StadtBus Vechta

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StadtBus Vechta

Der StadtBus Vechta ist ein von der Stadt Vechta (Niedersachsen) finanziertes öffentliches Nahverkehrsnetz im Stadtgebiet, bestehend aus vier Kleinbussen des Typ Mercedes Sprinter. Betrieben wird er von dem ortsansässigen Busunternehmen Wilmering. Das Stadtbussystem unterliegt den Tarifbestimmungen der Verkehrsgemeinschaft Landkreis Vechta (VGV) und gehört dieser somit komplett an. Der Stadtbus lief vom 1. Februar 2008 bis Ende 2012 als Pilotprojekt und wird von der Stadt Vechta bezuschusst. Im Sommer 2012 entschied der Vechtaer Stadtrat den Stadtbus für weitere 4 Jahre zu fördern, da die Fahrgastzahlen von mittlerweile knapp 100.000 Beförderungen im Jahr 2011 auf eine Erfolgsgeschichte deuten lassen.[veraltet]

Geschichte

Erste Planungen

  • vor 2007
    • Bereits 1994 gab es Anregungen zur Einführung eines Stadtbusses. Das Stadtbussystem wurde schon zweimal vor dem heutigen System ausprobiert, aber jeweils nur für die Dauer von drei Wochen, danach wurde der Test beide Male wieder beendet.
  • Jahr 2007
    • Dann setzte sich die Wählerinitiative Wir für Vechta im Stadtrat für die Einführung eines von der Stadt finanziell gesicherten Bussystems ein. Der Stadtrat entschied im November 2007, dass ab Februar 2008 ein Bussystem eingeführt wird, das von der Stadt bis 2010 finanziell gesichert wird. Nach Ablauf dieser Probefrist soll sich zeigen, ob die Bürger der Stadt Vechta das System auch annehmen.

2008

  • Februar 2008
    • Das Stadtbussystem mit drei Bussen auf sechs Linien (VW1-VW6), die sich alle zwanzig Minuten am zentralen Haltepunkt in der Burgstraße trafen, wurde eingeführt. Die Benutzung des Liniensystems war in der ersten Woche nach Einführung kostenlos.
  • Mai 2008
    • Aufgrund steigender Fahrgastzahlen und zur Verbesserung der Anbindung anderer Stadtteile wurden eine vierte Linie und neue Tarife eingeführt.
  • September 2008
    • Die Stadtbusse wurden zur Verbesserung des Betriebsablaufs mit dem elektronischen Kassiersystem der Verkehrsgemeinschaft Vechta ausgestattet.
  • November 2008
    • Neue Haltestellenschilder wurden aufgestellt, die den Fahrgast über den Linienverlauf informieren (vorher waren nur sporadische Schilder mit Haltestellensymbol aufgestellt worden).
  • Bilanz 2008
    • Zuschüsse der Stadt: 130.000 Euro
    • Einnahmen: ca. 16.000 Euro
    • Fahrgastzahlen: 21.594 Fahrgäste (1780 Fahrgäste pro Monat)

2009

  • Januar 2009
    • An der Hochschule Vechta wurde über die Nutzung des Stadtbusses, für einen Betrag von elf Euro pro Semester abgestimmt. Eine Mehrheit der Studenten stimmte dagegen.
  • Februar 2009
    • Es wurden neue Sondertickets eingeführt.
    • Der Stadtbus fährt nun als Trampbus, bei dem die Fahrgäste auf dem Linienverlauf zwischen den Haltestellen ein- und aussteigen können.
  • August 2009
    • Umbenennung der Linien 1 bis 4 in die Linien 601 bis 604 (Einbindung in das VGV Regionalbus-Netz)
    • Der Linienbetrieb wird auf einen 1-Stunden-Takt umgestellt, damit sich die Fahrtzeiten bei den Bürgern besser einprägen können.
    • Die Betriebszeit wurde verlängert: Freitags und samstags abends fährt der Bus nun bis 23:45 (statt Freitag 19:45 Uhr & Samstag 15:45 Uhr)
    • Aufgrund zu geringer Nutzung wird der Linienbetrieb an Sonntagen komplett eingestellt.
    • Der StadtBus fährt erstmals zum Stoppelmarkt, diese Verbindung wird aber nur mäßig angenommen.
  • Bilanz 2009
    • Zuschüsse der Stadt: 130.000 Euro
    • Einnahmen: ca. 30.000 Euro
    • Fahrgastzahlen: 34.276 Fahrgäste (2848 Fahrgäste pro Monat)

