Johannes Helmrath

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Ein Endsechziger mit graumeliertem Bürstenhaarschnitt und Brille, sprechend und mit der linken Hand gestikulierend, mit der rechten ein Mikrophon und Manuskript haltend
Johannes Helmrath (2022)

Johannes Helmrath (* 20. Juli 1953 in Köln) ist ein deutscher Historiker der mittelalterlichen Geschichte. Von 1997 bis 2021 lehrte er als Professor für mittelalterliche Geschichte mit besonderer Berücksichtigung des Spätmittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Leben und Wirken

Der Sohn des gleichnamigen Direktors am Kaiser-Karls-Gymnasium in Aachen machte 1972 das Abitur an der Schule seines Vaters. Nach Absolvierung des Wehrdienstes studierte Helmrath in der Zeit von 1973 bis 1980 die Fächer Geschichte, Philosophie und Lateinische Philologie an den Universitäten Aachen, Toulouse, Paris, Bonn und Köln. Er wurde 1984 in Köln bei Erich Meuthen über das Basler Konzil promoviert.[1] Die Arbeit wurde 1990 mit dem Giovanni Domenico Mansi-Preis der Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung ausgezeichnet. In seiner Kölner Zeit war er Mitherausgeber der Zeitschrift Geschichte in Köln (1978–1998). In den Jahren von 1988 bis 1997 war Helmrath als Mitarbeiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Köln am Editionsunternehmen „Deutsche Reichstagsakten“ beteiligt. 1995 erfolgte ebenfalls in Köln seine Habilitation mit einer Arbeit über Reichstag und Rhetorik. Die Reden des Enea Silvio Piccolomini auf Reichstagen 1454/55. Für das Wintersemester 1995/96 war Helmrath als Lehrstuhlvertretung an der Humboldt-Universität in Berlin tätig. 1996/97 folgte eine Lehrtätigkeit an der Universität zu Köln. Einen Ruf der Universität Bielefeld lehnte Helmrath im März 1997 ab. Von April 1997 bis September 2021 war Helmrath als Nachfolger von Hartmut Boockmann Professor für mittelalterliche Geschichte mit besonderer Berücksichtigung des Spätmittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Nachfolge auf dem Lehrstuhl trat Dorothea Weltecke zum Wintersemester 2021/22 an.

Seit 2004 ist Helmrath Mitglied des Pontificio Comitato di Scienze Storiche am Vatikan. Von 2011 bis 2016 war er Sprecher des 2012 verlängerten SFB „Transformationen der Antike“ und Teilprojektleiter des Projekts A04 „Historiographie des Humanismus: Soziale Praxis, Narrativität und historische Semantik“. Helmrath führt mit Thomas Woelki das von Erich Meuthen und Hermann Hallauer bearbeitete Editionswerk Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues fort. Die aus etwa 1000 Dokumenten bestehende erste Lieferung des zweiten Bandes reicht von April 1452 bis zum Mai 1453 und konnte 2012 erscheinen. Seither sind die Bände II,3: 1454–1455 (2016) und II,2: 1453–1454 (2017) erschienen. Gemeinsam mit Heribert Müller veranstaltete er 2004 eine Herbsttagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte auf der Insel Reichenau zu den Konzilien von Pisa (1409), Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449).[2] Erstmals befasste sich damit der Konstanzer Arbeitskreis in seiner sechzigjährigen Geschichte mit den kirchlichen Großversammlungen des beginnenden 15. Jahrhunderts.[3]

Helmrath ist Gründungsdirektor des im Herbst 2019 mit 40 Studierenden und sechs Professuren eröffneten Instituts für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität. Das Institut wurde auf Betreiben des römisch-katholischen Berliner Erzbischofs Heiner Koch im Zusammenwirken mit der rot-rot-grünen Regierung der Hauptstadt seit 2016 geplant und aufgebaut.[4] Für seine Verdienste in diesem Zusammenhang wurde Helmrath im August 2020 mit der Humboldt-Universitäts-Medaille ausgezeichnet und im November 2021 zum Komtur des Gregoriusordens ernannt.[5]

Schriften

Monographien

  • Das Basler Konzil 1431–1449. Forschungsstand und Probleme (= Kölner historische Abhandlungen. Bd. 32). Böhlau, Köln u. a. 1987, ISBN 3-412-05785-1.

