Arbeitsprozess (Betriebswirtschaft)

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Der Arbeitsprozess ist in der Betriebswirtschaftslehre ein Prozess, bei dem in einem Betrieb durch Arbeit von Arbeitskräften in Kombination mit Arbeits- und Betriebsmitteln Produkte oder Dienstleistungen hervorgebracht werden.

Allgemeines

Diese gängige Definition[1] geht davon aus, dass der Arbeitsprozess durch ein Arbeitssystem ermöglicht wird, das wiederum durch den Arbeitsprozess erzeugt oder verändert wird.[2] Der Arbeitsprozess stellt sich als vollständiger Arbeitsablauf einer Arbeitsperson zur Erfüllung eines Auftrags oder einer Problemlösung dar und hat stets ein Arbeitsergebnis zum Ziel.[3]

Für Karl Marx war der Begriff des Arbeitsprozesses von zentraler Bedeutung in seiner Kapitalismuskritik; er verstand hierunter eine „zweckmäßige Tätigkeit zur Herstellung von Gebrauchswerten, Aneignung des Natürlichen [ Naturprodukte, d. Verf.] für menschliche Bedürfnisse...“[4] Mit dieser kurzen Beschreibung hebt Marx das zentrale Moment eines Arbeitsprozesses hervor, nämlich die Arbeit als zweckmäßige, Gebrauchswerte schaffende Tätigkeit. Darüber hinaus gehören zum Arbeitsprozess seine Gegenstände und die in von der Arbeit angewandten Mitteln (Werkzeuge, Maschinen, Gebäude). Die Arbeit selbst, ihr Gegenstand und ihr Mittel bezeichnet Marx als die einfachen Momente des Arbeitsprozesses.[5]

Der Arbeitsprozess ist bei Marx eine spezielle Form der Praxis; andere Arten der Praxis sind zum Beispiel das wissenschaftliche Experiment, die revolutionäre Aktion und der Krieg. Nicht zur Praxis gehören beispielsweise das Spiel der Kinder und der wissenschaftliche Erkenntnisprozess, auch wenn er als untergeordnetes Moment experimentelle Tätigkeiten umfasst.[6]

Inhalt

Arbeitsprozesse betreffen den systematischen Arbeitsablauf in der Produktionswirtschaft und bedürfen einer auf detaillierten Arbeitsanweisungen/Verfahrensanweisungen beruhenden Arbeitsvorbereitung und Arbeitsablaufplanung, damit Arbeitsabläufe bis hin zum kleinsten Ablaufabschnitt feststehen.[7] Zweck der Arbeitsanweisung ist es, den organisatorischen Rahmen zu liefern, innerhalb dessen die erforderlichen Arbeitsprozesse ablaufen können.[8] Die eigentliche organisatorische Gestaltung der Arbeitsprozesse erfolgt in der Arbeitssynthese.[9] Dabei müssen die Arbeitsplätze in die Arbeitsprozesse einbezogen werden.[10] Ein Arbeitsprozess besteht aus einzelnen Komponenten, die sich aufeinander beziehen und zusammenwirken;[11] Komponenten sind hierbei die Produktionsfaktoren. Arbeitsprozesse haben ein Arbeitsergebnis zum Ziel, wobei im Falle komplexer Ergebnisse mehrere Arbeitsprozesse notwendig sein können.[12]

Bestandteile des Arbeitsprozesses

Ein Arbeitsprozess besteht im Regelfall aus:

Arbeitsprozess und Produktionsprozess

Arbeitsprozesse sind inhaltlich umfangreicher als Produktionsprozesse, denn zu letzteren gehört lediglich das eigentliche Fertigungsverfahren, das mit Arbeitsmitteln, Betriebsmitteln und Personal durch maschinelle und/oder manuelle Be- und Verarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten ein marktreifes Produkt hervorbringt. Zu den Arbeitsprozessen gehört darüber hinaus auch die Wartung der Produktionsanlagen.[13] So argumentierte auch die sozialistische Dogmatik, die den „Produktionsprozess der sozialistischen Betriebe und Kombinate als die Gesamtheit arbeitsteilig organisierter, parallel und nacheinander verlaufender Arbeitsprozesse“ ansah.[14] Auch Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Arbeitsprozess gehen weit über den Produktionsprozess hinaus.

