Hanna Lakomy

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Hanna Lakomy (2019)

Hanna Lakomy, auch Klara Lakomy, Pseudonym Salomé Balthus (* 1984 in Ost-Berlin als Klara Johanna Lakomy), ist eine deutsche Prostituierte, Unternehmerin, Kolumnistin und Autorin.

Leben

Klara Johanna „Hanna“ Lakomy wurde in Berlin-Pankow geboren[1] und wuchs als Tochter des DDR-Künstlerpaares Reinhard Lakomy (1946–2013) und Monika Ehrhardt in Berlin auf. Mit ihnen wirkte sie am Kindermusikalbum Der Wasserkristall (1992) als Sprecherin mit.[2] 2001 nahm Lakomy an der Werkstatt für Junge Autoren der Neuen Gesellschaft für Literatur teil.[3] 2003 begann sie mit einem Studium der Philosophie und der Älteren deutschen Literatur an der Humboldt-Universität, das sie 2012 mit dem Magister abschloss. Während ihres Studiums veröffentlichte sie unter Klara Lakomy Texte in den Zeitschriften Edit[4] und Utopie kreativ,[5] arbeitete als Aktmodell[6] und ab 2010 unter dem Pseudonym Salomé Balthus als Prostituierte.

Im Jahr 2016 gründete Lakomy den Escortservice Hetaera Berlin, ein nach eigenen Angaben „feministisches Kollektiv“ von „modernen Hetären“,[7] dessen Geschäftsführerin[8] sie ist.

Für die Welt schrieb sie von August 2018 bis April 2019 ebenfalls unter ihrem Pseudonym Salomé Balthus die Online-Kolumne Das Kanarienvögelchen über gesellschaftspolitische Themen aus Sicht einer Prostituierten.[9] Von März bis Juni 2020 gehörte sie zu den Tagebuch-Schreibern der Kolumne Coronatagebuch des SZ-Magazins.[10] Seit November 2020 schreibt sie in der Berliner Zeitung als Hanna Lakomy die Kolumne Nachtgesichter[11] und seit März 2021 die Porträtreihe Berlin.Exotherm.[12]

Lakomy wurde als Salomé Balthus im Februar 2020 in der Süddeutschen Zeitung als „Deutschlands bekannteste Sexarbeiterin“ und von tip Berlin im April 2020 als „Deutschlands bekannteste Prostituierte“ bezeichnet.[13][14]

Sie lebt in Berlin und ist mit dem Schriftsteller Florian Havemann liiert.[15]

Öffentliche Auftritte und Debatten

Am 8. April 2019 war sie als Salomé Balthus zu Gast in der Schweizer Talkshow Schawinski, deren Folge sowohl für den Gast als auch für den Moderator Konsequenzen nach sich zog: Roger Schawinski stellte ihr in der Sendung Fragen nach ihrer Kindheit mit dem prominenten Vater. Anschließend wurde ein Einspieler mit Alice Schwarzer gezeigt, in dem sie äußerte, dass die Mehrheit der freiwilligen Prostituierten als Kind sexuell missbraucht worden seien. Daraufhin befragte Schawinski Balthus, ob sie als Kind auch sexuell missbraucht worden sei.[16] Salomé Balthus gab Schawinskis Frage in ihrer nächsten Kolumne in der Welt falsch als „Hat Ihr Vater Sie sexuell missbraucht?“ wieder. Schawinski bezeichnete das Zitat als „eine arge Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als Journalist“.[17] Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt beendete daraufhin Lakomys Kolumne und entschuldigte sich bei Schawinski, was zu einer öffentlichen Kontroverse in deutschen und Schweizer Medien, auch im Kontext der #MeToo-Bewegung führte.[18][19] Schawinski wurde aufgrund seiner Frage vom SRG-Deutschschweiz-Ombudsmann Roger Blum bemängelt, er habe einen „leicht verächtlichen Tonfall durch die ganze Sendung hindurch“ und dass „die direkte persönliche Frage, ob jemand in der Kindheit sexuell missbraucht worden sei, nicht an die Öffentlichkeit gehöre, auch dann nicht, wenn die Person nicht missbraucht worden sei.“ Schawinski habe „nicht bedacht, dass der prominent ins Spiel gebrachte Vater von Balthus und das Gespräch über das Verhältnis seiner Tochter zu ihm dazu führten, dass das Publikum sofort an den Vater dachte, als die Frage nach dem sexuellen Missbrauch in der Kindheit kam. Damit sei möglicherweise auch die Menschenwürde des Vaters verletzt worden, wenn auch unabsichtlich“.[20]