Herausgeberschaften

  • mit Ursula Kocher, Andrea Sieber: Maximilians Welt. Kaiser Maximilian I. im Spannungsfeld zwischen Innovation und Tradition (= Berliner Mittelalter- und Frühneuzeitforschung. Bd. 22). V&R unipress, Göttingen 2018, ISBN 3-8471-0884-0.
  • mit Heribert Müller: Die Konzilien von Pisa (1409), Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449). Institution und Personen (= Vorträge und Forschungen. Bd. 67). Thorbecke, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7995-6867-8 (Digitalisat).
  • mit Ulrich Muhlack, Gerrit Walther: Diffusion des Humanismus. Studien zur nationalen Geschichtsschreibung europäischer Humanisten. Wallstein-Verlag, Göttingen 2002, ISBN 3-89244-506-0.
  • mit Heribert Müller, in Zusammenarbeit mit Helmut Wolff: Studien zum 15. Jahrhundert. Festschrift für Erich Meuthen. 2 Bände. Oldenbourg, München 1994, ISBN 3-486-56078-6.

Literatur

  • Christian Jaser, Harald Müller, Thomas Woelki (Hrsg.): Eleganz und Performanz. Von Rednern, Humanisten und Konzilsvätern. Johannes Helmrath zum 65. Geburtstag. Böhlau, Wien u. a. 2018, ISBN 3-412-50136-0.

Weblinks

Commons: Johannes Helmrath – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu die Besprechungen von Heiko A. Oberman in: American Historical Review 96, 1996, S. 496; František Šmahel in: Zeitschrift für Historische Forschung 20, 1993, S. 522; Remigius Bäumer in: Annuarium Historiae Conciliorum 16, 1993, S. 219 f.; Winfried Eberhart in: Historisches Jahrbuch 112, 1992, S. 504–506; F. Meyer in: Salesianum 53, 1991, S. 410; Rolf de Kegel in: Cristianesimo nella storia 12, 1991, S. 432–434; Michael Horst Zettel in: Philosophy and History. A Review of German-Languae Research Contributions on Philosophy History and Cultural Developments with Bibliographies 23, 1990, S. 70–71; Thomas E. Morrissey in: Speculum 65, 1990, S. 423–425; Hellmut Gutzwiller in: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte Revue d’Histoire Ecclesiastique Suisse 84, 1990; S. 203–204 (online); Theo Clemens in: Archief voor de Geschiedenis van de Katholieke Kerk in Nederland 32, 1990, S. 141; Ernst Werner in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 11, 1989, S. 1030; Peter Walter in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 8, 1989, S. 335–236; Hermann Joseph Sieben SJ in: Theologie und Philosophie 1989, S. 268–270; N. Plumat in: Nouvelle revue de théologie 111, 1989, S. 132 f.; Paul Ourilac in: Francia 16/1, 1989, S. 306–308 (online); Ivan Hlaváček in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 97, 1989, S. 487–489; Mario Fois in: Archivum Historiae Pontificiae 27, 1989, S. 449–452; T.D. in: Nyt fra Historien 38, 1989, S. 162; Michael Borgolte in: Historische Zeitschrift 249, 1989, S. 414–415; Antony Black in: Journal of Ecclesiastical History 40, 1989, S. 423 f.; Remigius Bäumer in: Theologische Revue 85, 1989, S. 464–466; Klaus Wriedt in: Historisch-politische Literatur 2, 1988, S. 203; Rudolf Reinhard in: Theologische Quartalsschrift 4, 1988, S. 340–341; A. S. Nuñez in: Archivo Teológico Granadino 51, 1988, S. 366–367.
  2. Vgl. dazu die Besprechung von Jochen Schenk in: Historische Zeitschrift 289, 2009, S. 448–449.
  3. Heribert Müller, Johannes Helmrath: Zur Einführung. In: Dies. (Hrsg.): Die Konzilien von Pisa, Konstanz und Basel. Ostfildern 2007, S. 9–29, hier: S. 9 (online).
  4. Steffen Zimmermann: Ein Meilenstein für die katholische Theologie in Berlin. In: Katholisch.de, 11. Oktober 2019, abgerufen am 12. November 2021.
  5. Stefan Förner: „Verdienste um die katholische Sache“. Der Gründungsdirektor des Zentralinstituts für Katholische Theologie, Prof. Dr. Johannes Helmrath, erhält den Gregoriusorden. In: Erzbistum Berlin, 11. November 2021, abgerufen am 12. November 2021.