Martha Wygodzinski
Martha Hedwig Wygodzinski (* 2. Juli 1869 in Berlin; † 27. Februar 1943 im KZ Theresienstadt) war eine deutsche Politikerin (SPD) und das erste weibliche Mitglied in der „Berliner Medizinischen Gesellschaft“.
Leben
Wygodzinski wuchs mit drei Schwestern, darunter die SPD-Politikerin Wally Zepler, als Tochter von Max Meir Wÿgodzinski (1834–1909) und seiner Frau Nanny Wÿgodzinski in einer großbürgerlichen, jüdischen Familie in Berlin auf.[1] Der Vater Max Meir Wÿgodzinski war der Stifter des "Israelitischen Lehrerinnenheims" in Berlin.[2] Martha Wygodzinski studierte an der Universität Zürich, eine der wenigen europäischen Universitäten, die Frauen ein Studium ermöglichten. Sie engagierte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung und in der SPD. Nach ihrer Approbation 1902 war sie als „Armenärztin“ in den Berliner Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg tätig. In Pankow eröffnete sie die „Poliklinik für Frauen“ und ein Heim für ledige Mütter.
Als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Ärzte wurde sie 1927 in die Berliner Ärztekammer gewählt. 1933 verlor sie ihr Amt in der Berliner Ärztekammer und wurde aus dem Bund deutscher Ärztinnen ausgeschlossen. Ihre Kassenpraxis konnte sie bis 1935 für jüdische Patientinnen weiterführen. 1938 wurde ihr aufgrund ihrer jüdischen Herkunft die Approbation entzogen. Am 9. Juli 1942 wurde sie nach Theresienstadt (18. Altentransport) deportiert, wo sie acht Monate später starb.
Politik
Wygodzinski war von 1919 bis 1925 Berliner Stadtverordnete für die SPD und engagierte sich für die Abschaffung des § 218.
Denkzeichen
Im Berliner Bezirk Mitte in der Alexanderstraße erinnert ein „Stolperstein“ an Martha Wygodzinski.[3] In der Neuen Schönholzer Str. 13 im Berliner Bezirk Pankow erinnert eine Gedenktafel an Wygodzinski. Hier befand sich das von ihr finanzierte und betriebene Heim für obdachlose ledige Mütter und ihre Neugeborenen.[4]
Literatur
- Dietlinde Peters: Martha Wygodzinski (1869–1943). „Der Engel der Armen“. Berliner Ärztin – engagierte Gesundheitspolitikerin. Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 2008, ISBN 978-3-938485-80-4.
- Edith Schlesinger-Ahlfeld: Martha Wygodzinski. Erinnerung an die erste deutsche Aerztin. In: Aufbau, Jg. 13. 1947, Nr. 18 (2. Mai 1947), S. 30.
- Verein Aktives Museum: Vor die Tür gesetzt – Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933–1945, Berlin 2006, ISBN 978-3-00-018931-9, S. 383 f.
Weblinks
- http://www.scheinschlag-online.de/archiv/2001/12_2001/texte/24.html
- http://www.hentrichhentrich.de/peters_detlinde1.php
- Martha Wygodzinski auf Geschichte der Charité
Einzelbelege
- ↑ Stolpersteine in Berlin. Abgerufen am 19. Januar 2018.
- ↑ http://www.berlin.de/aktuell/ausgaben/2012/juni/suchanzeigen/artikel.224269.php Ehemaliges "Israelitisches Lehrerinnenheim".
- ↑ Beleg Stolperstein
- ↑ Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Beleg Gedenktafel
Personendaten | |
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NAME | Wygodzinski, Martha |
ALTERNATIVNAMEN | Wygodzinski, Martha Hedwig (vollständiger Name) |
KURZBESCHREIBUNG | deutsche Gesundheitspolitikerin |
GEBURTSDATUM | 2. Juli 1869 |
GEBURTSORT | Berlin |
STERBEDATUM | 27. Februar 1943 |
STERBEORT | KZ Theresienstadt |