Côtes du Rhône

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Eine Übersicht der einzelnen Appellationen des Weinbaugebiets Rhône. Zoom A zeigt die südlich gelegenen Appellationen bei Avignon und Zoom B stellt die nahe Lyon gelegenen Weinbaugebiete dar.
  • Côtes du Rhône (AOC)
  • Die Côtes du Rhône (frz. „Hänge der Rhône“) ist die Bezeichnung für ein überregionales bedeutendes Weinbaugebiet im südlichen Rhonetal. Das Gebiet ist Teil des Weinbaugebietes Rhône (die der Landschaft Côtes du Rhône entspricht, den östlichen Alpenvorbergen und Abhängen der Cevennen des mittleren Rhonetals), genauer, der südlichen Côtes du Rhône Meridionales, und erstreckt sich rund um Orange und Avignon.

    Die Appellation d’Origine Contrôlée Côtes du Rhône ist ein Teil dieses Weinbaugebiets, versehen mit dem gesetzlichen Status einer AOC.

    Typisches

    In der engeren südlichen AOC Côtes du Rhône werden zu 97 % Rotweine und Roséweine produziert, auf einigen Weingütern aber auch ausschließlich Weißweine. Aufgrund des sehr milden Binnenklimas gedeihen die Trauben in fast jedem Jahr bestens und entwickeln eine hohe Fruchtsüße, was ein Chaptalisieren (Anreichern des Mostes mit Zucker) zumeist unnötig macht. Die Weine der Appellation werden „trocken“ ausgebaut; Süßweine oder Weine mit Restsüße sind praktisch unbekannt. Ausnahmen hiervon bilden lediglich der Beaumes-de-Venise und der Rasteau, bekannte Süßweine, und einige andere Spezialitäten.

    Die Jahresproduktion auf der 49.000 Hektar großen Anbaufläche beträgt rund 400 Millionen Liter. 7.000 Produktionsbetriebe in 171 Gemeinden gehören zur AOC Côtes du Rhône, 2.000 davon besitzen eine eigene Weinkellerei, die anderen Betriebe sind in Kooperativen zusammengeschlossen.

    Charakteristika

    Bei den Weinen der südlichen Rhône handelt es sich in der Regel um Verschnitte (Cuvées) verschiedener Rebsorten; die Rotweine der AOC Côtes du Rhône beispielsweise müssen aus mindestens 40 % Grenache Noir und mind. 15 % Syrah und/oder Mourvèdre bestehen.[1] Die Weine werden erst in rebsortenreinen Partien angebaut, dann sortenrein gelesen und separat vinifiziert, schließlich die Einzelweine später im Keller miteinander zur Cuvée verschnitten.

    Der typische CdR-Wein bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Es sind teils gute Qualitäten erhältlich, für die man weiter nördlich in Burgund ein Mehrfaches zahlt.

    Alkoholgehalte über 12 Volumenprozent sind die Regel, um die 14 Prozent durchaus nicht selten. Die Tendenz geht zu fruchtig-blumig-beerigen Weinen. Die Vielschichtigkeit und Eleganz der Burgunderweine ist dem Wein der Côtes fremd. Es ist meist nicht nötig, die Weine der Côtes lange vor dem Genuss zu dekantieren (bzw. zu „lüften“). Das macht den Genuss unkompliziert. Der Wein ist stark, ohne allzu alkoholisch oder gar sprittig zu schmecken. Es handelt sich um einfache, frische und fruchtige Weine, am Gaumen weich, rund und angenehm wärmend, bei geringerem Alkoholgehalt auch gekühlt trinkbar.[2] Die Rotweine der Appelation CdR haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt.[3]

    Rebsorten

    In der Region Südliche Rhône sind im Wesentlichen die folgenden Rebsorten[4] vorgeschrieben:

    Rotwein

    Hauptrebsorte: Grenache.

    Nebenrebsorten: Mourvèdre und Syrah. Weitere zulässige Rebsorten unter anderen: Carignan, Cinsault, Counoise, Clairette, Muscardin, Terret Noir, und Vaccarèse.

    Es müssen mindestens 70 % der Haupt- und Nebenrebsorten angepflanzt werden. Die Hauptrebsorte Grenache muss dabei zumindest 40 % betragen, die Rebsorten Mourvèdre und Syrah mindestens 15 %. Weiße Rebsorten dürfen bis maximal 5 % eingesetzt werden.

