Tauschwert

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Als Tauschwert bezeichnet man in der Wirtschaft das Verhältnis, in welchem Waren auf Märkten, im Tauschhandel oder bei Tauschverträgen gegeneinander ausgetauscht werden. Den Tauschwerten liegen dabei die Warenwerte zugrunde.

Allgemeines

Nach der Arbeitswerttheorie ist der Wert einer Ware durch die Arbeit bestimmt, die zur Herstellung dieser Ware notwendig ist, wobei es sich nicht um die individuelle Arbeitszeit des jeweiligen Arbeiters handelt, sondern um die im Durchschnitt gesellschaftlich notwendige Arbeit. War der Tauschwert ursprünglich ein Begriff der klassischen Ökonomie des 18. und 19. Jahrhunderts, wird dieser Begriff heutzutage fast nur noch in der Marxistischen Ökonomie verwendet. Der betriebswirtschaftliche Warenwert drückt sich im Angebotspreis aus, der sich aus Materialkosten, Personalkosten und Gewinnmarge zusammensetzt. Je nach Angebot und Nachfrage oszillieren die auf dem Markt zu erzielenden Marktpreise bzw. Kaufpreise um den eigentlichen Tauschwert der betreffenden Ware. Die jeweils auszutauschende Warenmenge muss sich im Tauschwert gegenseitig ausgleichen, wenn der Tausch angemessen sein soll.

Tauschwert in der marxistischen Theorie

In Übereinstimmung mit der damaligen klassischen Ökonomie unterscheidet Marx zwischen dem Gebrauchswert und dem „Wert“ einer Ware. Der Gebrauchswert besteht in der Nützlichkeit einer Ware, also darin, dass sie irgendein Bedürfnis erfüllt. Der Gebrauchswert eines Hemdes besteht also z. B. darin, vor Kälte zu schützen. Der Gebrauchswert hängt untrennbar zusammen mit den sachlichen Eigenschaften der Ware: Größe, Material, Schwere, Verarbeitungsqualität usw. Der Gebrauchswert eines Produkts ist immer derselbe, egal ob ich das Produkt für mich selber verwende oder ob ich es verkaufe, wodurch es zur Ware wird. Neben diesem handgreiflichen Gebrauchswert existiert noch die ökonomische Kategorie des „Werts“. Sobald Produkte getauscht werden, also als Waren gehandelt werden, braucht man einen Maßstab, in welchem Verhältnis sie untereinander getauscht werden. Möchte ich z. B. Hemden gegen Brot tauschen, so muss ich wissen, wie viele Hemden gegen wie viel Brot einzutauschen sind. In Übereinstimmung mit der bis dahin klassischen Ökonomie (z. B. Adam Smith, Ricardo) vertritt Marx die Arbeitswerttheorie, wonach sich der Wert einer Ware durch die zu ihrer Herstellung aufgewandte Arbeitszeit ergibt. Je arbeitsintensiver ein Produkt ist, desto mehr Wert hat es.

Dieser „Wert“ ist keine Eigenschaft, die den Produkten von Natur aus zukommt, wie Schwere, Größe usw., sondern es ist eine den Waren durch die Gesellschaft zugesprochene Eigenschaft. Die Kategorie „Wert“ wird also nur in Gesellschaften benötigt, in der Produkte als Waren getauscht werden. Gesellschaften hingegen, in denen Einzelne oder Gruppen (nur) für ihren Eigengebrauch produzieren, kann es egal sein, ob und welchen „Wert“ die Sachen haben. Ihnen kommt es nur auf den Gebrauchswert an. Da nach Marx in einer kommunistischen Gesellschaft kein Markt mehr existiert, sondern die Gesellschaft insgesamt für ihre eigenen Bedürfnisse produziert, hat die Kategorie „Wert“ im Kommunismus keine Bedeutung mehr. „Wert“ ist also – anders als „Gebrauchswert“ – nur eine historisch gültige Kategorie.

Von diesem „Wert“ als gewissermaßen der Substanz lässt sich der „Tauschwert“ unterscheiden. Der Tauschwert ist die Erscheinungsform des Wertes, sein Ausdruck. Irgendwie muss der Wert ja ausgedrückt werden. In einer Gesellschaft, die auf dem Austausch von Waren beruht – was in Vollendung erst in der modernen bürgerlichen Gesellschaft der Fall ist –, muss der Wert in der Praxis die Form des Tauschwertes einnehmen. Wir haben uns heute daran gewöhnt, den Tauschwert einer Ware in Geld auszudrücken, z. B. „1 Hemd ist 10 Euro wert“. Aber wie kommt es überhaupt zu diesem Geldausdruck? Dies untersucht Marx im 1. Kapitel des 1. Bandes seines Werks Das Kapital. Er nimmt dabei für sich in Anspruch, der Erste gewesen zu sein, der überhaupt der Frage nachgegangen ist, wieso sich der Wert einer Ware in der Geldform darstellt.

Marx entwickelt im Kapital zur Erklärung dieser Geldform eine Stufenfolge von verschiedenen Wertformen: einfache Wertform (Ware A dient als Äquivalent einer Menge Ware B) bis zur Form eines allgemeinen Äquivalents (des Geldes). Ob es sich dabei um eine rein logische Abfolge der verschiedenen Wertformen handelt, oder ob es sich (auch) um eine historische Schilderung handelt, in dem Sinn, dass die einfache Wertform nur in früheren, einfachen Tauschgesellschaften Gültigkeit gehabt habe, ist unter Marxinterpreten sehr umstritten.

Es handelt sich bei der Kategorie des Tauschwerts um mehr als nur um die Erklärung von bloßen quantitativen Proportionen: Im Abschnitt über den sog. Fetischcharakter der Ware in Marxens Kapital wird endgültig klar, dass die Kategorie des Tauschwerts eine qualitative Seite aufweist, eine Kritik an der Produktionsform, in der „den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge“ (Marx, MEW 23,86) erscheinen. Der Tauschwert entsteht, weil die Produzenten sich als private Produzenten gegenseitig von ihren eigentlich gesellschaftlichen Produkten ausschließen. Die Menschen tauschen ihre Produkte nicht deshalb, weil sie wegen Arbeitsteilung dazu gezwungen seien – das sei die Auffassung der bürgerlichen Ökonomie. Es ist nach Marx die spezifisch bürgerliche Form der Arbeitsteilung, die dazu führt, dass die Produkte, die doch Produkte einer gesellschaftlichen Arbeit sind, mit dem an ihnen klebenden Preisschild wieder privatisiert werden, eine private Form – eben die Wertform! – bekommen.

Tauschwerte bei Hans im Glück

Im Schwank Hans im Glück der Brüder Grimm erhält Hans als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold. Diesen tauscht er gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, und die Gans gibt er für einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein her. Er geht dabei – ökonomisch betrachtet – jeweils unglücklichen Tauschhandel ein, denn bereits der Tausch des Goldes gegen ein Pferd bringt ihm wirtschaftliche Nachteile. Auch wenn er dabei den Nutzwert der erhaltenen Sachen im Auge hat, handelte er aus wirtschaftlicher Sicht als „Hans im Unglück“.

Siehe auch

Literatur

Weblinks