Karl Marx formulierte 1858 im Rahmen der Entfremdung: „Der Produktionsprozess hat aufgehört, Arbeitsprozess in dem Sinne zu sein, dass die Arbeit als ihn beherrschende Einheit über ihn griffe. Sie erscheint vielmehr nur als bewusstes Organ, an vielen Punkten des mechanischen Systems in einzelnen lebendigen Arbeitern; …“.[15] Für ihn war der Produktionsprozess die Einheit von Arbeitsprozess und Verwertungsprozess.[16] Im kapitalistischen Produktionsprozess verwandelt sich Marx zufolge der Arbeitsprozess in einen „gesellschaftlichen Prozess“.[17] Die Arbeit im „gesellschaftlichen Produktionsprozess“ gliedert Marx in vier Phasen: Produktion (Herstellung), Zirkulation (Handel), Distribution (Verteilung) und Konsumtion (Verbrauch), in denen die Menschen arbeitsteilig in unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Arbeitsprozessen tätig sind.

Arbeitsprozess und Automatisierung

Werden Arbeitsprozesse ganz oder teilweise auf Maschinen oder sonstige Arbeitsgeräte übertragen, spricht man von Automatisierung,[18] die mit dem Automatisierungsgrad gemessen wird. Er gibt letztlich an, ob und inwieweit das Personal durch Maschinen ersetzt wird. Arbeitsprozesse mit hohem Anteil an Arbeitskräften gibt es in personalintensiven, mit hohem Anteil maschineller Produktion ist in anlageintensiven Unternehmen vorhanden.

Arbeitsprozess und Geschäftsprozess

Das Verhältnis zwischen Arbeitsprozess und Geschäftsprozess ist noch ungeklärt.[19] Ein Teil der Fachliteratur sieht den Arbeitsprozess als Teil des Geschäftsprozesses, wobei der Geschäftsprozess auch vor- und nachgelagerte Arbeiten umfasst;[20] das Rechnungswesen ist Teil des Geschäftsprozesses, gehört jedoch nicht zum Arbeitsprozess. Einige Autoren sehen Arbeits- und Geschäftsprozess als Synonyme an.[21]

Arbeitsprozess und Arbeitsumgebung

Arbeitsprozesse, die einer hohen Kooperation des Personals bedürfen, werden als Arbeitsumgebung zusammengefasst.

Prozesskette

Die Aktivitäten und Prozesse eines Unternehmens sind aus funktionalen Gründen ablaufmäßig miteinander in einer Prozesskette verbunden. Ein nach Prozessen organisiertes Unternehmen besteht dabei aus Führungs-, Arbeits-, Produktions-, Geschäftsprozessen und Lieferketten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ernst Andreas Hartmann, Arbeitssysteme und Arbeitsprozesse, 2005, S. 80
  2. Ernst Andreas Hartmann, Arbeitssysteme und Arbeitsprozesse, 2005, S. 169
  3. Martin Frenz/Christopher Schlick/Tim Unger (Hrsg.), Wandel der Erwerbsarbeit, 2016, S. 381
  4. Marx-Engels-Werke, Band 23, 1983, S. 198
  5. Marx-Engels-Werke, Band 23, 1983, S. 193
  6. Georg Quaas: Beiträge zu einer Erkenntnistheorie der Praxis: G. H. Mead und P. Ruben. In: Horst Müller (Hrsg.): Das PRAXIS-Konzept im Zentrum gesellschaftskritischer Wissenschaft. Norderstedt 2005. S. 109–137.
  7. Thomas Pfeiffer, Arbeitsschutz von A–Z, 2013, S. 50
  8. Thomas Pfeiffer, Arbeitsschutz von A–Z, 2013, S. 8
  9. Ingolf Riedel/Gabriele Theuner, Betriebsorganisation und Kommunikation, 1995, S. 39
  10. Ingolf Riedel/Gabriele Theuner, Betriebsorganisation und Kommunikation, 1995, S. 42
  11. Joseph Pangalos/Sönke Knutzen, Möglichkeiten und Grenzen der Orientierung am Arbeitsprozess für die berufliche Bildung, in: Jörg-Peter Prahl/Felix Rauner/Georg Spöttl (Hrsg.), Berufliches Arbeitsprozesswissen, 2000, S. 110
  12. Thomas Hägele, Modernisierung handwerklicher Facharbeit am Beispiel des Elektroinstallateurs, 2002, S. 78
  13. Thomas Pfeiffer, Arbeitsschutz von A–Z, 2013, S. 50
  14. Wilhelm-Pieck-Universität Rostock (Hrsg.), Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe, Band 30, 1981, S. 10
  15. Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1858/1983, S. 593
  16. Marx-Engels-Werke, Band 1, 1956, S. 87
  17. Marx-Engels-Werke, Band 23, 1983, S. 354
  18. Hanns-Martin Schoenfeld, Automation, in: Wolfgang Lück (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 107 f.
  19. Markus Mathieu, Aufgabenbezogene Leistung in ERP-gestützten Arbeitsprozessen, 2014, S. 19
  20. Reinhard Bader, Handlungsfelder – Lernfelder – Lernsituationen, 2004, S. 16
  21. Anne Busian, Geschäftsprozessorientierung in der beruflichen Bildung, 2006, S. 28