    Rose

    Hauptrebsorte: Grenache.

    Nebenrebsorten: Mourvèdre und Syrah. Weitere zulässige Rebsorten unter anderen: Carignan, Cinsault, Counoise, Clairette, Muscardin, Terret Noir, und Vaccarèse.

    Es müssen mindestens 70 % der Haupt- und Nebenrebsorten angepflanzt werden. Die Hauptrebsorte Grenache muss dabei zumindest 40 % betragen, die Rebsorten Mourvèdre und Syrah mindestens 15 %. Weiße Rebsorten dürfen bis maximal 20 % eingesetzt werden.

    Weißwein

    Hauptrebsorten: Bourboulenc, Clairette Blanche, Grenache Blanc, Marsanne blanche, Roussanne und Viognier.

    Nebenrebsorten: Piquepoul Blanc und Ugni Blanc. Es müssen mindestens 80 % der Hauptrebsorten eingesetzt werden.

    Gesetzliches

    Die AOC Côtes du Rhône (CdR) wurde durch ein Dekret am 19. November 1937 gebildet. Sie umfasst 73.000 Hektar Produktionsfläche in sechs Départements: Rhône, Loire, Drôme, Ardèche, Vaucluse und Gard. Die letzte Aktualisierung erfolgte durch die Verordnung Nr. 2011–1463 vom 7. November 2011.[5]

    Wirkungen auf Qualitäten und Preise

    Eine Gebiets-AOC (wie CdR) wird weiter unterteilt in Orts-bezogene Appellationen, teils auch feiner in Lagen-bezogene Appellationen. Die AOC Côtes du Rhône ist somit die allgemeinste gesetzlich gefasste Weingebiets-Bezeichnung für das südliche Rhonetal zwischen Valence und Avignon, und die für Weine dieser Gegend „wenigst wertvolle“. Anders ausgedrückt: ein Wein, der es nicht „geschafft“ hat in die höherwertigen Orts- oder Lagen-Appellationen, weil er nicht genügend typisch für ein enger umrissenes Gebiet erschien, ist immerhin noch vom Erzeuger als AOC Rhône zu vermarkten.

    In der Regel wird für hochklassigen Wein angestrebt, ihm eine Orts- oder Einzellagen-Prüfung zu verschaffen, da er sich dann deutlich teurer verkaufen lässt. Ein Beispiel: ein Wein mit Kennzeichnung Vacqueyras AOC ist aufgrund der Orts-Appellation „besser“ als ein Côtes-du-Rhône AOC; Vacqueyras ist eine Orts-AOC „Villages“ in der großen AOC, und die Zuerkennung der Orts-Typizität wertet den Wein auf.

    Nochmal wichtiger jedoch ist, wie in ganz Frankreich, die individuelle Reputation des einzelnen Weinbaubetriebs zu kennen, wenn man es auf Spitzenqualität abgesehen hat. Insbesondere in den großen Orts-Appellationen gibt es sehr viele Betriebe, die „durchschnittlich“ sind, während jeweils immer nur wenige Betriebe mit hohem Arbeitsaufwand die besten sind. Der Interessent für hochklassigen CdR-Wein wird also nicht umhinkommen, sich zu den Erzeugerbetrieben sachkundig zu machen.

    Zugelassene Gemeinden

    Das Weinbaugebiet der nördlichen Rhône bei Tournon-sur-Rhône

    Seit dem 31. August 2001 sind 171 Gemeinden in der Appellation Côtes du Rhône zugelassen.

    Département Ardèche

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Andance, Ardoix, Arras-sur-Rhône, Bourg-Saint-Andéol, Champagne, Charnas, Châteaubourg, Cornas, Félines, Glun, Guilherand-Granges, Lemps, Limony, Mauves, Ozon, Peyraud, Saint-Désirat, Saint-Étienne-de-Valoux, Saint-Jean-de-Muzols, Saint-Julien-en-Saint-Alban, Saint-Just-d’Ardèche, Saint-Marcel-d’Ardèche, Saint-Martin-d’Ardèche, Saint-Péray, Sarras, Sécheras, Serrières, Talencieux, Toulaud, Tournon-sur-Rhône und Vion.

