Im Schatten der Netzwelt

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Film
Originaltitel The Cleaners
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2018
Länge 92 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Hans Block,
Moritz Riesewieck
Drehbuch Hans Block,
Moritz Riesewieck,
Georg Tschurtschenthaler
Produktion Christian Beetz
Kamera Axel Schneppat,
Max Preiss

The Cleaners (Im Schatten der Netzwelt) ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2018, der von Content-Moderatoren auf den Philippinen handelt, die Inhalte in sozialen Netzwerken löschen.

Handlung

Der Film handelt von Content-Moderatoren, die bei Facebook, YouTube und Twitter arbeiten und kontrollieren, was im Internet stehen darf und was entfernt werden muss (digitale Müllhalde). Ihre Aufgabe ist es, täglich Medieninhalte wie Texte, Videos und Bilder zu beobachten und auszuwerten und diese, wenn nötig, zu löschen oder zu sperren.

Teils handelt es sich dabei um anstößige, brutale, dramatische, pornografische und gewalttätige Inhalte, die die meisten Menschen niemals sehen und auch nicht sehen wollen oder dürfen, weil sie illegal sind. Die Mitarbeiter sind dabei vielen traumatischen und anderen psychologischen Belastungen ausgesetzt, müssen sich schnell in die Umgebung eingewöhnen und haben nur wenige Sekunden Zeit, Entscheidungen zu treffen. Ein Großteil mit rund 150.000 Menschen arbeitet in Manila auf den Philippinen, wo für einen Lohn von drei US-Dollar pro Tag ca. 25.000 Inhalte von einer Person gesichtet werden. Die jungen Filipinos haben mit Geldsorgen in einer überfüllten Stadt zu kämpfen und nehmen deswegen diese Jobs an. Viele der Content-Moderatoren sind katholische Christen und tun dies unter anderem, um die Sünden der Welt auf sich zu nehmen.[2]

Außerdem zeigt die Dokumentation, wie soziale Netzwerke für Fake News, Internetzensur und Manipulation genutzt werden und welche Rolle dabei die Content-Moderatoren spielen.

Produktion und Veröffentlichung

Produziert wurde der Film von der Gebrueder beetz filmproduktion, Grifa Filmes, dem Westdeutschen Rundfunk, dem Norddeutschen Rundfunk, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg, VPRO Television und I Wonder Pictures. Den Kinovertrieb in Deutschland übernahm der Farbfilm Verleih und in den Niederlanden Periscoop Film. Der DVD-Vertrieb wurde von Farbfilm Home Entertainment und Lighthouse Home Entertainment übernommen. Außerdem wurde der Film von weiteren Organisationen und Vereinen unterstützt. So stellte die Film- und Medienstiftung NRW z. B. 90.000 Euro zur Verfügung.[3]

Regie führte Hans Block und Moritz Riesewieck. Die Kameraführung übernahmen Axel Schneppat und Max Preiss. Das Drehbuch schrieben Hans Block, Moritz Riesewieck und Georg Tschurtschenthaler.

Am 17. Mai 2018 wurde der Film erstmals in den deutschen Kinos ausgestrahlt. Zuvor wurde er bereits auf der re:publica 2018 gezeigt.[4] Am 21. August 2018 wurde der Film erstmals im Fernsehen, auf dem Fernsehsender Arte ausgestrahlt.[5][6] Am 11. September wurde der Film in der ARD ausgestrahlt.[7]

Der Film kann kostenfrei in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung angesehen werden.[8]

Rezeption

Kritiken

The Cleaners zeigt die dunklen Seiten des Internets wie Kriminalität, Folter, Terrorismus und Kindesmissbrauch und die Menschen, die diese Inhalte entfernen.[9][10][11] Die Erzählstruktur erinnere dabei an einen Film-noir-Thriller und die Realität ähnele oft einem Horrorfilm.

Der Film lässt den Zuschauer kritisch darüber reflektieren, ob die Welt durch soziale Netzwerke wirklich besser wird, und zeigt, wie schwer es ist, alle Inhalte im Internet zu kontrollieren, und wie deprimierend und grausam die Welt im Verborgenen ist. Es wird deutlich, wie die Fassade einer zerbrechlichen Utopie von den großen Konzernen aufrechterhalten wird.[12][13]

