Zufluchtskirche (Berlin)

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Zufluchtskirche

Die am 25. Juni 1967 eingeweihte evangelische Zufluchtskirche steht in der Westerwaldstraße 16–18 im Berliner Ortsteil Falkenhagener Feld des Bezirks Spandau. Sie wurde von Bodo Fleischer als Teil eines Gemeindezentrums entworfen. Die 1965–1967 gebauten Gebäudetrakte des Gebäudekomplexes sind überwiegend als Stahlbeton-Skelettbauten im Architekturstil der Nachkriegsmoderne ausgeführt, einige als verputzte Mauerwerksbauten.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf dem Gelände einer Kaserne der Polizei im Falkenhagener Feld vor dem Friedhof In den Kisseln ein Flüchtlingslager für Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Hier bildete sich eine neue Kirchengemeinde zunächst als Teil der Gemeinde der Lutherkirche und nannte sich Zufluchtskirchengemeinde. Zunächst wurden im ehemaligen Kasino Gottesdienste gefeiert. Später wurde ein Pferdestall zum Gemeindezentrum umgebaut, dessen Gottesdienstraum als Zufluchtskapelle am 18. Mai 1950, an Christi Himmelfahrt, eingeweiht wurde. Am 1. Januar 1952 wurde die Zufluchtskirchengemeinde eigenständig. Ab 1960 entstand auf dem Falkenhagener Feld eine Großwohnsiedlung mit Hochhäusern, und viele Familien mit Kindern zogen in die familiengerechten Mietwohnungen des Kiezes, den die Zufluchtskirchengemeinde betreute. Deshalb wurde zunächst an einem neuen Standort ein Gemeindezentrum mit mehr Platz gebaut, dessen Gottesdienstraum am 27. Mai 1965 eingeweiht wurde. Die Kirche entstand erst 1967.

Die Kirchengemeinde arbeitet eng mit der Jeremia-Kirchengemeinde zusammen. Seit 2016 besteht ein gemeinsamer Gemeindekirchenrat der Ev. Zufluchts- und der Ev. Jeremia-Kirchengemeinde.[1] Am 31. Oktober 2017 fusionierten die beiden Gemeinden zur „Evangelischen Zuflucht-und-Jeremia Kirchengemeinde“. Die Zufluchtskirche soll im Rahmen der Zusammenarbeit bis 2022 als Kirche entwidmet und mit Kita und Gemeindesaal zu einem multifunktionalen Gebäude umgebaut und als Stadtteilzentrum im Falkenhagener Feld genutzt werden.[2]

Baubeschreibung

Die Kirche liegt am Rand eines Platzes. Seitlich vor ihr steht der Campanile auf schiefwinkligem viereckigen Grundriss. Ein gedeckter Gang verbindet ihn mit der dreieckigen Sakristei. Benachbart zur Kirche gruppiert sich ein mehrflügeliger erdgeschossiger Gebäudekomplex, in dem auch der Kindergarten untergebracht ist, unregelmäßig um einen Innenhof. Nördlich davon schließt sich ein Wohngebäude an.

Die Hallenkirche hat im Grundriss die Form eines gleichschenkligen Trapezes, dessen eine Grundseite, und zwar die Altarseite, in der Haupt-Achse nach innen und die andere, nämlich die Eingangsseite, nach außen gewinkelt ist. Das Kirchenschiff ist mit zwei Satteldächern bedeckt. Der Dachfirst fällt einerseits vom schmalen und hohen Giebel der Altarwand aus ab, andererseits auch von dem der gegenüberliegenden breiten und niedrigen Eingangsseite, sodass ein nach innen geknicktes Faltdach entsteht. Die Seitenwände fallen ebenfalls von der Altarwand zur Eingangsseite hin ab, allerdings nicht so stark wie der Dachfirst. Vom Scheitelpunkt bis zum Boden des dreieckigen Giebels der Altarwand haben die Schenkel vertikal und horizontal geteilte Fensterbänder, sodass sich dreieckige Scheiben ergeben. Sie setzen sich an den Seitenwänden unterhalb der abfallenden Dachtraufe ein Stück fort. Oberhalb der Empore, auf der die Orgel steht, befinden sich zwei Sprossenfenster in Form von Trapezen, deren breite Grundseiten aneinander stoßen.

Der Fußboden des Kirchenschiffs ist vom Eingang zur Estrade hin, auf der der Altar steht, leicht abschüssig. Die Prinzipalien, die bronzenen Reliefs des Altars und des Taufbeckens sowie die Kanzel, wurden von Waldemar Otto nach Fertigstellung der Kirche geschaffen.

Glocken

In der Glockenstube des Glockenturms hängt ein Geläut aus vier Bronzeglocken, das von Petit & Gebr. Edelbrock gegossen wurde.

Gieß­jahr Schlag­ton Gewicht
(kg)
Durch­messer
(cm)
Höhe
(cm)
Inschrift
1968 a' 450 89 72 HERR, GOTT, DU BIST UNSERE ZUFLUCHT FÜR UND FÜR +
1967 c" 270 75 60
1967 d" 180 67 58
1968 e" 120 60 52

Orgel

Die Orgel von 1967 hat ein Manual mit 54 Tasten, ein Pedal mit 27 Tasten, sechs Register und 393 Orgelpfeifen. Sie ist ein Werk der Firma E. F. Walcker & Cie. und hat folgende Disposition:

Manual C–f3
1. Gedackt 08′
2. Prinzipal 04′
3. Rohrflöte 04′
4. Oktave 02′
5. Mixtur II–III
Pedal C–d1
6. Subbass 16′

Literatur

  • Roland Wicher: 60 Jahre Zuflucht 1952–2012. Berlin 2012.
  • Christine Goetz und Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Berlin 2003.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI. Sakralbauten. Berlin 1997.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar. Berlin 1987.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephanie: Evangelische Kirchen in Berlin. Berlin 1978.

Weblinks

Commons: Zuflucht-Kirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. www.zuflucht-gemeinde.de
  2. Berliner Abendblatt, Ausgabe Spandau. 21. Oktober 2017, S. 3.

Koordinaten: 52° 33′ 2,6″ N, 13° 10′ 43,1″ O