    Département Drôme

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Beaumont-Monteux, Bouchet, Chanos-Curson, Crozes-Hermitage, Érôme, Gervans, Larnage, La Roche-de-Glun, Le Pègue, Livron-sur-Drôme, Mercurol, Mérindol-les-Oliviers, Mirabel-aux-Baronnies, Mollans-sur-Ouvèze, Montbrison-sur-Lez, Nyons, Piégon, Pont-de-l’Isère, Rochegude, Rousset-les-Vignes, Saint-Maurice-sur-Eygues, Saint-Pantaléon-les-Vignes, Serves-sur-Rhône, Suze-la-Rousse, Tain-l’Hermitage, Taulignan, Tulette, Venterol und Vinsobres.

    Hier sticht qualitativ der Orts-AOC Vinsobres hervor.

    Département Gard

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Aiguèze, Aramon, Bagnols-sur-Cèze, Carsan, Castillon-du-Gard, Cavillargues, Chusclan, Codolet, Comps, Connaux, Cornillon, Domazan, Estézargues, Fournès, Gaujac, La Roque-sur-Cèze, Laudun-l’Ardoise, Laval-Saint-Roman, Le Pin, Lirac, Montfrin, Orsan, Pont-Saint-Esprit, Pougnadoresse, Pouzilhac, Pujaut, Remoulins, Rochefort-du-Gard, Roquemaure, Sabran, Saint-Alexandre, Saint-André-d’Olérargues, Saint-Étienne-des-Sorts, Saint-Geniès-de-Comolas, Saint-Gervais, Saint-Hilaire-d’Ozilhan, Saint-Julien-de-Peyrolas, Saint-Laurent-de-Carnols, Saint-Laurent-des-Arbres, Saint-Marcel-de-Careiret, Saint-Michel-d’Euzet, Saint-Nazaire, Saint-Paul-les-Fonts, Saint-Paulet-de-Caisson, Saint-Pons-la-Calm, Saint-Victor-la-Coste, Sauveterre, Saze, Tavel, Théziers, Tresques, Valliguières, Vénéjan und Villeneuve-lès-Avignon.

    Hier sticht qualitativ der Orts-AOC Lirac hervor.

    Département Loire

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Chavanay, Malleval, Saint-Michel-sur-Rhône, Saint-Pierre-de-Bœuf und Vérin.

    Département Rhône

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Ampuis, Condrieu, Saint-Cyr-sur-le-Rhône, Tupin-et-Semons.

    Département Vaucluse

    Folgende Gemeinden sind zugelassen: Avignon, Beaumes-de-Venise, Bédarrides, Bollène, Buisson, Cairanne, Camaret-sur-Aigues, Caumont-sur-Durance, Châteauneuf-de-Gadagne, Châteauneuf-du-Pape, Courthézon, Faucon, Gigondas, Grillon, Jonquerettes, Jonquières, Lafare, Lagarde-Paréol, Mondragon, Morières-lès-Avignon, Mornas, Orange, Piolenc, Puyméras, Rasteau, Richerenches, Roaix, La Roque-Alric, Sablet, Sainte-Cécile-les-Vignes, Saint-Marcellin-lès-Vaison, Saint-Romain-en-Viennois, Saint-Roman-de-Malegarde, Saint-Saturnin-lès-Avignon, Sarrians, Séguret, Sérignan-du-Comtat, Sorgues, Suzette, Travaillan, Uchaux, Vacqueyras, Vaison-la-Romaine, Valréas, Vedène, Villedieu, Violès, Visan.

    Hier stechen qualitativ die Orts-AOC Vacqueyras, Gigondas, Beaumes-de-Venise und der berühmte Weinbauort Châteauneuf-du-Pape hervor.

    Geschichte

    Der Weinbau im südlichen Rhonetal ist bereits für die vorrömische Antike nachgewiesen; hier begann der Weinanbau in Frankreich, ausgehend von phönizischen und griechischen Handelsniederlassungen. Als bekannteste: Massilia/Marseille.

    Literatur

    • Hubrecht Duijker: Die besten Weine – Rhône und Südfrankreich. Albert Müller Verlag, Zürich, Stuttgart, Wien 1983, ISBN 3-275-00891-9.
    • Jancis Robinson (Hrsg.): Das Oxford Weinlexikon. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2006, ISBN 3-8338-0691-5.
    • Pierre Galet: Cépages et Vignobles de France. Verlag Lavoisier, Paris 2004, ISBN 2-7430-0585-8.
    • Benoît France (Hrsg.): Grand Atlas des Vignobles de France. Verlag Éditions SOLAR, Paris 2002, ISBN 2-263-03242-8.

    Weblinks

    Einzelnachweise