Louise Glück

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Louise Elisabeth Glück [ˈglɪk] (auch Gluck; * 22. April 1943 in New York City) ist eine US-amerikanische Lyrikerin, Essayistin und Nobelpreisträgerin für Literatur.

Leben

Glücks jüdische Großeltern väterlicherseits stammten aus Ungarn und besaßen nach ihrer Einwanderung in die USA ein Lebensmittelgeschäft in New York. Ihr Vater war bereits in den USA geboren. Ihre Mutter war russisch-jüdischer Abstammung[1] und Absolventin des Wellesley College.

Louise Glück wuchs auf Long Island auf. In ihrer Kindheit brachten die Eltern ihr griechische Mythologie und klassische Stoffe nahe, etwa das Leben Jeanne d’Arcs. Sie begann schon in jungen Jahren, Gedichte zu schreiben. Als Teenager entwickelte Glück eine Anorexia nervosa.[2] Die Ursache ihrer Krankheit beschrieb sie in einem Aufsatz als den Versuch, sich von ihrer Mutter zu lösen.[3] An anderer Stelle brachte sie ihre Krankheit mit dem Tod einer älteren Schwester in Verbindung; dieses Ereignis fand allerdings schon vor ihrer Geburt statt. Im Herbst ihres Abschlussjahres an der George W. Hewlett High School in Hewlett Bay Park, New York, begab sie sich sieben Jahre lang in psychoanalytische Behandlung.

Glück studierte am Sarah Lawrence College und an der Columbia University, insbesondere bei Léonie Adams und Stanley Kunitz.[4] 1967 heiratete sie Charles Hertz Jr. Die Ehe wurde jedoch bald darauf geschieden. Nach dem Erscheinen ihres ersten Gedichtbands Firstborn im Jahre 1968 litt sie unter einer Schreibblockade, die sie erst überwand, als sie 1971 eine Dozentur am Goddard College, einer Privatschule in Plainfield, Vermont, annahm. Anschließend hatte sie 20 Jahre lang eine Professur am Williams College inne. 1973 gebar Glück ihren Sohn Noah, den sie mit ihrem damaligen Partner John Dranow hatte; dieser hatte als Autor das Sommer-Schreibprogramm am Goddard College begründet. Die Ehe wurde 1977 geschlossen und hielt bis Ende der 1990er Jahre.[5] Von 1999 bis 2003 gehörte Glück dem ehrenamtlichen Board of Chancellors der Academy of American Poets an. Seit 2004 ist Glück Rosenkranz Writer in Residence und Professorin für Englisch an der Yale University.

Werk

Ein Themenschwerpunkt der im freien Rhythmus einer natürlich dahinfließenden Sprache verfassten, komplex strukturierten Gedichte mit pulsierenden Versen ist die Auseinandersetzung des Menschen mit den Unwägbarkeiten der Natur, wobei Glück in ihrer Lyrik teilweise auch die Natur selbst mit dem Menschen sprechen lässt.[6] 2020 wurde Glück der Nobelpreis für Literatur für ihre „unverwechselbare poetische Stimme“ zugesprochen. Mit ihrem literarischen Schaffen mache sie die individuelle Existenz zu einer universellen Erfahrung.[7]

Ihre Arbeiten wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zwei Gedichtbände (The Wild Iris und Averno) wurden von Ulrike Draesner ins Deutsche übertragen und sind bei Luchterhand erschienen.

Einzeltitel (Auswahl)

Originalausgaben

  • Firstborn. The Ecco Press, New York 1968.
  • The House on Marshland. The Ecco Press, New York 1975.
  • Descending Figure. The Ecco Press, New York 1980.
  • The Triumph of Achilles. The Ecco Press, New York 1985.
  • Ararat. The Ecco Press, New York 1990.
  • The Wild Iris. The Ecco Press, New York 1992.
  • Proofs and Theories: Essays on Poetry. The Ecco Press, New York 1994.
  • The First Four Books of Poems. The Ecco Press, New York 1995.
  • Meadowlands. The Ecco Press, New York 1996.
  • Vita Nova. The Ecco Press, New York 1999.
  • The Seven Ages. The Ecco Press, New York 2001.
  • Averno. Farrar, Straus and Giroux, New York 2006.
  • A Village Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2009.
  • Poems: 1962–2012. Farrar, Straus and Giroux, New York 2013.
  • Faithful and Virtuous Night. Farrar, Straus and Giroux, New York 2014.
  • American Originality: Essays on Poetry. Macmillan, New York 2017.
  • Winter Recipes from the Collective. Farrar, Straus and Giroux, New York 2021.