Er zeigt außerdem, wie die großen Konzerne hinter den sozialen Netzwerken ihre digitale Verantwortung in den Philippinen für Niedriglöhne outsourcen, um sich dieser zu entziehen.[14] Dabei werden die Sichtung der Bild- und Videoinhalte und die damit einhergehenden Emotionen und Erlebnisse aus den Perspektiven vieler verschiedener Personen erzählt und es wird auch das Gespräch mit Experten und Managern wie Mark Zuckerberg, einem IT-Fachmann der UN und einem ehemaligen Manager von Google gesucht.[15] Außerdem wird gezeigt, wie das Weltgeschehen und die Menschheitsgeschichte dadurch in Vergessenheit geraten und es schwerer wird, die Ereignisse zurückzuverfolgen, z. B. bei kriegerischen Auseinandersetzungen und Gewalttaten.[16]

Weltweit gibt es mehrere hunderttausend Content-Moderatoren, die für die Löschung von Inhalten zuständig sind, wobei die Dunkelziffer groß ist. Auch Länder wie Deutschland sind davon nicht ausgeschlossen.[9]

Nominierungen und Auszeichnungen

[17]
Veranstaltung Preis Für Resultat
Adelaide Film Festival International Documentary Award Beste Dokumentation Nominiert
Dokufest International Documentary and Short Film Festival Human Rights Award Human Rights Dox Nominiert
International Film Festival and Forum on Human Rights Gilda Vieira de Mello Award Creative Documentaries Competitio Gewonnen
It's All True - International Documentary Film Festival Honorable Mention International Competition Gewonnen
Jerusalem Film Festival In Spirit for Freedom Award Beste Dokumentation Nominiert
Thessaloniki Documentary Film Festiva Amnesty International Award Hans Block, Moritz Riesewieck Nominiert
Moskau Film Festival Preis bester Dokumentarfilm Gewonnen
Sundance Film Festival Jurypreis World Cinema - Documentary Nominiert
Santiago International Film Festival Jurypreis International Feature Length Nominiert
Prix Europa Preis Best European TV Documentary of the Year[18] Gewonnen
Grimme-Preis 2019 Publikumspreis der Marler Gruppe Gewonnen
Katholischer Medienpreis Elektronische Medien Hans Block, Moritz Riesewieck Gewonnen
Cinema for Peace Gala (2019) Cinema for Peace Award Most Valuable Documentary of the Year Nominiert

Weblinks

Commons: The Cleaners – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Im Schatten der Netzwelt. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Johanna Siegemund, Bayerischer Rundfunk: Interview mit den Machern von "The Cleaners“: Der digitale Müllberg von Manila | BR.de. 15. Mai 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  3. The Cleaners (2018). Abgerufen am 28. September 2018.
  4. The Cleaners - Im Schatten der Netzwelt. Abgerufen am 28. September 2018 (deutsch).
  5. Aktuell in der ARTE-Mediathek: Im Schatten der Netzwelt - The Cleaners. Abgerufen am 28. September 2018 (deutsch).
  6. heise online: “The Cleaners”: Doku über Facebook-Moderatoren auf Arte. Abgerufen am 28. September 2018 (deutsch).
  7. HCS-Content GmbH: Das große Löschen im Netz: "Im Schatten der Netzwelt - The Cleaners" am 11. September 2018 im Ersten. In: Frankenpost. Abgerufen am 28. September 2018.
  8. The Cleaners Dokumentarfilm. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 10. Januar 2022.
  9. a b "The Cleaners": Die Opfer des Bildergemetzels. In: ZEIT ONLINE. Abgerufen am 28. September 2018.
  10. Amy Nicholson: Sundance Film Review: ‘The Cleaners’. In: Variety. 24. Januar 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  11. 'The Cleaners': Film Review | Sundance 2018. In: The Hollywood Reporter. Abgerufen am 28. September 2018.
  12. Reto Stauffacher: «The Cleaners» im TV: Was im Internet schiefläuft | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. August 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  13. Hanns-Georg Rodek: Trailer und Kritik „The Cleaners“. In: DIE WELT. 17. Mai 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  14. The Cleaners: Wie soziale Netzwerke ihre Verantwortung outsourcen - Golem.de. Abgerufen am 28. September 2018.
  15. Film der Woche: "The Cleaners" - Sie putzen das Internet. In: Deutschlandfunk Kultur. Abgerufen am 28. September 2018.
  16. Wolfgang Höbel: Doku über Internet-Löschteams: "Ein Job, der krank macht". In: Spiegel Online. 17. Mai 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  17. The Cleaners. Abgerufen am 28. September 2018.
  18. „Prix Europa“ für „The Cleaners”: Internationales öffentlich-rechtliches Dokuprojekt mit ORF-Beteiligung ausgezeichnet. OTS-Meldung vom 20. Oktober 2018, abgerufen am 20. Oktober 2018.