Stimmhafter labiodentaler Flap

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IPA-Zeichen
IPA-Nummer 184
IPA-Zeichen-Beschreibung v mit Haken rechts
Unicode U+2C71
X-SAMPA keine
Kirshenbaum keine

Der labiodentale Flap ist ein Konsonant, der in mehreren Sprachen der Zentralafrikanischen Republik und benachbarter Länder auftritt, beispielsweise in Margi oder Kera, wie auch in Simbabwe. Des Weiteren soll er in der austronesischen Sprache Sika vorkommen. Es handelt sich um das unübliche Beispiel eines nicht-rhotischen Flaps.

Der bilabiale Flap scheint in den meisten Sprachen ein Allophon zu sein, wenn nicht in allen, also könnte man allgemeiner von einem labialen Flap sprechen.

Zeichen

In der linguistischen Literatur ist der labiodentale Flap oft ad hoc mit der Brevis als IPA-Bezeichnung für Extra-Kürze umschrieben worden: [], bisweilen auch mit dem Symbol Labial flap.png, das von Joseph Greenberg geprägt worden ist. Nachdem Dr. Kenneth S. Olsen um die Aufnahme des labiodentalen Flaps in das Internationale Phonetische Alphabet ersucht hatte, hat sich die International Phonetic Association 2005 darauf geeinigt, ihn mit einem v mit Haken rechts zu bezeichnen:

Labiodental flap (Gentium).svg

Das Zeichen ist eine Kombination aus v und ɾ, dem Zeichen für den alveolaren Tap.

Dies war seit zwölf Jahren das erste neue Zeichen, das in das IPA aufgenommen wurde. Der Unicode-Zeichensatz wurde in Version 5.1.0 um dieses Zeichen erweitert (U+2C71: ⱱ). Alternativ wird auch der ähnliche Buchstabe Ischiza (ѵ) aus dem kyrillischen Alphabet oder U+F25F aus der Private Use Area (Empfehlung der IPA) verwendet.

Bildung

Der labiodentale Flap beginnt mit der Unterlippe an der Innenseite der oberen Schneidezähne. Sodann wird die Unterlippe hinausgeschleudert, wobei sie an den oberen Schneidezähnen oder der Oberlippe oder beiden entlangstreicht.

Beispiele

In Sika ist der labiodentale Flap bei sorgfältiger Aussprache zu hören, doch kann er auch als stimmhafter labiodentaler Plosiv [] ausgesprochen werden oder als Affrikate. Er steht sowohl zum stimmhaften bilabialen als auch zum labiodentalen Frikativ in Opposition:

[ѵoːtɛr] 'ich stecke einen Pfahl in den Boden'
[βotɛːr] 'ich kaufe'
[voːtɛr] 'wir (inklusiv) kaufen'
Ein labiodentaler Flap zwischen zwei A?/i

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Kenneth S. Olson, John Hajek: The phonetic status of the labial flap. In: Journal of the International Phonetic Association, 29/2/1999, S. 101–114.
Pulmonale Konsonanten
gemäß IPA (2005)
bilabial labio-
dental
dental alveolar post-
alveolar
retroflex palatal velar uvular pha-
ryngal
glottal
stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth.
Plosive p b t d ʈ ɖ c ɟ k ɡ q ɢ ʔ
Nasale m ɱ n ɳ ɲ ŋ ɴ
Vibranten ʙ r ʀ
Taps/Flaps ɾ ɽ
Frikative ɸ β f v θ ð s z ʃ ʒ ʂ ʐ ç ʝ x ɣ χ ʁ ħ ʕ h ɦ
laterale Frikative ɬ ɮ
Approximanten ʋ ɹ ɻ j w¹
laterale Approximanten l ɭ ʎ ʟ
¹Als stimmhafter velarer Approximant (Halbvokal) wurde hier die labialisierte Variante [w] eingefügt, anstatt der nicht labialisierten Variante [ɰ].