Im Dezember 2019 kündigte Lakomy an, dass sie über ihren Anwalt eine Klage gegen den Herausgeber und Chefredakteur der Schweizer Weltwoche Roger Köppel wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung einreichen werde. Der Journalist Roman Zeller hatte Ende 2019 ein Escort-Date mit ihr gebucht und auf Grundlage dessen in der Weltwoche ein Porträt über sie veröffentlicht. Laut Aussage von Lakomy erfolgte die Veröffentlichung gegen ihren erklärten Willen und mit zahlreichen unautorisierten Zitaten.[21] Bis Mitte Februar 2020 sammelte sie für die Prozesskosten über Crowdfunding einen Betrag von 15.000 Schweizer Franken.[22] Nachdem eine Vergleichsverhandlung am 20. Februar 2020 gescheitert war, reichte sie Klage gegen die Weltwoche ein.[23]

Weblinks

Commons: Salomé Balthus – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Salomé Balthus. In: Wir sind der Osten. Abgerufen am 28. Juni 2022 (deutsch).
  2. Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt - Der Wasserkristall. Abgerufen am 30. Juni 2022.
  3. Zitty. Zitty Verlag GmbH, 2001, S. 185 (google.de [abgerufen am 29. Juni 2022]).
  4. Klara Lakomy: „Freunde: Romanauszug“, in: Edit: Papier für neue Texte. 2008, 47, S. 32–34.
  5. Klara Lakomy: „Um beschreibend zu verändern“. Über die Integrität von Werk und Lebenshaltung am Beispiel Anna Seghers. In: UTOPIE kreativ. Heft 182, Dezember 2005, S. 1059–1072, PDF
  6. Hanna Lakomy: „Ich habe nur noch sehr selten Gratis-Sex“ – Gespräch mit einer Edelprostituierten. In: handelsblatt.com. 23. Mai 2019, abgerufen am 27. Juni 2022.
  7. Katja Thorwarth: Salomé Balthus: „Wie kann man Feministin sein, ohne mit Huren zu sympathisieren?“ In: Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 25. Juni 2022.
  8. www.hetaera.de.
  9. Salomé Balthus: Das Kanarienvögelchen. Abgerufen am 25. Juni 2022.
  10. Salomé Balthus u. a.: Coronatagebuch: Menschen über ihr Leben im Ausnahmezustand. Abgerufen am 2. Juli 2022.
  11. Salomé Balthus heisst jetzt Hanna Lakomy und hat wieder eine Kolumne, kleinreport.ch, 16. November 2020.
  12. Freie Autorin: Hanna Lokomy. In: Berliner Zeitung. Abgerufen am 25. Juni 2022.
  13. Lea Hampel, Stephan Radomsky: Salomé Balthus über Prostitution und Dumpingpreise. In: sueddeutsche.de. 21. Februar 2020, abgerufen am 25. Juni 2022.
  14. Julia Lorenz: Salomé Balthus: Deutschlands bekannteste Prostituierte über Sex und Krise. In: tip-berlin.de. 9. April 2020, abgerufen am 9. Juni 2022.
  15. Andrea Hanna Hünninger: Zwei Kinder des Osten – Escort-Service und DDR-Schickeria. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  16. Prostituierte aus Überzeugung – Salomé Balthus bei «Schawinski» - Play SRF. 9. April 2019, abgerufen am 9. Juni 2022.
  17. Miriam Suter: Der Fall Chauvinski | MEDIENWOCHE. 18. April 2019, abgerufen am 9. Juni 2022.
  18. Simone Meier: Schawinski, die Prostituierte und das mediale Old-Boys-Network. In: watson.ch. 10. April 2019, abgerufen am 9. Juni 2022.
  19. Schawinski kämpft um seine Journalistenehre. In: nzz.ch. 8. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2022 (deutsch).
  20. Schawinski verletzte laut dem Ombudsmann die Menschenwürde von Talkgast Balthus. In: nzz.ch. 28. Mai 2019, abgerufen am 9. Juni 2022.
  21. Martina E. Medic: Salomé Balthus klagt gegen die «Weltwoche». In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Dezember 2019, abgerufen am 25. Juni 2022.
  22. Andrea Schweizer: Edelprostituierte: Salomé Balthus hat Geld für «Weltwoche»-Klage zusammen, bluewin.ch, 18. Februar 2020
  23. Valerie Zaslawski: Nach Eklat um Artikel: Berliner Prostituierte Salomé Balthus reicht Klage gegen «Die Weltwoche» ein. In: nzz.ch, 20. Februar 2020.