzen (Dysmenorrhoe). In: Techniker Krankenkasse. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  7. Pallavi Latthe, Rita Champaneria Khalid Khan: Dysmenorrhea. Hrsg.: Am Fam Physician. Band 85, Nr. 4, 15. Februar 2012, S. 386–387.
  8. Freie Tage während der Tage: Ist Menstruationsurlaub auch in Deutschland denkbar? In: RND. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  9. Sally King: Menstrual Leave: Good Intention, Poor Solution. In: Aligning Perspectives in Gender Mainstreaming. Springer International Publishing, Cham 2021, ISBN 978-3-03053268-0, S. 151–176, doi:10.1007/978-3-030-53269-7_9 (springer.com [abgerufen am 3. Juli 2021]).
  10. National Labour Law Profile: Japan. In: International Labour Organization. Abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  11. a b Laura-Marie Löwen: Menstruationsurlaub: Wer blutet, muss zuhause bleiben dürfen. In: Emotion. 21. Mai 2021, abgerufen am 3. Juli 2021.
  12. Italien: Politikerinnen fordern "Menstruationsurlaub". In: Der Standard. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  13. Italiens Parlament diskutiert Menstruations-Urlaub für Frauen. In: Die Welt. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  14. Michaela Haas: Kristel de Groot im Interview über Menstruationsurlaub: "Heute mache ich menstruationsfrei". In: Süddeutsche Zeitung. 21. Januar 2021, abgerufen am 30. Oktober 2021.
  15. Spanien: Kabinett beschließt Menstruationsurlaub - Fluch oder Segen? In: dw.de. 18. Mai 2022, abgerufen am 26. Mai 2022.
  16. Behandlung der Arbeitsunfähigkeit in Spanien. In: arintass.de. Abgerufen am 26. Mai 2022.