Florian Klenk

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Florian Klenk (2016)

Florian Rudolf[1] Klenk (* 23. Juni 1973 in Wien) ist ein österreichischer Journalist, Autor und Jurist. Seit Anfang Juni 2012 ist er Chefredakteur und seit Dezember 2020 Mitgesellschafter[2] der österreichischen Wochenzeitung Falter.

Leben

Klenk ist promovierter Jurist. Er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Wien und in den Niederlanden und strebte ursprünglich an, Strafverteidiger zu werden. Seine Dissertation „Pressefreiheit und Unschuldsvermutung“ (2000) an der Universität Wien hatte die Rechtsprobleme der Kriminalberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Mediengesetzes zum Inhalt.

Während des Studiums war Klenk bei helping hands engagiert, einer im Bereich der Rechtsberatung zum Fremdenrecht tätigen NGO. Viele der Fälle betrafen in dieser Zeit, den Jahren des Bosnienkrieges, Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Daneben arbeitete er auch als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung Kurier, wo er vorwiegend mit Gerichtsreportagen befasst war. Die Möglichkeit, auf diese Weise auf Vorgänge und Missstände hinweisen und mitunter mehr bewegen zu können als in der Funktion des Rechtsberaters, führte dazu, dass er ganz zum Journalismus wechselte.

Er wurde freier Mitarbeiter und Redakteur der Wiener Wochenzeitung Falter. Von November 2005 an war er als Redakteur für Die Zeit in Hamburg tätig und kehrte im Mai 2007 als Politikchef und stellvertretender Chefredakteur zum Falter zurück. An der FH Wien unterrichtet er am Institut für Journalismus & Medienmanagement Recherche.[3] Im Sommersemester 2010 hatte Klenk die Theodor-Herzl-Dozentur für „Poetik des Journalismus“ an der Universität Wien inne.

Bekannt ist Klenk als investigativer Journalist, unter anderem in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Menschenhandel oder Missstände im Justiz- und Polizeiapparat. Seine Recherchen über Wiener Frauenhändler waren Grundlage für Elfriede Jelineks Stück „Über Tiere“. Besondere mediale Aufmerksamkeit fanden Klenks Recherchen zum Fall des im Juli 2003 bei einem Polizeieinsatz in Wien ums Leben gekommenen Exil-Mauretaniers Seibane Wague und des erstickten Schubhäftlings Marcus Omofuma. Er deckte auch menschenunwürdige Haftbedingungen in österreichischen Gefängnissen auf, etwa in Krems-Stein und in der Justizanstalt Josefstadt. Bei der Zeit dokumentierte er Missstände sowie die Verwicklungen deutscher Behörden in das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base.

2005 kritisierten einige Anti-Rassismus-Initiativen[4] und die Zeitschrift malmoe[5] Klenk wegen einer Reportage[6] über Drogenkriminalität. Sie warfen ihm vor, er habe in seiner Argumentation zum Teil Stereotype verwendet, die auch von Rassisten verwendet werden. Klenk und die Chefredaktion des Falters wiesen diese Vorwürfe zurück. Auch die Zeitschrift der Initiative Minderheiten verteidigte den Journalisten gegenüber der Art der Angriffe.[7]

Im Herbst 2007 war Klenk an der Aufdeckung der Amtsmissbrauchaffären in der Wiener Polizei im Zusammenhang mit dem Verein der Freunde der Wiener Polizei beteiligt. Im August 2009 veröffentlichte er vertrauliche Akten aus der Weisungsabteilung des Bundesministeriums für Justiz, die den Verdacht politischer Einflussnahmen in sensiblen Strafverfahren gegen Politiker, Richter und Polizisten nahelegten. Die Enthüllungen lösten eine breite Debatte über das Weisungsrecht des Justizministers aus. Kurz nach Erscheinen der Artikelserie wurde Klenks Weblog vom Justizministerium kurzzeitig blockiert, sodass die Mitarbeiter im Ministerium keinen Zugriff mehr darauf hatten. Klenk warf dem Ministerium Zensur vor. Die Justizministerin wies die Vorwürfe zurück und berief sich auf einen automatisch, anhand von Stichworten arbeitenden Filter.[8]