2010

  • Februar 2010
    • Die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover unterschreibt Verträge, die die Fortführung des Stadtbusses über die Pilotprojekt-Frist bis Dezember 2010 erlauben.
  • März 2010
    • Die Volkshochschule Vechta in startet in Zusammenarbeit mit der Stadt Vechta und dem betreibenden Busunternehmen Wilmering unter dem Motto „Keine Angst vorm StadtBus fahren“ ein Programm, indem Senioren der Umgang mit dem StadtBus vertraut gemacht wird, sowohl theoretisch als auch praktisch.[1]
  • 1. Quartal 2010
    • Das erfolgreichste Quartal des Systems: In den ersten drei Monaten wurde bereits die Fahrgastzahl von 20.403 erreicht. Mehr als im gesamten Jahr 2008.
  • August 2010
    • Der Stadtrat entscheidet in einer nichtöffentlichen Sitzung, die Bezuschussung des StadtBusses von jährlich 130.000 auf 163.400 Euro zu erhöhen, was durch die mittlerweile vierte Buslinie gerechtfertigt wird. Damit wird auch die Fortführung bis Ende 2012 beschlossen.
    • Die Stadtbuslinien 601 und 603 fahren den Stoppelmarkt im 30/60-Minuten-Takt an. Die Verbindungen sind zusätzlich zu den weiterhin eingerichteten Sonderbuslinien Vechta-West, Vechta-Stadt und Vechta-Flugplatz.
    • Ein Mercedes-Sprinter StadtBusfahrzeug wird mit Motiven, die aus den besten Ergebnissen des Malwettbewerb an Vechtaer Grundschulen ausgewählt wurden, bedruckt.
  • September 2010
    • Die Fahrpreise werden vereinfacht und verbilligt. Eine Einzelfahrt für Erwachsene kostet nun nur noch 1,00 Euro statt 1,70 Euro.
    • Die Haltestellen-Schilder werden nach und nach mit den neuen Linienführungen und Linienbezeichnungen bedruckt (Von Linie 1-4 auf Linie 601-604)
  • Oktober 2010
    • Ein weiteres Stadtbustraining für Senioren wird von der Volkshochschule Vechta angeboten.
  • Bilanz 2010
    • Zuschüsse der Stadt: 130.000 Euro
    • Einnahmen: ca. 70.000 Euro
    • Fahrgastzahlen: 72.819 Fahrgäste (6068 Fahrgäste pro Monat)

2011

  • Februar 2011
    • Die Kreisvolkshochschule Vechta bietet aufgrund dauerhafter Ausbuchung weiterhin kostenlose Stadtbustrainings an.
    • Das betreibende Busunternehmen Wilmering meldet stetig steigende Verkäufe von Wochen- und Monatskarten, zurückzuführen auf die rege Teilnahme an den Stadtbustrainings.
  • März 2011
    • Das betreibende Busunternehmen Wilmering meldet eine durchschnittliche Fahrgastzahl von 500 Personen pro Tag. Der Sollwert für 2011 beträgt durchschnittlich 300 Personen pro Tag. Somit steht einer Fortführung des Stadtbusses über 2012 hinaus nichts mehr im Weg.
  • August 2011
    • Die Stadtbuslinien 601 und 603 fahren im 30/60-Minuten-Takt, eingebunden in die normale Linienführung, wie in den beiden Vorjahren zum Stoppelmarkt. Um die Leute für den Stadtbus zu gewinnen, werden die Fahrpreise zum Volksfest beim normalen Fahrpreis von 1,00 gehalten, während die Busse, die ebenfalls auf 3 Linien im 15-Minuten-Takt die gesamte Stadt bedienen, mit knapp 2 Euro Fahrpreis das Doppelte kosten. Dies ist vom Busunternehmen Wilmering so gewollt.
  • Bilanz 2011
    • Zuschüsse der Stadt: 164.000 Euro
    • Fahrgastzahlen: 94.095 Fahrgäste (7841 Fahrgäste pro Monat)