Übertragungen ins Deutsche

  • Für meine Mutter, Blühende Pflaume, Palais des Arts, Mythisches Bruchstück. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Brôcan, in: Sehen heißt ändern. Dreißig Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Eine zweisprachige Anthologie, hrsg. v. Jürgen Brôcan, Stiftung Lyrik Kabinett, München 2006, ISBN 3-9807150-8-6, S. 100–107.
  • Averno. Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Draesner, Luchterhand Literaturverlag, München 2007, ISBN 978-3-630-87251-3.
  • Wilde Iris. Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Draesner, Luchterhand Literaturverlag, München 2008, ISBN 978-3-630-62144-9.
  • Abenteuer. Gedichte. Aus dem Englischen von Uta Gosmann. In: Sinn und Form 2/2017, S. 174–180, ISBN 978-3-943297-34-8.
  • Treue und edle Nacht. Gedicht. Aus dem Englischen von Uta Gosmann. In: Sinn und Form 6/2019, S. 737–743, ISBN 978-3-943297-50-8.
  • Winterrezepte aus dem Kollektiv. Gedichte Aus dem Englischen von Uta Gosmann. ISBN 978-3-630-87680-1.

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

  • Joanne Feit Diehl: On Louise Glueck. Change what you see. University of Michigan Press, Ann Arbor, Michigan 2005, ISBN 0-472-03062-0.
  • R. Miklitsch: Assembling a Landscape. The Poetry of Louise Glück. In: R. H. W. Dillard (Hrsg.): Companion to Contemporary Literature in English. Band 1, 2002, S. 347–359.
  • Daniel Morris: Poetry of Louise Gluck. A Thematic Introduction. University of Missouri Press, Columbia 2006, ISBN 978-0-8262-6556-2.
  • Werner Reinhart: Glück, Louise. Das lyrische Werk. In: Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 2009 (Online-Ausgabe).

Audio

  • Louise Glück: Poetry Reading. In: The Elliston Project: Poetry Readings and Lectures at the University of Cincinnati. 7. November 1997, abgerufen am 8. Oktober 2020 (englisch, Öffentliche Lesung; Aufnahme im Format mp3 unter CC-BY-NC-ND 3.0).

Weblinks

Commons: Louise Glück – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Daniel Morris: The Poetry of Louise Glück: A Thematic Introduction. University of Missouri Press, 2006, ISBN 978-0-8262-6556-2, S. 67.
  2. Linton Weeks: Gluck to Be Poet Laureate. In: The Washington Post, 29. August 2003. 
  3. Louise Glück: Proofs & Theories: Essays on Poetry, S. 11.
  4. Dan Chiasson: The Body Artist. In: The New Yorker. 12. November 2012, abgerufen am 9. Oktober 2020 (amerikanisches Englisch).
  5. Vermont's Struggling Culinary School Plans Its Next Course, Seven Days, 12. März 2014. Abgerufen am 9. Oktober 2020.
  6. Literaturnobelpreis geht an Louise Glück, deutschlandfunkkultur.de, gesendet und abgerufen am 8. Oktober 2020.
  7. Livestream der Akademie zur Verkündung des Preisträgers 2020. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  8. a b John Simon Guggenheim Foundation – Louise Glück. In: gf.org. 14. Juni 2020, abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  9. National Book Critics Circle: Awards. In: bookcritics.org. Abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  10. The Wild Iris, by Louise Glück (The Ecco Press). In: pulitzer.org. Abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  11. Book of Members 1780–present, Chapter G. (PDF; 931 kB) In: amacad.org. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  12. Academy Members. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 14. Januar 2019.
  13. Louise Gluck – The Bollingen Prize for Poetry. In: bollingen.yale.edu. Abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  14. Past Poets Laureate: 2001–2010; Library of Congress (loc.gov). Abgerufen am 4. Juli 2018.
  15. More about Louise Glück; Library of Congress (loc.gov). Abgerufen am 4. Juli 2018.
  16. Griffin Poetry Prize: Louise Glück. In: griffinpoetryprize.com. Abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  17. Winner, National Book Awards 2014 for Poetry. In: nationalbook.org. Abgerufen am 27. April 2019.
  18. Member History. In: search.amphilsoc.org. Abgerufen am 4. Juli 2018.
  19. Louise Glück. In: neh.gov. Abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).