In der Spenden- und Spesenaffäre des ehemaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser enthüllte er immer wieder verschiedene Vorgänge und Machenschaften. Im Dezember 2010 publizierte er Auszüge aus ihm zugespielten Telefonüberwachungsprotokollen von Gesprächen Grassers mit mehreren Beratern und Geschäftspartnern.[9] Die Kabarettisten Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer inszenierten mit den Protokollen unter Klenks Regie eine Lesung im Audimax der Universität Wien, die von Hans Rauscher als „neuer österreichischer Nationalepos“ bezeichnet wurden.

Florian Klenk (rechts) mit Armin Wolf bei einer Präsentation von Klenks Buch „Früher war hier das Ende der Welt“ – Reportagen (Wien 2011)

Im März 2011 erschien Florian Klenks erstes Buch, „Früher war hier das Ende der Welt“, mit 16 zuvor bereits zum Teil im Falter publizierten Reportagen.

2016 war er für das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) des Center for Public Integrity (CPI) an der Auswertung der Panama Papers beteiligt.[10] Anfang 2017 veröffentlichte er einen Bericht zur Dr. Erwin Pröll Privatstiftung; die Enthüllung führte zu einem Rechnungshofbericht und danach zur Auflösung der Stiftung.[11] Nachdem die Journalistin Anna Thalhammer (Die Presse) im Herbst 2017 Enthüllungen über sexuelle Belästigung durch Peter Pilz veröffentlicht hatte, bekam Klenk via Twitter Hinweise auf weitere ähnliche Vorkommnisse und konfrontierte Pilz damit. Der Listenführer der Liste Pilz trat daraufhin von seinem Mandat zurück beziehungsweise nahm es nicht an.[12] Im November 2018 veröffentlichte Klenk gemeinsam mit dem Schriftsteller Doron Rabinovici bei Zsolnay das Buch „Alles kann passieren“, in dem die Reden europäischer Rechtspopulisten dokumentiert werden. Mit dem damaligen Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, veröffentlichte Klenk 2018 das Fact-Book „Zahlen, bitte! Alles was Sie über Österreich wissen müssen“ (Falter-Verlag). Im Oktober 2021 veröffentlichte Klenk seine Reportage „Bauer und Bobo“ über sein Leben als Praktikant beim steirischen Bergbauern Christian Bachler im Zsolnay Verlag.[13] Das Buch wurde verfilmt und im April 2022 in den österreichischen Kinos erstveröffentlicht.

Parteimedien-Diskussion

Am 19. Mai 2021 brachte der Journalist Claus Reitan eine Privatanklage gegen Klenk nach dem Mediengesetz ein, weil dieser Reitan als Chefredakteur und seine Mitarbeiter des vom ÖVP-Parlamentsklub betriebenen Blogs „Zur Sache“ in einem „Falter-Podcast“ vom 15. April als „hirnbescheuert“ und als „jungen Politruks“ bezeichnet haben soll.[14] Geklagt wurde auf Unterlassung und einstweilige Verfügung. Der Streitwert belief sich auf 35.000 Euro. Klenk machte die Angelegenheit auf Twitter publik und löste damit eine Diskussion über Chancen und Gefahren von Parteimedien aus.[15]