2012

  • September 2012
    • Ab dem Wintersemester 2012/2013 können alle Studenten der Universität Vechta den Stadtbus unbegrenzt nutzen, da der Stadtbus nun im Semesterticket inbegriffen ist. Die Fahrgastzahlen sind seit Beginn des Semesters sprunghaft gestiegen.
  • Oktober 2012
    • Der Stadtrat Vechta stimmt auf Grundlage des vom Landkreis in Zusammenarbeit mit den Kommunen erarbeiteten Feldversuchs Mobil um Vechta für die Beteiligung an diesem Projekt. Dabei wird ab Mai 2013 der Ortsteil Langförden per Anrufsammeltaxi in den ÖPNV eingebunden, die ursprüngliche Einbindung durch eine zusätzliche Buslinie entfällt damit. Mobil um Vechta geht dann für den ganzen Landkreis in Betrieb und ist zunächst als zweijähriges Pilotprojekt begrenzt. Die stetig steigenden Fahrgastzahlen des Stadtbusses lassen aber ebenfalls auf einen Erfolg des Landkreisweiten ÖPNV hoffen.

2013

  • Januar 2013
    • Anfang Januar 2013 wurden vier neue Stadtbusse angeschafft. Diese unterscheiden sich zu ihren Vorgängern dadurch, dass sie mehr Sitzplätze sowie LED-Fahrtrichtungsanzeiger und eine moderne Lackierung mit QR-Codes zum Abruf von Fahrplänen haben.

Linien und Haltestellen

Das Liniennetz ist nach dem Rendezvous-Prinzip aufgebaut. Alle 8 Linienäste treffen immer um :45 und :15 am zentralen Haltepunkt "Burgstraße/Altes Finanzamt" ein, parallel zur Einkaufsmeile Große Straße. Das System im zentralen Stadtgebiet wird morgens und mittags an Schultagen aufgrund des Schülerverkehrs durch die Linien V1, V2 und V3 verstärkt. Das Streckennetz deckt bis auf Langförden und Calveslage das gesamte Stadtgebiet mit 72 Haltestellen ab. Ein Ausbau des Systems in diese Stadtteile nach Ende der Probefrist ist in Planung.

Der Stadtbus Vechta bietet eine bemerkenswert kundenfreundliche Besonderheit, die andere Städte entweder gar nicht oder allenfalls in den Abendstunden kennen: Es darf während der gesamten Betriebszeit an allen Stellen auf den Routen der Linien 601 bis 604 ein- und ausgestiegen werden, nicht nur an den Haltestellen (Bedarfshalt). Zum Einsteigen reicht ein Handzeichen am Straßenrand, wenn der Bus naht; zum Aussteigen sagt man dem Fahrer kurz Bescheid. Natürlich muss die Verkehrslage es zulassen. Von den vorgeschriebenen Linienrouten dürfen die Busfahrer allerdings nicht abweichen.

Die Haltestelle "Vechta Bahnhof/ZOB" wird von den Linien 604 und 602 angefahren (pro Stunde viermal). Die Fahrzeiten sind dem Fahrplan der NordWestBahn angepasst, um das Umsteigen möglich zu machen. Die Linienführung ist wie folgt:[2]


Linie Laufweg
601 Vechta, Oythe – St. Marienhospital – Burgstraße – Botenkamp – Dominikanerweg – Vechta, Oythe
602 Vechta, Famila – Dornierstr. – ZOB VechtaBurgstraße – Windallee – Universität – Sgundek
603 Vechta, Hallenwellenbad – Kreisamt – Burgstraße – Lohner Str. – Marienhain – Reiterwaldstadion
604 Vechta, Famila – Stukenborg – ZOB VechtaBurgstraße – Hagener Str. – Friesenstr., McDonalds
V1 Vechta, Linnekamp – Vechta, Marienhain – SgundekSchulzentrum SüdZOB VechtaJanusz Korczak Schule
V2 ZOB Vechta – Theodor-Heuss-Str. – Rombergstr./Finanzamt – Schulzentrum SüdGymnasium Antonianum
V3 Vechta, Oythe – Allensteiner Str. – Graskamp – Martin-Luther-SchuleSchulzentrum Süd

