Ministerium für Leichtindustrie

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Der erste Minister für Leichtindustrie, Wilhelm Feldmann (r.) im Oktober 1954

Das Ministerium für Leichtindustrie (MfL) war ein mit Gesetz vom 8. November 1950 gegründetes Ministerium des Ministerrats der DDR.[1]

Geschichte

Der Ministerrat der DDR verfügte über eine größere Reihe einzelner „Industrieministerien“. Aus dem bereits 1949 eingerichteten Ministerium für Industrie gingen zusammen mit dem Ministerium für Leichtindustrie 1950 das Ministerium für Schwerindustrie und das Ministerium für Maschinenbau hervor. Gleichzeitig wurde ein Staatssekretariat für Nahrungs- und Genussmittelindustrie gegründet. 1955 gab es nach weiteren Aufspaltungen bereits acht Industrieministerien.[1]

Die Industrieministerien wurden seit 1950 von der Staatlichen Plankommission koordiniert und kontrolliert. Die Staatliche Plankommission war selbst 1950 aus dem Ministerium für Planung hervorgegangen und war dem Rang eines Ministeriums gleichgestellt, in der faktischen Planungsorganisation den einzelnen Industrieministerien jedoch übergeordnet.[1] Das Ministerium für Leichtindustrie (MfL) war eines der von der Plankommission beaufsichtigten Industrieministerien.

1958[2] wurden alle Industrieministerien, einschließlich des MfL, als eigenständige Behörden aufgelöst und 1961[2] in den neu gegründeten Volkswirtschaftsrat (VWR) zusammengeführt. Allerdings bewährte sich dieses „Gesamtindustrieministerium“ nicht, sodass 1965[2] die einzelnen Ministerien erneut eingerichtet wurden. Damit unterstand das MfL wieder direkt der Staatlichen Plankommission.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurden einzelne Zuständigkeitsbereiche herausgelöst und das Ministerium war danach verantwortlich für die Bekleidungs-, Leder-, Schuh- und Rauchwarenindustrie. 1988 war es für 18 Kombinate zuständig.[3] Mit Auflösung des Ministeriums für Bezirksgeleitete Industrie und Lebensmittelindustrie 1989 übernahm das MfL auch dessen Geschäftsbereich.

Das Ministerium für Leichtindustrie existierte bis März 1990, als es in das neugeschaffene Ministerium für Wirtschaft eingegliedert wurde.[3] Der Grund dafür war die Angleichung der Regierungsstruktur der DDR an die der Bundesrepublik mit Hinblick auf die Deutsche Wiedervereinigung durch Ministerpräsident Lothar de Maizière ab April 1990.[2]

(siehe Regierung de Maizière).

Aufgaben

Das MfL erfüllte Funktionen hinsichtlich

  • mittels Automatisierung und Rationalisierung,
  • zur Vermeidung von Versorgungsengpässen;
  • des Einsatzes ausländischer Arbeitskräfte;
  • der internationalen Zusammenarbeit innerhalb des RGWs.

Minister

Der erste Minister war von 1950 bis 1958 Wilhelm Feldmann von der NDPD. Feldmann wechselte 1958 als Abteilungsleiter in die Staatliche Plankommission.[4] Der stellvertretende Minister, das SED-Mitglied Johann Wittik, wurde Vorsitzender des Bezirkswirtschaftsrats in Gera. Mit Errichtung des Volkswirtschaftsrats 1961 wurde Wittik 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des VWR. Nach Auflösung des VWR wurde er 1965 zum Minister für Leichtindustrie berufen.[5]

Der nächste Minister für Leichtindustrie war von 1972 bis 1978 Karl Bettin.[6] Bettin (SED) war zuvor stellvertretender Minister und Staatssekretär für Leichtindustrie gewesen. Er wurde 1978 abgesetzt. Bis zur Wende (1978–1989) war Werner Buschmann (SED) Minister.[7] Buschmann wechselte von einem Posten als Staatssekretär und Erster Stellvertretender Minister für Bezirksgeleitete Industrie und Lebensmittelindustrie an die Leitung des Ministeriums für Leichtindustrie. Letzter Minister war Gunter Halm von der NDPD. Halm war seit 1984 stellvertretender Minister gewesen. Nach Auflösung des Ministeriums wurde er Staatssekretär im neu gebildeten Wirtschaftsministerium. Von Ende 1990 bis 1991 war er Vorstandsmitglied der Treuhandanstalt.

Einzelnachweise

  1. a b c Hellmut Heuer: Zur Organisation der Betriebsplanung in der volkseigenen Industrie des sowjetischen Besatzungsgebiets. Duncker & Humblot, Berlin 1958, S. 67–69.
  2. a b c d Behördengeschichte der DDR. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesarchiv.de In: Das Bundesarchiv. 13. April 2010; abgerufen am 11. Oktober 2011.
  3. a b Grundorganisation der SED – Ministerium für Leichtindustrie der DDR. (Memento des Originals vom 29. Mai 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landesarchiv-berlin.de Landesarchiv Berlin. Abgerufen am 12. Oktober 2011
  4. Helmut Müller-EnbergsFeldmann, Wilhelm. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  5. Andreas HerbstWittik, Johann. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  6. Andreas Herbst: Bettin, Karl. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  7. Andreas Herbst, Helmut Müller-Enbergs: Buschmann, Werner. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.