Michael Stürmer

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Michael Martin Stürmer (* 29. September 1938 in Kassel) ist ein deutscher Historiker und Journalist. Er lehrte von 1973 bis 2003 als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Leben und Wirken

Michael Stürmer, Sohn des Komponisten Bruno Stürmer und der Geigerin Ursula Stürmer (geb. Scherbening), legte 1956 sein Abitur am Friedrichsgymnasium Kassel ab, studierte Geschichte, Philosophie und Sprachen an der London School of Economics and Political Science (u. a. bei Michael Oakeshott), an der Freien Universität Berlin (u. a. bei Gordon A. Craig) und der Philipps-Universität Marburg. Seine 1965 fertiggestellte Dissertation, die Erich Matthias betreute, befasst sich mit dem Verhältnis von Koalition und Opposition in der Weimarer Republik.[1]

Danach war Stürmer wissenschaftlicher Assistent an der Wirtschaftshochschule Mannheim, 1971 folgte die durch Helmut Böhme geförderte Habilitation und Privatdozentur an der TH Darmstadt. 1970/71 war er Lecturer an der University of Sussex.

Von 1973 bis 2003 war Stürmer Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 1976/77 war er Gast an der Harvard University, 1977/78 am Institute for Advanced Study in Princeton, 1983/84 am Centre for International Studies der University of Toronto und 1984/85 an der Sorbonne in Paris sowie wiederholt an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies in Bologna. Rufe nach Kiel und Berlin lehnte er ab. Zu seinen akademischen Schülern gehören unter anderem Klaus Jürgen Bade, Eckart Conze, Anselm Doering-Manteuffel, Michael Klein, Dieter Rossmeissl, Rudolf Schlögl, Hans-Ulrich Thamer und Rainer Trübsbach.

Stürmer war maßgeblich beteiligt am Historikerstreit.[2] Er vertrat die von Jürgen Habermas und Martin Broszat abgelehnte These von der Identitätsstiftung durch Geschichte.

Stürmer war von 1980 bis 1986 außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). 1984 wurde er in den Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung berufen. Von 1985 bis 1987 war Stürmer Mitglied des Gründungsausschusses der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Von 1988 bis 1998 war er Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, damals Forschungsinstitut für Internationale Politik und Sicherheit in Schäftlarn-Ebenhausen. 1999/2000 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Er war Mitglied der Vereinigung für Verfassungsgeschichte.

Von 1984 bis 1994 war Stürmer Leitartikler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 1994 bis 1998 war er für die Neue Zürcher Zeitung als Gastkolumnist tätig. Seit September 1998 ist er Chefkorrespondent der Welt und der Welt am Sonntag. Außerdem ist er Autor von Beiträgen im Deutschlandfunk für Deutschlandradio Kultur.

Stürmer ist verheiratet mit der israelischen Repräsentantin der Hebräischen Universität Jerusalem in Berlin, Dorit Brandwein-Stürmer,[3] und Vater von vier Kindern.

In der Untersuchung von Uwe Krüger zum Einfluss von Eliten auf Leitmedien wird Michael Stürmer zu den am stärksten mit den sogenannten Eliten vernetzten Journalisten gerechnet. Besonders in den Themenfeldern Sicherheit, Verteidigung und Auslandseinsätze der Bundeswehr zeige sich, dass er in seinen Artikeln den Diskurs der Eliten abbilde, deren Argumente verbreite und für mehr militärisches Engagement werbe. Das vermittelte Bild von Bedrohungen und Konflikten entspreche offiziellen militärpolitischen Doktrinen. Techniken der Propaganda würden zu seiner Verbreitung eingesetzt.[4]

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Koalition und Opposition in der Weimarer Republik. 1924–1928 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 36), Droste, Düsseldorf 1967.
  • Das ruhelose Reich. Deutschland 1866–1918. Siedler, Berlin 1983, ISBN 978-3-88680-051-3.
  • Die Kunst des Gleichgewichts. Propyläen, Berlin 2001, ISBN 3-54907-138-8.
  • Die Grenzen der Macht. Begegnung der Deutschen mit der Geschichte. Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-134-9 (Essay; mit einer Auflistung der zitierten und weiterführenden Literatur und einem Bildverzeichnis).
  • Das Jahrhundert der Deutschen. Goldmann, München 2002, ISBN 3-44215-145-7.
  • Welt ohne Weltordnung. Wer wird die Erde erben? Murmann, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-61-9.
  • Russland. Das Land, das aus der Kälte kommt. Murmann, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86774-042-5.

Literatur

  • Eckart Conze, Ulrich Schlie, Harald Seubert (Hrsg.): Geschichte zwischen Wissenschaft und Politik. Festschrift für Michael Stürmer zum 65. Geburtstag (= Internationale Politik und Sicherheit. Bd. 55). Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 3-8329-0363-1.
  • Rüdiger Hohls, Konrad H. Jarausch (Hrsg.): Versäumte Fragen. Deutsche Historiker im Schatten des Nationalsozialismus. DVA, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05341-3, S. 358–368 (Interview, online).
  • Ralf Forsbach: Das hat Konsequenzen. Historiker, Politikberater, Leitartikler, Warner. Zum achtzigsten Geburtstag von Michael Stürmer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. September 2018, Nr. 227, S. 13.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Michael Stürmer: Koalition und Opposition in der Weimarer Republik. 1924–1928 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 36), Droste, Düsseldorf 1967.
  2. Seine Position im Historikerstreit. In: SWR/3sat, 18. Mai 2006.
  3. Fania Oz-Salzberger: Israelis in Berlin.
  4. Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Herbert von Halem, Köln 2013, ISBN 978-3-86962-070-1.