Sonderfahrten

Der Stadtbus fährt seit 2009 während des Stoppelmarktes Mitte August dieses Volksfest an. Zwar werden bereits seit 1970 jährlich vier Sonderbuslinien eingerichtet, die alle Stadtteile (auch Langförden und Calveslage) bedienen, aber der Stadtbus soll helfen, die Sonderlinien zu entlasten, vor allem, da der Stadtbus durch die Fahrzeugtypen (Kleinbus) die Nebenstraßen befahren kann, während die Sonderbusse aufgrund der eingesetzten Gelenk- und Solowagen nur die Hauptstraßen nutzen können.

Pläne für das System

Geplant ist auch, nach der Pilotprojekt-Phase je nach Ausfall der Fahrgastzahlen das System eventuell komplett zu vergrößern und die Linien in die umliegenden Ortschaften wie Bakum, Lutten und die Stadtteile Calveslage und Langförden zu erweitern.

Dazu ein Auszug aus der Prioritätenliste des Stadtmarketingprojektes Vechta:

„Der funktionierende öffentliche Nahverkehr in Vechta kann noch verbessert werden, um besonders die Randbereiche der Stadt besser anzubinden und Angebote für Jugendliche zu verbessern.

Vorgehen:

  • Eine temporäre Busverbindung aus der Vechtaer Innenstadt nach Langförden (über Calveslage) ist zu prüfen.

→ Mit einer zweimonatigen Testphase könnte der Bedarf einer stündlichen Anbindung ermittelt werden. Darüber hinaus ist die Möglichkeit zu prüfen, bei Veranstaltungen in der Innenstadt eine Busverbindung anzubieten.

Konkrete Maßnahmen im Busverkehr:

  • An- und Abfahrzeiten im Schulverkehr bedarfsgerecht gestalten.
  • Die Fahrpreise für Jugendliche müssen günstiger sein bzw. es müssen Schülertickets angeboten werden. Vorstellung: ca. 80 Cent oder als Alternative zur Kids Card, die altersmäßig gestaffelt werden kann von bisher 3–15 Jahre auf 3–18 Jahre/ bzw. alle Schüler auch über 18 Jahre.
  • Beim Einkaufen werden Gutscheine erworben (Kinobesuch/Nutzung Bowlingbahn etc.). Sie können als Tickets eingelöst werden. Gutscheine sind besser als ein Testangebot. Inhaber des „Schutzengelausweises“ oder der „JuLeiCa“ Jugendleiterkarte, die Ehrenamtliche bekommen und mit denen ihnen für ihr Engagement Rabatte gewährt werden soll(t)en als bundesweites Projekt), fahren umsonst bzw. deutlich billiger.
  • Der Stadtbus muss nach den Verbesserungen der Streckenangebote noch offensiver vermarktet werden.
  • Es müssen nutzbare Nachtbusstrecken geschaffen werden, auf denen an bestimmten Tagen (Mi/Fr/Sa) auch Nachtbusse eingesetzt werden. Abfahrtsorte könnten sein: Kneipen/Partyräumlichkeiten/Kino etc. Die Zielorte sollten möglichst in den Wohngebieten liegen, um kurze Wege nach Hause zu schaffen. Ziele wie Supermärkte, Altenwohnanlagen, Ämter etc. könnten ausgespart werden.“
Prioritätenliste des Stadtmarketingprojektes Vechta

Literatur

  • Michael Lischka: Das Vechtaer Stadtbussystem – Funktionsweise und Bedeutung. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2012. Vechta 2011, ISBN 978-3-941073-10-4, S. 240–254.

Weblinks

  • Website des Omnibusunternehmen Wilmering, Betreiber des StadtBus Vechta

Einzelnachweise

  1. Oldenburgische Volkszeitung vom 18. März 2010
  2. Streckenkarte StadtBus Vechta. (PDF, 193 KB) Omnibusbetrieb Wilmering GmbH & Co. KG, 19. August 2010, abgerufen am 6. Mai 2014.