Auszeichnungen

Werke

  • Dissertation: Pressefreiheit und Unschuldsvermutung – Rechtsprobleme der Kriminalberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Mediengesetzes (2000) (Online, PDF)
  • Beim deutschen Weltblatt. In: Reinhard Christl, Silke Rudorfer (Hrsg.): Wie werde ich Journalist/in? Wege in den Traumberuf. LIT, Wien 2007, ISBN 978-3-7000-0687-9, S. 97 ff.
  • Florian Klenk: „Früher war hier das Ende der Welt“ – Reportagen. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2011. ISBN 978-3-552-05528-5.
  • Florian Klenk, Doron Rabinovici: "Alles kann passieren!": Ein Polittheater. 2018, ISBN 978-35520-5943-6
  • Florian Klenk, Konrad Pesendorfer: Zahlen, bitte!: Was Sie schon immer über Österreich wissen wollten. 2018, ISBN 978-38543-9617-8
  • Florian Klenk: Bauer und Bobo: Wie aus Wut Freundschaft wurde, Paul-Zsolnay-Verlag, Wien 2021, ISBN 978-3-552-07259-6.[24]

Weblinks

Commons: Florian Klenk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. https://twitter.com/florianklenk/status/1403595802384216064. Abgerufen am 12. Juni 2021.
  2. Klenk Mitgesellschafter beim „Falter“, auf orf.at vom 7. Jänner 2021; abgerufen am 7. Jänner 2021.
  3. FHWien: Lehrende am Institut für Journalismus & Medienmanagement (Memento vom 17. März 2011 im Internet Archive)
  4. no-racism.net: Rassismus in der Wiener Stadtzeitung Falter, 9. Februar 2005.
  5. malmoe: Der Falter und die Wut, 11. Februar 2005.
  6. Im verlorenen Paradies, Falter vom 19. Jänner 2005 (Memento vom 16. April 2012 im Internet Archive)
  7. Hakan Gürses: „Affäre Klenk“ und der Antirassismus. (Nicht mehr online verfügbar.) In: sosmitmensch.at. 2005, archiviert vom Original am 29. September 2007; abgerufen am 8. Januar 2019.
  8. heise online: Österreichs Justizministerium blockiert Website eines kritischen Journalisten, 18. August 2009.
  9. „Ich hob mitkassiert, oder?“, Falter vom 22. Dezember 2010 (Memento vom 16. April 2012 im Internet Archive)
  10. orf.at - Datenleck enthüllt Offshore-Geheimnisse. Artikel vom 3. April 2016, abgerufen am 10. April 2016.
  11. Geheimsache Pröll. Falter, Heft 1–2, 2017.
  12. Peter Pilz tritt zurück. In: falter.at. 4. November 2017, abgerufen am 8. Januar 2019.
  13. Cathrin Kahlweit: Agrarpolitik auf der Alm. Abgerufen am 12. Januar 2022.
  14. „Hirnbescheuert“: ÖVP-Blog-Chefredakteur Reitan klagt „Falter“-Chefredakteur Klenk - derstandard.de vom 21. Mai 2021.
  15. Wohin steuert die vierte Gewalt? - derstandard.de vom 25. April 2021.
  16. Österreichischer Journalisten Club: Claus-Gatterer-Preis 2002 (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  17. Gattererpreisträger 2002 ist Florian Klenk vom Falter. APA-Meldung vom 4. Mai 2002, abgerufen am 11. März 2015.
  18. Bundespräsident.at : Überreichung des Kurt-Vorhofer-Preises an Florian Klenk (”Falter”) und des Robert-Hochner-Preises 2005 an Andreas Pfeifer (ORF Rom). In: hofburg.at. Archiviert vom Original am 28. September 2007. Abgerufen am 17. November 2005.
  19. ORF: Florian Klenk ist Journalist des Jahres, 19. Dezember 2005.
  20. derStandard.at: "Falter"-Chefredakteur Klenk ist Journalist des Jahres. Artikel vom 16. Dezember 2016, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  21. Florian Klenk ist „Journalist des Jahres“. In: APA. 16. Dezember 2021, abgerufen am 17. Dezember 2021.
  22. Internationaler Journalistenpreis "Writing for CEE" geht an Österreicher Florian Klenk, 18. November 2009.
  23. Walther Rode-Preis 2014. Abgerufen am 9. April 2015.
  24. Florian Klenk: "Der Bauer und der Bobo": Wie aus einem Streit Freundschaft wurde. In: DerStandard.at. 25. September 2021, abgerufen am 25. September 2021.